Risiko-ABC: Risiko-Modelle & Kennziffern verstehen lernen

Teil 2: Risikomanagement-Strategien und Hedging
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Matthias Deschner author pictureAutor: Matthias Deschner

Effizientes Risikomanagement ist keine Zauberei. Beherrscht man die Grundlagen und versteht die Logik hinter verschiedenen Ansätzen, so lassen diese sich im Treasury mehrwertig einsetzen. Nach einem Überblick über den Value at Risk in unserem ersten Beitrag, fokussiert der zweite Teil der Serie auf Hedging.

Als Unternehmen mit vielen risikobehafteten Geschäften, allen voran Liefer- und Leistungsbeziehungen in fremden Währungen, will man diese Risiken nicht nur abschätzbar machen, sondern sich auch entsprechend absichern. Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Geschäft unsicher für ein Unternehmen sein kann, seien es

  • politische Risiken, wie Krieg oder Unruhen in einem Land,
  • die fehlende Konvertierbarkeit von lokalen Währungen,
  • Zinsänderungsrisiken,
  • Währungsrisiken,
  • Transaktionsrisiken und das Risiko von Betrugsfällen bei Transaktionen,
  • Bankrisiken, wie das Wegbrechen von Krediten,oder allgemeine Geschäftsrisiken, wie ein sinkender Absatz bzw. der Wegfall von Kunden.

Manche Geschäfte des Unternehmens werden durch den Einfluss der genannten Faktoren im Endeffekt schlechter ausfallen als erwartet, andere allerdings besser. Hier setzt Hedging an: Man sichert das Exposure (das Grundgeschäft in einer fremden Währung) durch den Abschluss geeigneter gegenläufiger Fremdwährungsgeschäfte, so dass die Cashflows in der fremden Währung sich idealerweise aufheben. So können die Risiken einer Position durch die Chancen einer anderen Position ganz oder zumindest teilweise kompensiert werden.

Habe ich zum Beispiel ein Grundgeschäft (mit einer daraus resultierenden späteren Forderung) in USD, so besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich aufgrund von Wechselkursänderungen eine Wertänderung bei Zahlungseingang ergibt. Es kann sowohl sein, dass sich der Wert im Laufe der Zeit gesteigert hat, doch auch ein Wertverlust ist möglich – Währungsprognosen gibt es natürlich, aber keine Sicherheit für die Kursentwicklung. Betrachtet man aktuelle Charts zu Volatilitäten, so kann man beobachten, dass zuweilen sehr große Schwankungen auftreten können; die Finanzmärkte gelten immer wieder als recht volatil.

Solche Schwankungen können bei Geschäften mit einem Volumen von mehreren Millionen oder gar größer, signifikante Auswirkungen auf das Ergebnis haben.

Schließe ich zusätzlich zu meiner oben erwähnten Forderung in USD nun allerdings über die gleiche Summe ein Gegengeschäft ab, so eliminiere ich die Fremdwährungsposition und kann mit einem fest vereinbarten EUR Eingang rechnen und planen. Außer Acht gelassen werden bei dieser Betrachtung allerdings buchhalterische Effekte zum Zeitpunkt der Forderungseinbuchung.

Sicherungsgeschäfte und der Natural Hedge

Beim Hedging gibt es die Möglichkeit, dass das Treasury „Sicherungsgeschäfte“ abschließt, z.B. neue Zins- und Wechselkursgeschäfte, die sich konkret auf die abzusichernde Position beziehen: Im Devisenhandel kann ich z.B. eine Cash-Position durch ein zeitlich und wirtschaftliches kongruentes Termingeschäft absichern.

Es gilt dabei abzuwägen, mit welcher Art von Geschäft ich den jeweiligen Risiken begegnen kann und möchte. Die Bandbreite ist groß, die gängigsten Beispiele sind:

  • Spot bzw. Kassa: Hier werden Währungstausche gegen sofortige Kasse vorgenommen.
  • Forward, auch Devisentermingeschäft genannt: Termingeschäfte können als unbedingte (feste) oder bedingte Termingeschäfte gestaltet sein. Ein unbedingtes Termingeschäft sieht für beide Seiten die Pflicht zur Erfüllung am vereinbarten Termin vor. Hierzu gehören die börsenmäßig gehandelten Futures und die OTC gehandelten Forwardgeschäfte. Dagegen hat bei einem bedingten Termingeschäft ein Partner das Recht, das Geschäft verfallen zu lassen. Typisch hierfür sind Optionen.
  • NDF: Non-Deliverable Forwards (NDFs) sind Devisentermingeschäfte zwischen in der Regel einer nicht konvertierbaren Währung und einer frei konvertierbaren Währung (meist der USD), bei denen am Fälligkeitstag (Valuta) immer ein Barausgleich durchgeführt wird. Im Gegensatz zu normalen Devisentermingeschäften gibt es bei NDFs neben der Valuta auch ein Fixing-Datum, zu dem der aktuelle Marktkurs festgestellt wird. Beim Fixing wird nach der Feststellung des aktuellen Kurses die Differenz zum vereinbarten Terminkurs und der daraus resultierende Ausgleichbetrag berechnet. Am Valuta-Datum wird dann die Zahlung ausgeführt.
  • Optionen: Durch ein Devisenoptionsgeschäft können Risiken von Devisenkurs-schwankungen abgesichert werden. Bei einem Kauf von Devisenoptionen erwirbt der Käufer das Recht, eine Währung zu einem bestimmten Wechselkurs an einem bestimmten Termin zu kaufen oder zu verkaufen, das ist aber keine Pflicht für den Käufer. Der Käufer bezahlt für dieses Recht dem Verkäufer bei Abschluss des Geschäftes eine Prämie.

Zusätzlich abgeschlossene Sicherungsgeschäfte stellen einen gewissen Aufwand dar. Manchmal gibt es die Möglichkeit, Risiken durch gegensätzliche Positionen im eigenen Unternehmen zu kompensieren – ein „Natural Hedging“. Grundsätzlich ist das eine einfache und sehr praktische Vorgehensweise, weil sie keine externen Kosten verursacht. Sie setzt kontinuierliche Cashflows voraus und dass auch geeignete Geschäfte und passende Gegengeschäfte identifiziert werden können. Bleibt ein Cashflow – z.B. bei einem Forderungsausfall – aus, dann entfällt die interne Absicherung der entsprechenden Gegenposition.

Die Herausforderungen: Alle Risikopositionen im Konzern sichtbar zu machen
Eine ganz entscheidende Voraussetzung, um im gesamten Unternehmen effizient zu hedgen, ist es, alle Risikopositionen zu kennen. Genau das aber ist für viele Unternehmen die zentrale Herausforderung: Haben sie meist noch den Überblick über die Nettorisikopositionen der Gruppengesellschaften, die in der Zentrale zusammenlaufen, so mangelt es oft am Einblick in die Einzelrisikopositionen auf Gesellschaftsebene. Entscheidungen, welche Geschäfte mit ihren gegenläufigen Risikopositionen sich möglicherweise kompensieren können, sind dann schwer zu treffen. Will man effizient und möglichst auch intern hedgen, ist es unerlässlich, die Tochtergesellschaften einzubeziehen und im TMS so zu integrieren, dass Transparenz über alle Geschäfte und die jeweiligen Risiken gegeben ist.

Kenne ich alle Risikopositionen, kann ich alle Geschäfte bzw. auch gegebenenfalls externe Sicherungsgeschäfte in einem System abbilden, habe ich zusätzlich möglicherweise auch direkt eine Integration an Handelsplattformen wie 360T oder FX-all, dann ist das Hedgen und das Finden von passenden Geschäften, die mein Risiko absichern, kein Zauberwerk mehr.

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