Heiter bis wolkig? Jenseits der Cloud Teil 2

Die Vorteile einer Cloud-Infrastruktur

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Autor: Hugh Russell
Veröffentlicht am:
8. Mai 2015


Es gibt kein Zurück mehr. Vor fünf Jahren gab es eine Wende bei der IT-Infrastruktur in Unternehmen. Selbst in der sich eher gemächlich entwickelnden Welt des Treasury ersetzen SaaS und cloudbasierte Treasury-Management-Systeme zunehmend die alten Rechnerarbeitsplätze. Dieser Trend geht einher mit unzähligen pseudowissenschaftlichen Meinungen zu „Cloud-Services“ und „SaaS-Modellen“, die sowohl bei Treasurern als auch in der IT für Verwirrung sorgen. Umso wichtiger ist es, dass Treasurer, die in Online-Systeme investieren, die Technik dahinter verstehen. Ansonsten können Sie sich leicht von Anbietern in die Irre führen lassen, die ihre Cloud pauschal als „die Cloud“ anpreisen und dabei außer Acht lassen, wo Daten gespeichert und wie diese genutzt werden.

Was kümmern mich als Treasurer „die Cloud“ oder „SaaS“?

Normalerweise eigentlich kaum, zumindest sollten Sie sich darüber keine Gedanken machen müssen. Was Sie aber auf jeden Fall wissen sollten, ist inwiefern die Technik die Daten, mit denen Sie arbeiten, beeinflusst, bzw. welche Möglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen, hier für Datensicherheit zu sorgen und die Kontrolle zu behalten. Allerdings wird viel Lärm darum gemacht, auf was Sie achten sollten, ohne dass je erklärt wird, weshalb.

Das Wissen darüber, welche Architektur Ihrem System zugrunde liegt und inwiefern das den Transfer und die Speicherung Ihrer Daten beeinflusst, ist unerlässlich, um zu verstehen, was mit Ihren Daten geschieht und wer Zugriff darauf hat.

Was ist Cloud Computing/ „die Cloud“?

Bei fast allen Systemanbietern finden sich beinahe esoterisch anmutende Definitionen, die ihre spezielle Cloud-Infrastruktur zur „einzig wahren Cloud“ erklären, während alle anderen nur qualitativ minderwertige Nachahmer oder gar komplette Scharlatane seien.

Aber was ist denn nun „die Cloud“? Dieses etwas nebulöse Konzept wird immer wieder in den Raum geworfen und sorgt dabei oft für Verwirrung. Tatsächlich gibt es „die Cloud“ so gar nicht, zumindest nicht im Singular. Cloud Computing ist ähnlich nebulös wie die Ansammlung an Wassertröpfchen, der sie im Englischen ihren Namen verdankt. Grob gesagt, ist Cloud Computing definiert als „die Nutzung eines im Internet gehosteten Remoteservers zur Speicherung, Verwaltung und Verarbeitung von Daten, statt eines lokalen Servers oder PCs“. Dies beinhaltet eine ganze Reihe an Infrastrukturen und Technologien. Die meisten dieser Technologien werden über eines der folgenden Servicemodelle gemietet: SaaS, PaaS oder IaaS. Viele Treasury-Management-Systeme (die selbst SaaS darstellen) stammen von Unternehmen, die entweder einen PaaS-Cloud-Service oder einen IaaS-Cloud-Service mieten. In beiden Fällen wird die Technologie von einem Drittanbieter gemietet, der wiederum eine Reihe an Servern betreibt.

Und wo sind jetzt meine Daten?

Wir haben bereits weiter oben festgestellt, dass die Aussage „in der Cloud“ sinnlos ist. Es gibt nicht „die eine“ Cloud, es gibt hunderte, ja tausende an Hosting-Anbietern. Werden Ihre Daten auf Amazon EC2 gespeichert? Google Compute Engine? Rackspace Cloud?

Wenn ja, wo werden diese Daten gespeichert?

Die Gesetzeslage unterscheidet sich von Land zu Land grundlegend, und die Frage, wo Ihre Daten liegen, sollte bei der Entscheidungsfindung eine Schlüsselrolle spielen. Wenn Sie Amazon als Anbieter für Ihre Infrastruktur nutzen, liegen Ihre Daten auf Servern von Kalifornien bis Japan. Google verteilt sich über die USA und Japan. Die Rechenzentren von Rackspace liegen hauptsächlich in den USA. Darüber hinaus gibt es eines in London, eines in Hongkong und eines in Sydney. Wenn Ihr TMS-Anbieter diese Clouds mietet, kann er dann wirklich kontrollieren, wo genau die Daten liegen?

Wie werden meine Daten gespeichert?

Die meisten SaaS-Systeme nutzen eine sog. „Multi-tenancy“-Architektur. D.h. dass mehrere Parteien (im Treasury sind das ganz einfach eine Reihe verschiedener Unternehmen) dieselbe Software nutzen. Das schafft lukrative Kostenvorteile – allerdings nur für den Anbieter, nicht für den Kunden.

Multi-tenant-Architektur bedeutet, dass alle User der Anwendung (und damit alle enthaltenen Unternehmen) den gleichen Grundcode nutzen, in den meisten Fällen auch die gleiche Datenbank. Dem entgegen steht die Single-tenant-Architektur, in der ein Kunde (oder ein Unternehmen) einen eigenen Code und eine separate Datenbank hat. Die Anbieter haben jede Menge Vorteile von der Multi-tenant-Lösung, aber für den Kunden bleibt das Endresultat das gleiche, und er hat wenig davon.

Microsoft fragt Sie Folgendes:

Die Anzahl, Art und Bedürfnisse der Mietkunden, die Sie als Zielgruppe sehen, haben jeder auf seine Art einen Einfluss auf Ihre Entscheidung für eine bestimmte Datenarchitektur. Einige der folgenden Fragen könnten Ihnen einen getrennten Ansatz schmackhaft machen, während andere Sie mehr in Richtung gemeinsame Architektur beeinflussen könnten.

  • Wie viele potenzielle Mietkunden streben Sie an? […] Je höher diese Zahl, desto eher sollten Sie ein gemeinsam genutztes System ins Auge fassen.
  • Wie viel Speicherkapazität erwarten Sie durchschnittlich beim Endnutzer? Falls Sie bei einigen oder allen sehr große Datenmengen vermuten, bieten sich wahrscheinlich getrennte Datenbanken an.
  • Wie viele zeitgleiche Endnutzer erwarten Sie durchschnittlich bei den verschiedenen Mietparteien? Je höher diese Zahl, desto eher empfiehlt sich ein getrennter Ansatz, um den Anforderungen aller Endnutzer gerecht zu werden.
  • Planen Sie, für die einzelnen Mietkunden Zusatzleistungen anzubieten, z.B. Einzel-Backup oder Datenwiederherstellung? Solche Services lassen sich einfacher mit einem getrennten Ansatz umsetzen.

Frederick Chong, Gianpaolo Carraro, and Roger Wolter, Microsoft Corporation, Multi-Tenant Data Architecture

Darüber hinaus schränken Multi-tenant-Modelle die Übertragbarkeit von Daten ein: Was im System ist, ist im System. Das kann dazu führen, dass Treasuries in dem gewählten System „eingesperrt“ sind, was dramatische Folgen haben kann, wenn z.B. Firmenrichtlinien sich ändern und Finanzdaten firmenintern gespeichert werden müssen.

Wie viele Datensätze meiner Daten gibt es, und wie aktuell sind diese?

Backups sind natürlich ein wichtiger Aspekt für jeden SaaS-Service, aber nicht alle Backup-Services sind gleich. Je nachdem, wie Sie Ihr Treasury-System nutzen, könnten extrem unterschiedliche Backup-Anforderungen auf Sie zukommen. Wenn Sie z.B. täglich Zahlungen im Wert von mehreren Millionen Dollar unterschreiben und freigeben, werden Sie auf jeden Fall sicherstellen wollen, dass Datenverlust ausgeschlossen ist. Wenn Sie auf Daten von gestern zurückgreifen müssen, droht die Gefahr, jede Bank kontaktieren zu müssen, um festzustellen, welche Zahlungen bereits abgewickelt wurden und welche noch ausstehen.

Die Vorteile eines anbieterentwickelten Systems

Fragen Sie Ihren Anbieter, wo Ihre Daten gespeichert werden – und wie sie gespeichert werden – und schauen Sie, ob man Ihnen überhaupt eine Antwort geben kann. Es sei denn, ein Anbieter hat seine eigene Infrastruktur entwickelt, hat er wahrscheinlich keine Ahnung und wird Ihnen einfach sagen „in der Cloud“ bzw. einen Host nennen. Wenn Sie Glück haben, ist das dann „Rackspace-Cloud“ oder „Amazon EC2“ oder „Google Compute Engine“.

Tatsächlich ist es so, dass in der Welt des Treasury, in der hohe Beträge und wenige Mietparteien üblich sind, eine individuell zugeschnittene Cloud-Infrastruktur größere Kontrolle über den Einfluss Ihrer Daten innerhalb eines Landes bietet. Ihrem Anbieter ist es so besser möglich, die Daten in den Grenzen eines bestimmten Landes zu halten. Bei einer gemieteten Hosting-Umgebung können Sie sich darauf nicht verlassen, da die Daten in den meisten Fällen zumindest grenzübergreifend gespiegelt werden, wenn nicht gar in verschiedenen Ländern gehostet werden. Für Treasurer ist dies ein essenzieller Punkt, da der Datenzugriff innerhalb bestimmter Grenzen von großer Bedeutung ist.

Unternehmen, Organisationen und Regierungen unterliegen oft gesetzlichen Auflagen, die Ihre Datensicherheit und Speicheranforderungen beeinflussen. Informieren Sie sich über die Gesetzesauflagen, die für potenzielle Kunden in den von Ihnen anvisierten Märkten gelten, und legen Sie fest, ob entsprechende Inhalte Ihre Entscheidung beeinflussen.

Frederick Chong, Gianpaolo Carraro, and Roger Wolter, Microsoft Corporation, Multi-Tenant Data Architecture

Gleichzeitig bietet eine anbieterentwickelte Single-tenant-Architektur die Möglichkeit, das Treasury-System ganz individuell zuzuschneiden, bis hin zur Hardware (nicht nur Server, sondern auch Firewalls, Informationstransfer-Infrastruktur usw.). Das sorgt für komplette Transparenz in Bezug auf Datenredundanz, Backup, Datenwiederherstellung, Compliance und Leistungsstandards. Zusätzliche Funktionalitäten können bei Bedarf hinzugefügt werden. SLA-Bedingungen können genau dem entsprechen, was der Anbieter liefern kann – ohne dass man sich auf die SLAs der Cloud-Hosts verlassen muss. Und sollte es irgendwelche Probleme geben, haben Sie eine zentrale Anlaufstelle für die gesamte Architektur, wodurch Troubleshooting und Wiederherstellung extrem beschleunigt werden.

„Die Cloud“ ist also keine einzelne neutrale „Sache“, sondern eine Ansammlung an Infrastrukturen und Servicemodellen, die enorme Auswirkungen auf Ihr Treasury haben können. Genau deshalb ist es wichtig, dass Treasurer, die in Online-Systeme investieren, die technischen Aspekte verstehen, die sich hinter dem Begriff „Cloud Computing“ verstecken. Nur so können Sie sichergehen, dass Sie nicht von den vermeintlichen Vertretern der „einen Cloud“ hinters Licht geführt werden.

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