Die Zentralisierung im Treasury

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Martin Bellin author pictureAutor: Martin Bellin

Der Trend ist wieder da. Nachdem bereits vor einigen Jahren die Idee zur Zentralisierung aller Aktivitäten rund um das Treasury zur Etablierung einer ganzen Reihe von Shared Service Centern, Financial Hubs und Coordination Centern geführt hat, wurde es zwischenzeitlich etwas ruhiger um dieses Thema. Diese finanziell und administrativ aufwendigen Einheiten waren letztlich multinationalen Großkonzernen vorbehalten, deren enorme Volumina Kosten in der erforderlichen Größenordnung rechtfertigten. Und auch wenn viele Aufgaben mittlerweile nur noch zentral abgewickelt werden, sind die Informationen über das Kerngeschäft dennoch dezentral geblieben, und die Schlagkraft und Effizienzsteigerung blieben zudem meist hinter den gesteckten hohen Erwartungen zurück. Die große Mehrheit von Unternehmen ließ diese Trendwelle daher aus.

2015 befinden wir uns jedoch mitten in einer neuen Zentralisierungsbewegung. Die Zinsen sind derzeit so niedrig wie nie, der Eigenhandel wird aufgrund von Anforderungen aus Compliance und dem Streben nach Sicherheit wieder eingeschränkt, und es rücken zunehmend Themen in den Fokus, die die klassischen Disziplinen des Funding und Währungsmanagements betreffen. Die Unabhängigkeit von Banken gerade in Sachen Finanzierung ist hier nicht selten der treibende Faktor. Und schon wieder fällt das Stichwort Zentralisierung – dieses Mal jedoch vor einem anderen Hintergrund.

Während es früher um die organisatorische Zentralisierung ging, sprich die zentrale Ausführung von Aufgaben sowie die zentrale Übernahme von konzernweiter Verantwortung, so drehen sich die Bestrebungen nach Zentralisierung heute um die Notwendigkeit lückenloser Informationen, selbst aus den entferntesten Ecken des Unternehmens. Beginnen wir mit ganz einfachen Disziplinen, mit den Kontosalden aller Konten weltweit – und hier sind wirklich alle Konten gemeint. Es reicht mittlerweile nicht mehr aus, diese nur einmal im Monat zu reporten. Sie müssen täglich oder sogar untertags bekannt gemacht werden, um daraus Entscheidungen über den Einsatz der im Konzern verfügbaren liquiden Mittel zu treffen. Und diese Anforderungen betreffen keineswegs nur die „Multis“. Gerade mittlere Unternehmen sind getragen von dem Wunsch, hier effizienter zu werden. Sind nun die Salden bekannt, folgt als nächster Schritt der Zugriff auf die Gelder bzw. die wirkliche Kontrolle der Saldenentwicklung. Aber Brasilien ist weit weg, China immer noch stark reguliert und Australien in einer ungeschickten Zeitzone, wenn das Treasury in Westeuropa sitzt.

Die Zentralisierung findet daher heute anders statt. Was früher einer physischen Organisationsstruktur bedurfte, kann heute virtuell erfolgen. Systeme bieten alle Möglichkeiten des zeitnahen und uneingeschränkten Informationszugriffs ohne die Etablierung aufwendiger Reportingwege. Voraussetzung dafür ist, dass sich alle an der gleichen Architektur beteiligen und vom gleichen Informationspool profitieren. Ist dies der Fall, haben diese Systeme nicht nur die Aufgabe der Datenverwaltung, sondern unterstützen primär die Prozesse des Tagesgeschäfts. Daten und Informationen für Gesellschaft und Zentrale werden damit zum Nebenprodukt, die Effizienz der Prozesse rückt in den Mittelpunkt. Die virtuelle Zusammenarbeit ermöglicht es dann jedem Unternehmen, die Prozesse dort ausführen zu lassen, wo dies am einfachsten möglich ist. Eine organisatorische Zentralisierung wird ebenso unterstützt wie die komplette organisatorische dezentrale Abwicklung. Einzig die Informationen stehen den Entscheidungsträgen immer und überall in Echtzeit zur Verfügung, um Entscheidungen zu Funding und Hedging zu treffen, um mit den operativen Einheiten zu handeln oder diese kurzfristig und effizient zu finanzieren.

Zentralisierung ist also nicht neu. Sie ist schon immer dem Bedürfnis gefolgt, effizient steuern zu können. Systeme bieten in diesem Zusammenhang nicht vollkommen neue Möglichkeiten, aber sie bieten sie zu ganz anderen Bedingungen an. Ein prominentes Beispiel sind die inzwischen voll integrierten Direktanschlüsse an SWIFT. Diese sind so erschwinglich geworden, dass sich die Frage gar nicht mehr stellt, ob man sich diesen leisten kann, sondern im Gegenteil – ob man es sich leisten kann, darauf zu verzichten. Permanent aktuelle Informationen sind noch wichtiger und gleichzeitig verfügbar und erschwinglich geworden. Es ist an der Zeit, dieses Potenzial zu nutzen, und Risikomanagement und Funding erneut zu überdenken, um diese noch effizienter aufstellen zu können. Jetzt ist die Umsetzung nur noch eine Sache der individuellen Ziele und des Willens im Unternehmen, nicht mehr eine Frage der Ressourcen.

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