Was bei Notional Cash Pooling zu beachten ist

Was ist Notional Pooling?

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Frank Song author pictureAutor: Frank Song

Vor ein paar Wochen ging es an dieser Stelle um physisches Cash Pooling und dessen Rolle beim Cash Management. Diese Woche wollen wir uns nun der zweiten Art des Poolings widmen, dem sog. Notional Pooling. Dabei handelt es sich um eine nützliche Möglichkeit, um die Zinsen zu optimieren und die Transparenz der Gruppenliquidität zu verbessern. Doch auch Notional Pooling hat seine komplexen Eigenheiten.

Per Definition gibt es beim Notional Pooling keinen physischen Liquiditätstransfer. Stattdessen haben alle Teilnehmer weiterhin ihre eigenen Konten, und die Bank erstellt einen „theoretischen Saldo“, d.h. die Summe der Kontosalden aller Teilnehmer. Es werden also die Salden aller beteiligten Konten verrechnet und ein „fiktiver“ Gesamtsaldo gebildet, für den Zinsen gezahlt werden bzw. anfallen. Dadurch vermeidet man, dass es zu einer Vervielfältigung der Geld-Brief-Spanne kommt, wie dies sonst bei mehreren Konten/Bankenbeziehungen der Fall ist.

Da beim Notional Pooling physisch keine Gelder übertragen werden, fallen auch keine Transferkosten an. Stattdessen erhebt die Bank eine Verwaltungsgebühr auf die Nutzung ihres Systems zur Errechnung des Pool-Nettosaldos.

Hinweis: Bei Notional-Pooling-Modellen, bei denen eine Verwendung des Nettosaldos aller teilnehmenden Parteien und Konten erlaubt ist (in der Praxis normalerweise als „Dutch Notional Pooling“ bezeichnet), muss für Fremdwährungsgeschäfte (z.B. die Umrechnung von USD in EUR) ein Geld- bzw. Briefkurs inklusive Spanne ausgehandelt werden, den die Bank anwendet, um dem zentralen Treasury den Nettosaldo bereitzustellen.

Vorteile durch Notional Pooling

Verrechnung von Verbindlichkeits- und Kreditpositionen

Da Verbindlichkeitspositionen und Kreditpositionen verrechnet werden, ist die Zinsbelastung geringer.

Weniger FX-Transaktionen

Zu den größten Vorteilen beim Notional Pooling zählt dessen Rolle im Hinblick auf Mehrwährungstransaktionen. Notional Pools können auf Grundlage von Konten in unterschiedlichen Währungen erstellt werden, die auf eine gemeinsame Grundlage gestellt und dann dazu verwendet werden, Gutschriften und Belastungen zu verrechnen, ohne dass für das Unternehmen selbst FX-Transaktionen anfallen. Dadurch können komplexe FX-Szenarien vereinfacht werden, die Unternehmen mit kleineren Treasury-Abteilungen vor immense Probleme stellen können.

Unser Video zum Thema: Notional Cash Pools

Worauf man beim Notional Pooling achten sollte

Auflagen

In manchen Ländern wie z.B. Deutschland und den USA kann Notional Pooling zu Problemen bei steuerlichen Fragen führen, wobei Banken teilweise Verrechnungsmodelle für Niederlassungen/Vertriebsniederlassungen des gleichen Unternehmens bieten – unter der Annahme, dass es sich um die gleiche juristische Person handelt.

Gleichzeitig haben Dodd-Frank und Basel III die Anforderungen an Banken verschärft, den Behörden Nettosalden statt Bruttosalden zu melden. Aus diesem Grund verlangen manche Banken Rückbürgschaften zwischen den einzelnen Teilnehmern, damit Negativsalden der Pool-Teilnehmer in der Bankbilanz nicht als Aktivposten gewertet werden. Da die Bank bei diesen Aktivposten keine Zinsen einnimmt (sie sind schließlich nur fiktiv), könnten sie als sog. notleidende Kredite gewertet werden, es sei denn, der Bank wird ein Aufrechnungsrecht eingeräumt.

Verwaltungskosten vs. Zinseinsparungen

Die Einrichtung und Verwaltung von Notional Pools ist komplex. Manche Banken bieten Notional Pooling nur für besonders kapitalstarke Kunden an. Zinseinsparungen jedoch können durch die entstehenden Verwaltungskosten teilweise oder sogar ganz aufgehoben werden.

Komplikationen bei externen Konten

Bei manchen Anbietern besteht auch die Möglichkeit, externe Bankkonten in die Notional-Pooling-Struktur zu integrieren. Wenn sich Kunden für eine solche Lösung entscheiden, sollten sie entsprechende Gebühren für das Senden/Empfangen von MT940/MT942-Formaten berücksichtigen, zumindest was die Bank angeht, bei der das Konto eingerichtet ist. Wenn überregionale Konten verwendet werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass örtliche Geschäftszeiten verhindern, Salden am gleichen Tag in die Kalkulation mit einfließen zu lassen. Das bedeutet, dass für den Wert der Salden, die dem zentralen Treasury zur Verfügung stehen, mindestens ein Tag Verzögerung entsteht.

FX und Währungen

Im Falle von Mehrfachwährungskonten lohnt sich Notional Pooling auf jeden Fall, allerdings müssen alle Währungen auf eine einheitliche Grundlage gestellt werden. Dadurch wird der Prozess u.U. für die Banken komplizierter und weniger rentabel. Das kann dazu führen, dass Banken für die entstehenden Risiken einen Ausgleich fordern, was die Kosten erhöht, oder eine Verrechnung mit entsprechender Wertberichtigung bei Zinsbelastungen/gezahlten Zinsen zur Folge hat.

Bindung der teilnehmenden Parteien

Bei Modellen zur Zinsoptimierung kann die Teilnahme an einem Notional Pool relativ einfach beendet werden, da ja effektiv keine Gelder zusammengeführt werden.

Bei Modellen, bei denen das zentrale Treasury die Salden der einzelnen Teilnehmer als Nettosaldo erhält, müssen die gesetzlichen Auflagen und Insolvenzgesetze vor Ort geprüft werden, um zu klären, ob eine Teilnahme rechtlich machbar ist. Wenn dies der Fall ist, gilt normalerweise eine vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist.

Alternativen

Einer der Hauptgründe, warum Notional Pooling immer seltener genutzt wird, ist die Tatsache, dass viele der Vorteile in Zeiten von Treasury Management Systemen (TMS) gar nicht mehr zum Tragen kommen. Ein zentralisiertes TMS bietet beispielsweise die gleichen Möglichkeiten zur Errechnung eines virtuellen Gesamtbetrages, und statt einer fiktiven Umrechnung und des Aufbrauchens höherer Zinssätze können auch kurzfristige Swaps zum Einsatz kommen. Das Ganze kann unternehmensintern abgewickelt werden, was eine höhere Transparenz bei Wechselkursen und Zinssätzen mit sich bringt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Notional Pooling mit seinen virtuellen Konten und der klaren Trennung von Geldern zunächst wie eine sehr elegante Lösung wirkt, aber durchaus kompliziert ist. Aufsichtsrechtliche Fragen verlangen immer mehr Kontrollen von den Banken, was wiederum die Kosten erhöht – manchmal sogar so stark, dass Notional Pooling sowohl für Treasuries als auch für Banken keine effiziente Lösung mehr darstellt. Wie immer im Treasury liegt der Teufel im Detail, weswegen die jeweiligen Umstände jedes Unternehmens genau beleuchtet werden sollten, um diese Methode optimal nutzen zu können.

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