Die Evolution des Treasurers

Vom Datensammler zum Strategen

The Strategic Role of a Treasurer_HEADER
Rüdiger Schlecht author pictureAutor: Rüdiger Schlecht

Sie kennen das Dilemma: Der Treasurer in einem multinationalen Konzern wartet einmal im Monat gespannt auf seinen konzernweiten Liquiditätsüberblick. Was er schließlich in Händen halten darf, repräsentiert den Stand zum Ende des Vormonats, angekommen mit mehreren Tagen Verzögerung. Bis alle Daten endgültig vorliegen, ist der heiß ersehnte aktuelle Bericht oft bereits wieder so relevant, wie die Zeitung von gestern.

Für den Treasurer bedeutet das im Klartext, dass er häufig nur einmal im Monat den Gesamtüberblick über die Finanzen aller Konzerngesellschaften zu Gesicht bekommt. Die Entwicklungen und Bewegungen während des Monats bleiben weitestgehend im Dunklen, und wenn der Bericht dann Liquiditätsreserven bei einem bestimmten Unternehmen anzeigt, so kann auch dieses Geld bereits wieder ausgegeben oder anderweitig verwendet worden sein, wenn ihm die Zahlen zur Verfügung stehen. Ein Treasury-Dasein in der Retrospektive mit dem letzten Bilanzstichtag als ständigem Fokus und dem frustrierenden Motto: Reagieren statt agieren.

Dieses Szenario gehört dank moderner Treasury Management Systeme der Vergangenheit an. Mittlerweile können Treasurer jederzeit auf Knopfdruck konzernweite Transparenz bis ins kleinste Detail genießen. Daten müssen nicht mehr mühsam zusammengetragen werden, sondern sind immer in Echtzeit verfügbar. Treasurer sind nicht länger hauptberuflich „Datensammler“, sondern wissen wann immer sie wollen, was in den Tochterunternehmen los ist. Damit entfällt eine Aufgabe, die früher einen wesentlichen Anteil des Arbeitsprofils eines Treasurers ausmachte. Was genau aber bedeutet diese Aufgabenverschiebung für das Treasury?

Letztlich bedeutet dies eine Prioritätenverschiebung.

Die Zeit, die ein Treasurer dadurch gewinnt, dass er nicht mehr ständig mühsam Daten zusammentragen muss, kann nun anderweitig eingesetzt werden. Aus dem rückwärtsgewandten Treasurer im Blindflug ist ein Stratege mit Weitblick geworden. Mit aktuellen und lückenlosen Informationen im Rücken können sich Treasurer auf das konzentrieren, was eigentlich den Kern ihrer Aufgabe ausmacht: vorliegende Daten als Basis für das zukunftsorientierte Risikomanagement umsetzen und entsprechende strategische Entscheidungen treffen.

Das kann viele Gesichter haben.

Der Liquiditätsüberblick

An vorderster Stelle steht der Liquiditätsüberblick. Während Treasurer in der Vergangenheit ihre ganze Energie darauf verwenden mussten, hier überhaupt eine Übersicht über die Situation in sämtlichen Konzerngesellschaften zu erhalten, haben sie die entsprechenden Daten jetzt immer verlässlich vorliegen – und zwar nicht nur am Monatsende, sondern in Echtzeit. Damit ist der Weg geebnet für wohl überlegte Finanzierungsentscheidungen: Welches Tochterunternehmen hat überschüssige Liquidität, die anderweitig im Konzern genutzt werden kann? Wo werden unternehmensinterne Kredite benötigt? Welche Investitionen bieten sich an, und wie lässt sich eine Refinanzierung möglichst sinnvoll umsetzen? Treasurer heute sind souverän. Sie haben jetzt die Informationen, die Zeit und die Muße, sich solchen Fragen zu widmen und hier rechtzeitig die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ermöglicht langfristige Planung, und die Finanzierbarkeit ist jederzeit gesichert. Denn es gilt immer: Liquidität geht vor Rentabilität.

Risikomanagement

Die durch den Wegfall des Datensammelns gewonnene Zeit kommt daher dem Wesentlichen, dem Risikomanagement, zugute. Treasurer haben dank der verbesserten Ausgangslage immer alles im Blick und sehen sofort, wo im Konzern Risikoabsicherung gefragt ist. D.h. zum einen, dass immer Zugriff auf aktuelle Daten besteht, aber auch, dass keine Daten zurückgehalten werden können. Die Situation in allen Tochtergesellschaften ist jederzeit transparent. Wo liegen Zins- und Währungsrisiken? Wie kann Ausfallrisiken am besten vorgebeugt werden? Der Treasurer ist immer am Ball und sorgt so langfristig für die erforderliche Liquiditätsausstattung jeder einzelnen Einheit ebenso wie der gesamten Gruppe. Gerade angesichts von ständig steigenden Volatilitäten und den damit einhergehenden neuen Herausforderungen im Treasury Management, wie wir sie aktuell an den Märkten vorfinden, müssen Treasurer entsprechende ablauforganisatorische Maßnahmen treffen. Dafür die Zeit und die Kapazitäten zu haben, ist Gold wert und kann überlebenswichtig sein.

Sicherheit und Compliance

Der vielleicht wichtigste Faktor ist jedoch Sicherheit und damit gleichzeitig Compliance. Treasurer müssen sich nicht länger darum kümmern, dass Berechtigungen für die Rollen in der globalen Zahlungsabwicklung mühsam an den verschiedensten Stellen und für eine Reihe von unterschiedlichen Systemen gepflegt werden. Durch eine vollständige Integration des Zahlungsverkehrs in ein konzernweit einziges System sind zwangsläufig alle Unterschriftsberechtigten zentral hinterlegt und werden an nur einer Stelle verwaltet. Das macht Zahlungen nicht nur schneller, sondern in erster Linie den Prozess viel sicherer. Der Treasurer kann sich darauf verlassen, dass keine Zahlung ohne die Unterschrift des Ausführungsberechtigten erfolgen kann und dass dabei die Berechtigungsstrukturen durch das System berücksichtigt sind. Damit wird gleichzeitig auch den immer weiter verschärften Auflagen der Prüfer Rechnung getragen.

Das zeigt, wie vielfältig die Bereiche sind, in denen Treasurer von der Einführung moderner Treasury Management Systeme profitieren können. Eines ist sicher: Die Zeiten des mühsamen Datensammlers sind auf jeden Fall vorbei. Treasurer von heute sind Strategen mit Weitblick.

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