Gewusst wie: In der Krise Liquidität und Finanzierung sichern

Wie Corporate Treasurer Cash und Fremdfinanzierung steuern
The Liquidity and Funding How-to in Times of Crisis_HEADER

Auf der Suche nach Tipps, um Ihr Cash Management zu optimieren?

Download Whitepaper
Michael Bach author pictureAutor: Michael Bach

Katja Franz author pictureAutor: Katja Franz

Laut einer weltweiten Umfrage von Strategic Treasurer, der Global Crisis Monitor Survey, machen sich Treasurer in der Coronakrise vor allem Sorgen um Zahlungsausfälle und Kreditfragen. Beide Themen werden seit Beginn der Initiative im März 2020 immer wieder genannt. Wir befinden uns insofern in einer noch nie da gewesenen Situation als dass ALLE Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, Branche oder ihrem Standort, gleichzeitig betroffen sind. Entsprechend bemühen sich auch alle Unternehmen gleichzeitig um Finanzierung durch Banken, Kapitalmärkte und Rettungsprogramme. Das hat weitreichende Folgen.

 

Vom obskuren Sonderfall ins echte Leben: das „Pandemie-Szenario“

Mit Erstaunen und Entsetzen hat die Welt in den letzten Wochen beobachtet, wie ein einst belächeltes Szenario, das viele noch aus ihrem BWL- oder Finanzstudium kennen, erschreckende Realität geworden ist. Unternehmen haben ganz neue Wege finden müssen, und alles dreht sich um Cash und Liquidität. Das banale und oft ungeliebte Cash Management hat derzeit gegenüber seinen schillernden Konkurrenten Devisen-Hedging und strategisches Risikomanagement die Nase vorn. Unternehmen sehen sich elementaren Fragen gegenüber:

  • 1 Wie stelle ich Cash und Liquidität sicher?
  • 2 Wie erhalte ich Finanzierung von Banken und Kapitalmärkten?
  • 3 Habe ich Anspruch auf Finanzierung aus Rettungsschirmen verschiedener Regierungen?

 

Was können Unternehmen tun, die auf dem falschen Fuß erwischt wurden?

Es gibt viele Gründe, warum manche Unternehmen sich in der derzeitigen Krise ohne systemgestützte Cash-Transparenz und ohne erprobte Szenario-Analysen wiederfinden. Sie kommen im Rennen um Finanzierung entsprechend langsamer aus den Startblöcken. Gibt es dennoch Dinge, die auch Unternehmen tun können, die auf dem falschen Fuß erwischt wurden?

  • Cash-Transparenz um jeden Preis

Im Moment sollten Unternehmen vor allem ein Ziel haben: sich so weit wie möglich einen Überblick über ihre Liquiditätssituation zu verschaffen, egal wie. Wer kein TMS zur Verfügung hat, das konzernweite Echtzeitdaten liefert, für den gilt: In Krisenzeiten ist wenig besser als gar nichts! Unternehmen, die jetzt nicht die Möglichkeit haben, noch ein Treasury Management System einzuführen, müssen in den sauren Apfel beißen und mühsam ihre Daten zusammentragen: per E-Mail oder in stundenlangen Telefonaten, wenn es nicht anders geht. Daten müssen her, lieber unvollständig als gar keine, damit Unternehmen kurzfristiges Cash Management anhand der 80/20-Regel betreiben können. Die wichtigsten Konten sollten in irgendeiner Form abgedeckt sein.

  • Kommunikation mit Gesellschaften, Banken, Lieferanten und Kunden

Eine weitere wichtige Regel: miteinander sprechen! Unternehmen sollten mit ihren Gesellschaften, Banken, Lieferanten und Kunden im Gespräch bleiben. Gemeinsam bilden sie extrem anfällige Lieferketten: Sobald einer ausfällt, reißt die gesamte Kette, und allen droht das Aus. Genau deshalb sollten alle Beteiligten miteinander kommunizieren und stets transparent bleiben. Wer nicht zahlen kann, sollte die anderen zumindest darüber informieren, damit diese entsprechende Schritte einleiten können.

  • Einfache Liquiditätsplanung

Eine weitere Möglichkeit, die Unternehmen auch in der Krise noch offensteht, ist das Aufsetzen einer einfachen Liquiditätsplanung. Natürlich ist auch das kein Ersatz für ausgeklügelte, in einem TMS gepflegte Pläne, aber auch hier gilt: Wenig ist besser als gar nichts. Selbst wer nur 2 Kategorien bedient (eingehende und ausgehende Cashflows), erhält dennoch mindestens 4 Erkenntnisse (unerwartet hohe Einnahmen vs. zu wenige Ausgaben bzw. zu geringe Einnahmen vs. zu hohe Ausgaben).

Gerade in Zeiten, in denen beim Thema Finanzierung großer Konkurrenzkampf besteht, kann es extrem wichtig sein, Erkenntnisse aus dem Cash Management und zumindest eine rudimentäre Liquiditätsplanung vorlegen zu können. Bei den Geldgebern könnte das den Ausschlag geben, eine Finanzierung zu gewähren. Kreditinstitute möchten sehen, dass sich ein Unternehmen bemüht, dass seine Strategie durchdacht ist, dass es irgendeine Vorstellung davon hat, wie es weitergehen wird.

 

Gute Vorbereitung macht sich bezahlt

Im Gegensatz zu jenen Unternehmen, welche die Krise auf dem falschen Fuß erwischt hat, haben die Unternehmen im Wettbewerb um Finanzierung einen klaren Vorteil, die im Cash Management, bei Forecasting und Liquiditätsplanung sowie bei Szenario-Analysen bereits ein TMS nutzen und gut aufgestellt sind.

  • Der Wert vollständiger Echtzeitdaten

Gut vorbereitete Unternehmen können sich jetzt auf ihre Daten verlassen, statt sie erst mühsam zusammentragen zu müssen. Gerade in Krisenzeiten sind Schnelligkeit und Verlässlichkeit unerlässlich. Wir befinden uns zwar in einer so noch nie da gewesenen Situation, in der keiner voraussagen kann, was passieren wird. Aber wer sich entsprechend vorbereitet hat, ist jetzt zumindest nur noch auf einem Auge blind und kann sich ganz darauf konzentrieren, aus vorhandenen Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen und Entscheidungen zu treffen.

  • Detailliertere Szenarien und Pläne

Treasurer, die sich auf eine verlässliche Datengrundlage stützen, können in ihren Szenario-Analysen jetzt viel kleinteiliger vorgehen. Wer sich um das große Ganze keine Sorgen mehr machen muss, kann ganz ins Detail gehen. Das Gleiche gilt für bereits bestehende Liquiditätspläne. Treasurer können jetzt auf das zurückgreifen, was sie vor der Krise aufgebaut haben, und mit Blick auf die Krise Anpassungen vornehmen, z.B. kürzere Planungsintervalle.

  • Der Wert guter Beziehungen mit Banken und Gesellschaften

Auch gute Beziehungen mit Banken zahlen sich jetzt in der Krise aus. Wer in gutem Kontakt mit Banken und Geldgebern steht, ist jetzt mehr als nur irgendein anonymes Unternehmen. Das erhöht die Chancen auf zusätzliche Finanzierung. Ebenso macht sich eine gute Beziehung mit wichtigen Vertretern in den Gesellschaften jetzt bezahlt.

Wie jetzt die Finanzierung sichern?

  • Die Klassiker: Banken, Kapitalmärkte und andere Optionen

In Krisenzeiten ist es für Unternehmen extrem hilfreich, sowohl ihre externen als auch ihre internen Finanzierungsstrukturen zu kennen. Die bereits genannten Tipps helfen hier ebenfalls weiter. Offensichtliche Finanzierungsquellen sind natürlich Banken und Kapitalmärkte, entweder bei bestehenden oder bei neuen Finanzierungspartnern. Die derzeitige Krise ist auch eine Möglichkeit, das bestehende Finanzierungsportfolio zu erweitern. Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere Wege, um Liquidität zu heben. Dazu zählen das Verschieben von Investitionen, die Neuverteilung von Finanzierungen oder Handlungsspielraum bei bestehenden Vereinbarungen.

  • Nationale Rettungsschirme

In vielen Ländern stehen allen Unternehmen, egal ob auf dem falschen Fuß erwischt oder gut vorbereitet, zudem Finanzierungsprogramme der Regierungen offen. Hier gibt es starke Initiativen, z.B. die KfW-Corona-Hilfskredite in Deutschland oder die Covid Corporate Financing Facility (CCFF) der Bank of England. Allerdings sollten sich Unternehmen dessen bewusst sein, dass hier komplizierte Anforderungen gelten und zum Teil Abhängigkeiten bestehen.

Wenn ein Unternehmen in einem Land Hilfe in Anspruch nimmt, kann es passieren, dass ihm dadurch Unterstützung in einem anderen Land verwehrt bleibt. Darüber hinaus ist oft unklar, wo genau multinationale Unternehmen Ansprüche stellen können, nur am Hauptstandort oder auch in Ländergesellschaften. Manche Konzerne gehen deshalb mittlerweile so weit, Geschäftsbereiche abzuspalten oder Finanzierungsgesellschaften zu gründen, um in mehreren Ländern Unterstützung erhalten zu können. Deshalb muss eine Finanzierung über derartige Rettungsschirme immer im Einzelfall betrachtet werden.

Schlüsse für die Zukunft ziehen

Man kann es sich zwar im Moment kaum vorstellen, aber auch diese Krise wird irgendwann hinter uns liegen. Dann wird es für alle an der Zeit sein, wichtige Schlüsse zu ziehen.

  • Cash Management ist Risikomanagement

In der Vergangenheit haben manche Unternehmen sich gar nicht erst die Mühe gemacht, eine Liquiditätsplanung aufzusetzen oder Risikomanagement zu betreiben. Sie waren sich sicher, genug Cash zu haben. Die momentane Krise zeigt ganz klar, dass jedes Unternehmen Cash Management als Teil seines Risikomanagements betrachten sollte, und dass kein Unternehmen Liquiditätsüberschüsse immer als gegeben ansehen kann.

  • In guten Zeiten für den Ernstfall planen

Eine weitere wichtige Lehre aus der Krise: Unternehmen sollten sich auf den Ernstfall vorbereiten, wenn die Dinge gut laufen. Nach der Krise gilt es dann, Technologie und Prozesse noch einmal mit frischen Augen zu betrachten: Sollte nicht doch in ein TMS investiert werden? Wie kann die Liquiditätsplanung optimiert werden? Sollte Intercompany-Netting eingeführt werden? Braucht es wirklich 80 Banken? Solche Entscheidungen möchten wohl überlegt sein und nicht gefällt werden, wenn es gerade ums nackte Überleben geht.

  • Stresstest für die Notfallpläne

Kein Unternehmen ist je so gut vorbereitet, als dass es nicht trotzdem Lehren aus der Krise ziehen könnte. Dazu zählt auch, Backup-Pläne wirklich auf den Prüfstand zu stellen. Wer eine Kreditlinie einrichtet, aber nie in Anspruch nimmt, kann gar nicht wissen, ob diese im Ernstfall standhalten würde. Daher sollten Kreditlinien testweise auch in guten Zeiten genutzt werden. Außerdem sollten Unternehmen Szenarios wirklich testen und bestimmen, was für sie eine komfortable Situation darstellt, und was die Mindestvoraussetzungen sind. Vorhandene Daten sollten genutzt werden, um alles genauer zu betrachten. Es geht nicht nur darum, seinen Risikoappetit zu kennen, sondern auch die Gesamtkapazität: Wie viel benötige ich als Unternehmen im schlimmsten Fall mindestens, um noch überleben zu können? Wo liegen interne und externe Verpflichtungen, denen ich nachkommen muss?

  • Banken und Finanzierungsoptionen neu betrachten

Ein weiterer Schritt, den Unternehmen nach der Krise gehen können: sich Bankbeziehungen noch einmal kritisch vornehmen. Was hat sich in Krisenzeiten bezahlt gemacht? Auf wen konnte ein Unternehmen sich verlassen, und wo hat man die benötigte Finanzierung und Unterstützung bekommen? Neben Banken sollten hier auch andere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. So könnten z.B. Kapitalmärkte eine Option für die Zukunft sein.

 

Zusammenfassung

In einer Wirtschaftskrise sind Liquidität und Finanzierung noch wichtiger als sonst. Unternehmen, die mit einem TMS arbeiten und sich in guten Zeiten entsprechend vorbereitet haben, haben hier einen strategischen Vorteil. Aber auch für alle anderen Unternehmen gibt es Möglichkeiten, in der Krise noch nachzuziehen und die Liquidität zu sichern. Dabei ist es wichtig, dass kurzfristige Maßnahmen später kritisch begutachtet und Schlüsse für die Zukunft gezogen werden.

Sie möchten mehr über unser Cash- und Liquiditätsmanagement erfahren? Melden Sie sich gerne bei uns, oder testen Sie tm5, unser intuitives Treasury Management System.

Mit dem Absenden des Kontaktformulars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten zur Bearbeitung Ihres Anliegens verwendet werden. Weitere Informationen und Widerrufshinweise finden Sie in der Datenschutzerklärung.