Was Sie über Cash Pooling wissen sollten – Besonderheiten beim Aufbau

Physisches Cash Pooling
Physical Cash Pooling: The Ins and Outs Header image
Frank Song author pictureAutor: Frank Song

Es gibt kaum ein Treasury-Thema, das so viel Interesse weckt wie Cash Pooling. Dafür gibt es gute Gründe, zählt es doch zu den wichtigsten Maßnahmen beim kurzfristigen Liquiditätsmanagement. Ich möchte an dieser Stelle näher auf eine bestimmte Art des Cash Poolings eingehen, das physische Cash Pooling, und dabei herausstellen, welche Vorteile dieses für das Treasury birgt und was bei der Erstellung eines Cash Pools beachtet werden muss.

Physisches Cash Pooling: die Grundlagen 

Von der Funktionsweise her ist Cash Pooling relativ einfach zu verstehen. Normalerweise wird ein Cash Pool zu einer bereits bestehenden Kontenstruktur eingerichtet, oft bei einer Bank.  Eines der Konten wird zu einem übergeordneten Konto, in das durch sog. Cash-Sweeps Gelder „hineinfließen“. Die übrigen Konten werden zu dazugehörigen „Unterkonten“, aus denen Cash „abfließt“. In vielen Fällen ist das übergeordnete Konto dem Hauptgeschäftssitz oder dem Treasury zugeordnet, es könnte aber ebenso gut zu einem konzernweiten Servicezentrum, einem Finanzunternehmen oder einer Zweckgesellschaft gehören. (Einen Vorbehalt gibt es jedoch bei der Wahl des übergeordneten Kontos: Es muss sich natürlich um ein Konto in einem Land handeln, in dem Cash Pooling erlaubt ist und effiziente Zahlungs- und Bankensysteme zur elektronischen Abwicklung bestehen.)

Die täglichen Bankengeschäfte laufen ganz normal, und am Ende eines festgelegten Zeitraums wird das gesamte Geld aus den Unterkonten auf das übergeordnete Konto übertragen. Diese Nettoposition wird dann je nach Saldo entweder investiert oder refinanziert. Dieser Cashflow-Prozess innerhalb des Unternehmens wird wie ein konzerninternes Darlehen behandelt. Damit einher gehen daher auch viele, wenn nicht alle, Kontrollen und Auflagen, die für normale Konzerndarlehen gelten.

 

Weiterführende Informationen: Cash Pooling – Was ist Notional Pooling?

 

Die Rolle eines Treasury Management Systems (TMS)

Cash Pooling wird durch den Einsatz eines TMS extrem vereinfacht. Es ist beispielsweise so, dass ein durch die Cash-Sweeps zustande gekommenes Darlehen überwacht werden muss, damit es sowohl beim Tochter- als auch beim Mutterkonzern im Finanzbericht erscheint. Dahinter stecken sowohl gesetzliche Auflagen als auch die Bewertung des Geschäftsergebnisses. Mithilfe eines TMS können Konzernsalden ganz einfach überwacht und bei Bedarf jederzeit Bilanzberichte erstellt werden. Zudem ist es ja effektiv so, dass die Tochterunternehmen dem Mutterkonzern ein Darlehen geben. Daher hat es sich bewährt bzw. ist es teilweise sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass die Tochterunternehmen dafür einen Ausgleich erhalten – entsprechend des Investments bei der Bank. Durch den Einsatz eines TMS können Unternehmen besser die Zinsen für Konzernsalden kalkulieren und Zinserträge/Zinsaufwendungen auf die verschiedenen Tochtergesellschaften verteilen. Banken können einen Teil dieser Aufgaben übernehmen, aber im Normalfall können sie keine Zinsen zuordnen.

Ein TMS bietet auch die Möglichkeit zum Cash Pooling über mehrere Banken hinweg. Nehmen wir zu Beispielzwecken an, dass JP Morgan 2% Zinsen bietet, während es bei Citi nur 1% sind. Es bietet sich also die Möglichkeit, bei JP Morgan ein übergeordnetes Konto einzurichten, aber die Unterkonten bei der Citibank zu belassen. Wenn bei Geschäftsschluss jedoch der Cash-Sweep von der Citibank zu JP Morgan ansteht, wird erstere damit vermutlich alles andere als glücklich sein.

Wenn das Cash Pooling über ein TMS abgewickelt wird, können bankenübergreifende Sweeps von Unterkonten erfolgen, indem einfach Überweisungen durchgeführt werden. Aus Bankensicht wird dann lediglich Geld hin und her verschoben. Man sollte allerdings im Hinterkopf behalten, dass dadurch die niedrigeren Gebühren wegfallen, die eine Einzelbank-Lösung mit sich bringt. Auch dauern Überweisungen unter Umständen länger.

tm5 bietet hier eine tolle Funktion: Es können Regeln für das Zielsaldo erstellt werden, sodass Gelder ab einem zuvor festgelegten Betrag überwiesen werden. So können Gelder z.B. bis zu einem Betrag von $ 10 Mio. bei der Citibank liegen und dann automatisch zu JP Morgan übertragen werden.

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Die Vorteile

Die Vorteile von Cash Pooling für Unternehmen liegen auf der Hand. Dazu zählen:

Verbesserungen bei Nettozinserträgen/-aufwendungen

Mithilfe von Cash Pooling werden Nettoerhöhungen und -rückgänge bei Konzern-Cashssalden zusammengeführt. Dadurch können alle Unternehmen von den Zinskonditionen des zentralen Treasury profitieren.

Höhere Transparenz und Verwaltung von Kassenständen

Dadurch, dass weniger Konten überwacht werden müssen, hat man mithilfe von Cash Pooling mit viel weniger Aufwand den Überblick über den konzernweiten Kassenstand.  Es kann außerdem ein bestimmter Betrag zum Decken von Kosten zurückbehalten und dann der Cash-Sweep durchgeführt werden. Das bedeutet insgesamt verfügbare Liquidität statt Gesamtkassenstand.

Weniger Überziehungskredite

Dank des Kontenausgleichsverfahrens werden die einzelnen Konten nicht überzogen. Verbindlichkeiten gehen stattdessen auf das zentrale Treasury über, für das günstigere Zinssätze gelten.

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Besonderheiten beim Erstellen eines Cash Pools

Ein wesentlicher Faktor, der unbedingt berücksichtigt werden muss, sind die Transaktionsanforderungen an den Cash Pool. Je nach Kontostruktur und Häufigkeit der Cash-Sweeps gibt es möglicherweise wesentlich mehr Transaktionen als bei einer klassischen Kontenstruktur. Es kann also sein, dass das bloße Hinzufügen einer Cash-Pool-Bank zur bestehenden, normalen Cash-Struktur mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist.

Es gibt außerdem eine Reihe an Rechtsfaktoren, die das Geschäft je nach Standort beeinflussen können (sowohl ordnungsrechtlich als auch zivilrechtlich). Im Folgenden einige Beispiele:

Deutschland

Cash Pooling muss stets mit aktuellen Daten zu Liquidität und Eigenkapital des Mutterkonzerns bzw. der beteiligten Unternehmen einhergehen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass beigesteuerte Beträge zurückgezahlt werden. Der Mutterkonzern kann den Tochterunternehmen beispielsweise monatliche Finanzberichte vorlegen.

Deutsche Unternehmen müssen zudem bei der Verwendung der Cash-Pool-Gelder Vorsicht walten lassen, um nicht in den Verdacht zu geraten, ihre Tochterunternehmen „auszubeuten“. Im Fall der Bremer Vulkan-Werft entschied ein Gericht 2001 in einem später aufgehobenen Urteil, dass die Zweckentfremdung von Subventionen im Rahmen der Liquiditätssteuerung zum Vorteil bestimmter Betriebe den Tatbestand der „Untreue“ erfüllte und damit bestimmte Konzerngesellschaften „ausbeutete“. (Genau aus diesem Grund legen manche Länder auch einen Mindestzinssatz für Konzernsalden fest.)

Auch hier kann ein TMS Abhilfe schaffen, da alle beteiligten Unternehmen hinzugefügt werden und mit Lesezugang zu den erforderlichen Berichten ausgestattet werden können.

Es ist außerdem festgelegt, dass alle Beteiligten jederzeit wieder aus dem Cash Pooling aussteigen können.

USA

In den USA beziehen sich Kontrollmaßnahmen zumeist auf Gebühren und Steuern.  Zum einen ist es verboten, Gebühren für die Überziehung von Girokonten zu erheben. US-Organisationen müssen zudem aufpassen, wenn sie der „Nettonutzer“ von Geldern sind. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde die US-Steuerbehörde IRS das als sog. „deemed dividend“ werten, d.h. eine Steuerpraktik zur Verlagerung von Steuerverbindlichkeiten. Wenn das übergeordnete Cash-Pool-Konto zum US-Mutterkonzern gehört, könnte die Verwendung von Cash Pool-Einnahmen entsprechend bewertet werden. Bestimmte Restriktionen im Rahmen der Steuergesetzgebung könnten hier dazu führen, dass dem US-Mutterkonzern die direkte Teilnahme am Cash Pool untersagt ist.

Brasilien, China und Indien

In allen drei Ländern ist die uneingeschränkte, grenzüberschreitende Mittelbewegung verboten. Dadurch können Tochterunternehmen in diesen Ländern u.U. nicht am Cash Pooling beteiligt werden.

Mexiko

Aufgrund von Steuerauflagen im Zusammenhang mit Konzerndarlehen ist physisches Cash Pooling zwar möglich, lohnt sich aber nicht wirklich.

Fazit: Trotz dieser Besonderheiten bietet physisches Cash Pooling viele Vorteile für das Treasury. Durch die Cash-Sweeps auf ein übergeordnetes Konto wird Liquidität zusammengeführt, was zu höheren Verzinsungen und einer besseren Kontrolle führt. Cash-Sweeps nach unten sorgen gleichzeitig dafür, dass Konten nicht überzogen werden. Und wie bei allen guten Treasury-Instrumenten liefert auch das Cash Pooling mehr Transparenz im Cash Management. Man sollte lediglich die gesetzlichen Auflagen im Auge behalten.

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