Praxisbeispiel Netting

Wie Logwin interne und externe Forderungen und Verbindlichkeiten intelligent verrechnet

Praxisbeispiel Netting Hauptbild
Autor: Andreas Schwarz

Wie Netting in der Theorie funktioniert, haben wir in mehreren Beiträgen auf Treasury Matters beleuchtet. Der Gastbeitrag von Andreas Schwarz, Director Group Treasury, veranschaulicht Netting in der Praxis. Er erläutert, wie das Treasury bei der Logwin AG, einem weltweit aktiven Logistikunternehmen, Netting einsetzt und damit nicht nur interne Forderungen und Verbindlichkeiten intelligent verrechnet, sondern auch externe.

Übersichtsbeitrag: Netting im Intercompany-Handel: ein umfassender Guide

Video zu Multilateral Netting as a value driver

Netting in der Praxis bei Logwin

Als internationaler Logistik-Dienstleister entwickelt und erbringt Logwin ganzheitliche Logistikdienstleitungen weltweit. Von 190 Standorten in 35 Ländern bewegen 68 eigene Tochtergesellschaften und 120 externe Partnergesellschaften in mehr als 80 Ländern jährlich ein Gütervolumen von rund 140.000 Tonnen Luftfracht und 600.000 Containern (TEU). Entsprechend beeindruckend sind unsere Treasury-Kennzahlen im Cash Management und zu den Währungsaspekten:

  • Das Treasury von Logwin wickelt mehr als 5.000 Einzelzahlungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 500 Millionen Euro sowie mehr als 120.000 Massenzahlungen mit etwa gleichem Volumen im Jahr ab.
  • Darüber hinaus schließen wir jährlich ca. 1.700 Währungsgeschäfte mit einem Volumen von 470 Millionen Euro mit Banken und rund 1.500 interne Währungsgeschäfte mit einem Volumen von ca. 150 Millionen Euro ab.

Um den Überblick zu behalten und effizient zu arbeiten, müssen wir also Meister im Bündeln und Automatisieren sein. Dazu gehört auch ein intelligenter Verrechnungs- und Netting-Prozess unserer Forderungen und Verbindlichkeiten aus dem „operativen“ Logistikgeschäft.

Als wir „unser“ Netting-System etablierten, wollten wir vor allem zwei Ziele erreichen: Zentralisierung der Prozesse und Reduzierung der Rechnungs- und Transaktionskosten. Wie positiv sich dabei der Nebeneffekt in Bezug auf die Währungssicherung auswirken würde, war zu Beginn noch gar nicht absehbar – aber davon später mehr.

Logwin Weltkarte

Das Logwin Netting-Konzept: Integration von echten Töchtern und fremden Dritten

Unsere besondere Situation ist die starke Kooperation mit Partnerunternehmen in Ländern und an Orten, an denen Logwin nicht mit eigenen Büros vertreten ist. Da wir auch diese rechtlich fremden Dritten, die sogenannten „Agents“, in unseren Netting-Prozess einbeziehen wollten, haben wir vorab eigens einen spezifischen Rechtsrahmen abgesteckt. Nur so konnten wir das System möglichst umfassend und weltweit ausrollen.

Netting basiert sowohl bei den Logwin-Töchtern als auch bei den Agents auf bereits abgestimmten Salden, also nicht auf Einzelbelegabstimmung. Die Zahlungen bzw. Buchungen werden auf dieser Grundlage ausgeführt, ebenso die Berücksichtigung fälliger Währungssicherungspositionen. Der Clou: Wir haben den Netting-Prozess mit der Saldenabstimmung im Monatsabschluss gekoppelt. Somit ist kein weiterer Matching-Vorgang notwendig, und es werden die internen „Zahlungen“ einfach auf Verrechnungskonten der Tochtergesellschaften verbucht. Die Salden der Agents hingegen werden wahlweise entweder in Euro oder US-Dollar ausgeglichen.

Der Logwin Netting-Kalender: Ein verbindlicher Kreislauf für alle Teilnehmer

Zwar basiert der Nettingprozess auf dem Monatsabschluss, doch die Vorbereitungen für einen Nettinglauf beginnen sehr viel früher. Wir haben einen klar strukturierten Ablauf etabliert, der für alle Teilnehmer gut „passt“, sodass der Prozess reibungslos funktioniert:

  • Am ersten Arbeitstag eines Monats erhalten alle Teilnehmer eine „Willkommens-Mail“. Diese lädt zum Nettinglauf für den aktuellen Monat ein und enthält alle relevanten Informationen, von der Teilnehmer- über die Kontaktlisten bis hin zum Netting-Handbuch. Bei den zahlreichen Gesellschaften von Logwin sowie den Agents gibt es schließlich immer wieder auch neue Mitarbeiter, die sich anhand des Leitfadens schnell orientieren können und müssen.
  • Am „Notification Day“ – der Deadline für das Hochladen der Forderungen für unsere Tochtergesellschaften und für das Einreichen der Forderungen durch die Agents an das Netting-Center – stellt tm5 das zentrale Treasury-Tool bei Logwin dar und damit auch für das Netting. Ca. 70 Tochtergesellschaften importieren ihre Daten über ein Upload-File direkt in tm5. Für die ebenfalls rund 70 externen Agents erbringt das Netting-Center von Logwin dies als Servicedienstleistung.
  • Anschließend haben alle Teilnehmer eine Woche Zeit, um die an sie gestellten Forderungen zu prüfen und in tm5 zu bestätigen. In dieser Periode können Abweichungen geklärt werden. Am „Reconciliation Day“ bestätigt das Netting-Center sämtliche angemeldeten Forderungen, auch solche, die noch nicht geklärt bzw. bestätigt sind. Warum machen wir das? Wir wollen im laufenden Netting-Prozess keine Unterbrechung oder Diskussion. Sollte es tatsächlich Abweichungen und Klärungsbedarf geben, schieben wir diese in den nächsten Nettinglauf im Folgemonat. Hier sind die jeweiligen Gegenparteien bilateral zur Klärung aufgerufen. Das Netting-Center übernimmt im Klärungsprozess lediglich eine Rolle als Vermittler.
  • Am darauf folgenden Tag wird dann das vorläufige Netting-Statement generiert. Die Umrechnung sämtlicher Währungspositionen erfolgt zu den an diesem Tag aktuellen Währungskursen.
    Das entsprechende vorläufige Netting-Statement ist automatisch in tm5 für alle Teilnehmer hinterlegt und wird nur den externen Agents via E-Mail zugesandt. Das vorläufige Netting-Statement bildet eine wichtige Informationsgrundlage für die kurzfristige Liquiditätsplanung bei Logwin, insbesondere auf Ebene der Tochtergesellschaften, aber gerade auch für die Agents.
  • Der abschließende finale Nettinglauf am übernächsten Tag wird nochmals mit aktuellen Währungskursen kalkuliert und nach dem Abschluss ausgeführt. Das Spannende daran sind die im Hintergrund automatisch ablaufenden Buchhaltungsprozesse. Denn jeder Teilnehmer nimmt die auf dem finalen Netting basierende Buchung eigenständig vor und schließt somit gleichzeitig hunderte oder tausende Rechnungen innerhalb des ERP-Systems, und zwar obwohl der Nettinglauf auf Salden basiert und nicht jede einzelne Position erfasst wurde.
  • Bei den Tochterunternehmen werden die neuen Salden auf den IC-Clearing-Konten verbucht, d.h. es „fließt“ kein Cash. Bei den externen Agents erfolgt ein echter Zahlvorgang als Ausgleich der aktuellen Nettingposition.

Netting Calendar

Positive Netting-Nebenwirkung: Zentralisierung und Sicherung des FX-Risikos

Einen wunderbaren positiven Nebeneffekt des Netting-Konzepts von Logwin stellt die Zentralisierung der Währungsrisiken dar. Denn auch wenn wir die Aus- und Einzahlungen an die Agents auf zwei Währungen beschränken, so müssen wir auf der Intercompany-Seite mit immerhin 24 Währungen umgehen.

Bei Logwin schließt ausschließlich das Group Treasury externe Sicherungsgeschäfte ab. Hier bewerten und prüfen wir das Risiko und wählen die geeignete Sicherungsmaßnahme aus. Interne Anfragen aus dem operativen Kerngeschäft werden dabei über tm5 an das Group Treasury gestellt und bestätigt. Die Abwicklung erfolgt dann entweder am Fälligkeitstag oder wann immer möglich direkt über das Netting.

Logwin verrechnet mit Netting jährlich mehr als 17.000 Intercompany-Zahlungen mit einem Volumen von 250 Millionen Euro. Allein an Transaktionskosten sparen wir jährlich einen signifikanten Betrag ein. Dazu kommt der Gewinn an Sicherheit im Cash- sowie eine deutlich erhöhte Effizienz im FX-Management. Was außerdem noch wichtig ist? Das multilaterale Netting-Konzept von Logwin funktioniert stressfrei! Es schafft Transparenz für alle Teilnehmer und ist – obwohl es rechtlich unterschiedliche Teilnehmerkreise einbindet – für alle Beteiligten einfach durchzuführen.

Über Logwin

Logwin ist ein weltweites Logistikunternehmen mit zwei Geschäftsdivisionen, Air + Ocean sowie Solutions. Air + Ocean sorgt für weltweite Transporte und Transporte auf dem Seeweg und per Luftfracht. Die Solutions-Einheit bietet auf Basis individueller Verträge Logistiklösungen und industriespezifische Transport-Netzwerke vor allem in der DACH-Region und Europa. 4.200 Mitarbeiter weltweit erwirtschaften einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Logwin unterhält 190 Standorte in 35 Ländern auf allen Kontinenten. Um tatsächlich weltweit Logistik ausführen zu können, hat Logwin ein Netzwerk aus sogenannten „Agents“ aufgebaut: eigenständige externe Partnerunternehmen, die das Geschäft von Logwin unterstützen und umgekehrt.

Logwin Case Study

Netting mit tm5

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