Bankanbindungen

Drum prüfe, wer sich ewig bindet...

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Autor: Michael Juen

„Was ist für mich eigentlich die beste und vor allem kostengünstigste Lösung im Zahlungsverkehr?“ Das werden wir Treasury-Berater und Systemanbieter mit verschiedenen Alternativen immer wieder gefragt. Das Spektrum von schnellen Antworten, die Treasurer bekommen – abhängig davon, wen man fragt – ist breit: „SWIFT bietet zwar eine tolle Reichweite, aber ist in der Regel zu teuer“, „Lokale Kommunikationsstandards sind immer die kostengünstigste Variante“ oder „Eine Direktanbindung via Host-to-Host an eine Bank geht nie schnell und unkompliziert, das ist immer ein zeitfressendes Projekt“. Also was nun?

Guter Rat muss nicht teuer sein!

Ein Funken Wahrheit steckt in all diesen Thesen: Ja, SWIFT ist heute für Firmenkunden attraktiv, günstiger und einfacher im Onboarding geworden, nicht zuletzt dank integrierter Lösungen wie z.B. dem BELLIN SWIFT Service. Eine Host-to-Host Anbindung ist inzwischen eine bewährte, komfortable Option der Bankkonnektivität, die je nach Bank und Land unterschiedlich aufwändig einzurichten ist. Standardkommunikationskanäle, wie EBICS, können einfach in das Treasury Management System integriert werden und sind daher oft ein schneller Einstieg. Trotzdem heißt das nicht, dass man ganz klar die eine Option der anderen immer vorziehen muss. Wer die Frage schnell beantwortet etwa im Sinne von: „Ich empfehle immer erst lokal anzufangen und dann global auszuweiten“ oder „SWIFT ist die umfassendste und immer beste Lösung“, der kann wahrscheinlich nicht alle Möglichkeiten anbieten oder weiß es einfach nicht besser. Denn pauschal gibt es nicht die Antwort, die optimale Lösung hängt ganz vom Unternehmen und dessen individueller Situation ab! Deshalb ist es für uns als Berater so wichtig, die Beweggründe und Situation des Unternehmens zu verstehen.

Die ideale Kombination – kurz-, mittel- und langfristig!

Ein Missverständnis in der Erwartungshaltung muss man vorab aus dem Wege räumen: Die Aussage „Ich muss mich für 1 Konnektivität entscheiden, wenn ich aus 1 System heraus den Zahlungsverkehr steuern möchte – entweder SWIFT, Host-to-Host oder einen lokalen Kommunikationsstandard“ stimmt nicht! Für die meisten Unternehmen bietet die Kombination verschiedener Anbindungsformen die ideale Perspektive, zum Beispiel eine SWIFT-Anbindung und EBICS-Anbindungen für bestimmte Länder.

Bei der Entscheidung, welche Anbindung für ein Unternehmen ideal ist, muss man hinterfragen, was man eigentlich genau mit der Lösung erreichen möchte. Ein häufiger Denkfehler: Ich suche die ideale Lösung für meine Bedarfe heute. Es geht – gerade auch aus Kostenperspektive – nicht nur um ein kurzfristiges Setup des Zahlungsverkehrs. Auch die Bedarfe von morgen sind relevant und spiegeln sich gerade langfristig in finanzieller Hinsicht wieder. Trotz des oft herrschenden Zeitdrucks in solchen Projekten lohnt es sich, gerade bei der Entscheidung, auch künftige Bedarfe zu antizipieren und sich die Frage zu stellen, was will ich eigentlich mit dieser Anbindung auch in der mittleren und langen Frist erreichen.

Was brauche ich wirklich?

  • Eine Überlegung sollte sein, ob das Unternehmen nur Kontoauszüge einsammeln möchte oder ob auch Zahlungen mit direkter Bankanbindung aus dem Treasury System heraus durchgeführt werden sollen. Mit Blick auf die Systemintegration und die Reduzierung von individuellen Logins, Plattformen, Zugängen und Token macht in den meisten Fällen gerade langfristig letzteres mehr Sinn. Nicht zwingend für alle Länder und alle Banken, aber zumindest für die wesentlichen.
  • Ein zweiter, sehr wichtiger Aspekt schließt sich direkt daran an: das Spektrum des Integrationsprojektes. In welchen und in wie vielen Ländern will ich den Zahlungsverkehr optimieren, in welchen Ländern ggf. nur Kontoauszüge beziehen, in welchen aktiv Zahlungen tätigen? Bei der Länderanalyse spielt in vielen Fällen auch die Frage der Sicherheit von Zahlungen – Stichwort Korruption und Zahlungsbetrug – eine wichtige Rolle.
  • Ganz entscheidend für die Wahl des Bankanbindungsmodells ist, mit welchen Banken das Unternehmen vorwiegend operiert und in Zukunft operieren möchten. Gibt es viele Banken, ist in der mittleren Frist eine Bankkonsolidierung geplant oder verfolgt das Unternehmen grundsätzlich eine Kernbank-Strategie? Gerade eine Entscheidung zwischen Direktanbindungen von Banken oder der Nutzung des SWIFT Netzwerks hängt maßgeblich von der Bankstrategie ab.
  • Aus Kostenaspekten sind das Zahlungsvolumen und die Frage, ob vorwiegend Massenzahlungen oder Einzelzahlungen – je nach Bank und Land – getätigt werden, ausschlaggebend. Gerade bei der Nutzung des SWIFT-Netzwerks entstehen volumenabhängige Kosten für übermittelte Nachrichten, die zum Beispiel bei einer Direktanbindung via Host-to-Host oder via Standardkommunikationskanal in dieser Form nicht anfallen.

 

Nicht zuletzt ist es ein Entscheidungskriterium, ob das Treasury auch andere Transaktionen an Banken elektronisch vornimmt oder in Zukunft vornehmen möchte, zum Beispiel im Bereich Trade Finance. Das Matching von Geldmarkt- und Devisengeschäften oder die Abwicklung von Trade Finance-Geschäften, wie Garantien und Akkreditiven, kann beispielsweise über den SWIFT-Kanal erfolgen – ohne dass enorme Zusatzkosten bei der Einrichtung entstehen, wenn der SWIFT-Kanal bereits für den generellen Zahlungsverkehr eingeführt wurde. Statt im MT101 Format für den Zahlungsverkehr oder MT940 für Kontoauszüge werden dann Nachrichten in anderen Formaten, z.B. MT798 für Trade Finance oder MT3XX für Confirmation-Nachrichten über die gleiche Anbindung gesendet. Wenn solche Projekte bei Unternehmen in Planung sind, dann könnte dies die Kostenrechnung durchaus beeinflussen.

  • Grundsätzlich analysieren wir als Berater auch, wie das Treasury aufgestellt ist – eher dezentral mit vielen lokalen, eigenverantwortlichen Einheiten oder eher zentral mit einem starken Group Treasury. Abhängig davon, wer in den Gesellschaften vor Ort mit Treasury-Funktionen betraut ist, welche Informations- und Datenqualität geliefert wird, welche Manpower, welcher Autonomiegrad und welche Treasury-Kompetenz lokal angesiedelt ist, kann die Frage beantwortet werden, welche Priorität es hat, Banktransaktionen zu automatisieren und zentral zu steuern.

 

Ausgehend von diesen Überlegungen muss dann erarbeitet werden, was die sinnvollste Lösung für das Unternehmen ist. Aufgrund meiner Erfahrungen kann ich aber einige Faustregeln aufstellen, die illustrieren, was mögliche Lösungen sein könnten, je nach Ausgangslage.

Szenario 1:

  • Für die Transparenz im Cash Management wollen Sie möglichst in allen Gesellschaften Kontoauszüge elektronisch einsammeln und im TMS importieren können, während Sie Zahlungen vorwiegend in Kernländern tätigen. Lokale Geschäfte in den Gruppengesellschaften verantworten die dezentralen Einheiten. Trade Finance-Geschäfte, Hedging oder elektronische Garantien-Verwaltung sind keine Themen, ebenso wenig wie die Übernahme der Funktion einer Inhouse-Bank.In diesem Fall macht es höchstwahrscheinlich Sinn, eine technische Lösung aufzubauen, in der alle lokalen Kontoauszüge in Echtzeit zentral im System verfügbar sind. Hierfür bietet sich an, das Produkt SWIFT-Reporting einzuführen. Die Kernmärkte, in denen vom Treasury direkt Zahlungen getätigt werden sollen, könnten hingegen parallel über Host-to-Host oder Standardkommunikationskanäle (z.B. EBICS) angebunden werden.

 

Szenario 2:

  • Tätigen Sie in exotischen Ländern viele Geschäfte, historisch gewachsen mit sehr vielen lokalen Banken und möchte sowohl Kontoauszüge einsammeln als auch zentral Zahlungen tätigen können, ist für die Zukunft vielleicht auch geplant, im Trade Finance Bereich die Bankkommunikation zu automatisieren, dann ist die SWIFT-Anbindung auch für den Zahlungsverkehr sicherlich eine Überlegung wert. Nicht zwingend als Ersatz für die komplette Bankkommunikation – ggf. können auch Kernmärkte, in denen vom Volumen her viele Transaktionen getätigt werden durch die Anbindung via Host-to-Host oder Standardkommunikationskanäle abgedeckt werden. Einige unserer Kunden nutzen zum Beispiel nach wie vor parallel zu SWIFT im DACH-Raum EBICS, FTX und MBS.

 

Szenario 3:

  • Ist Ihre primäre Herausforderung vor allem ein sicherer Zahlungsverkehr in „schwierigen Ländern“ – wie China, Brasilien, etc. und Sie sind einer Kernbankstrategie nicht abgeneigt, dann sollten Sie prüfen, ob sich eine Direktanbindung Host-to-Host an eine Bank lohnt, die in diesen Ländern operiert. Mit etlichen Banken sind Host-to-Host Anbindungen auch in solch „exotischen Ländern“ bereits erprobt und entsprechend auch in einem realistischen Zeitraum und mit überschaubarem Aufwand umzusetzen. Umgekehrt realisieren wir auf Kundenanfrage auch immer gemeinsam mit Banken Pilotprojekte – ganz nach dem Motto, geht nicht, gibt’s nicht. Auch hier kann natürlich die Lösung durch lokale Kommunikationsstandards, die eben für bestimmte Länder plug and play einzubinden sind, ergänzt werden.

 

In den meisten Fällen sind es Kombinationen verschiedener Anbindungen, die zum Erfolg führen und die am kosteneffizientesten sind – sowohl für einen lokalen, als auch für einen internationalen Zahlungsverkehr. Und nicht immer ist die Option, die auf den ersten Blick am wenigsten kostet, auch die beste; hier lohnt sich ein zweiter, genauer Blick, der versucht, auch zukünftige Entwicklungen zu berücksichtigen. So kann man dann seine Bankkonnektivität einmal gut durchplanen und statt mehrerer halbherziger Anbindungen es lieber einmal und dafür gleich richtig machen!

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