Wer kann es sich leisten, ohne Netting zu arbeiten?

The unusual secret of efficient netting_HEADER
Autor: Martin Bellin

Netting ist mit Sicherheit eine der meistunterschätzen Möglichkeiten zur Optimierung von Zahlungsströmen und Leistungsbeziehungen innerhalb des Konzerns. Die Potenziale werden zu selten erkannt oder mit Maßnahmen überbügelt, die die vorhandenen Probleme nur kaschieren, aber nicht an den Wurzeln ansetzen. Mit einem guten Netting-Prozess lassen sich aber, wie immer im Forderungsmanagement, viele Themen identifizieren, die eben nicht optimal laufen und damit auch jede Menge Optimierungspotenzial aufzeigen.

Betrachtet man Netting erst einmal isoliert, so dient es vordergründig zur Reduzierung der Anzahl von Zahlungen zwischen Konzerngesellschaften. Wenn es keine oder keine nennenswerten bilateralen Zahlungsströme zwischen den Gesellschaften gibt, scheint Netting daher weniger relevant, wenn nicht gar überflüssig. Auf den ersten Blick scheint das vor dem Hintergrund sinkender Transaktionskosten im Zahlungsverkehr vollkommen plausibel – Netting sollte jedoch nie isoliert betrachtet werden. Das Intercompany Netting, von dem hier die Rede ist, stellt nur den letzten Schritt in einer langen Kette von Prozessen dar und verantwortet das Settlement der Forderungen und/oder Verbindlichkeiten, die im Vorfeld einvernehmlich festgestellt worden sind. Genau diese Feststellung ist lediglich ein Aspekt von Netting.

Bei der Lieferung- und  Leistungsbeziehung zweier Gesellschaften hat am Ende eine Gesellschaft die Forderung und eine andere die Verbindlichkeit. Im Konzern müssen die Positionen in den jeweiligen Büchern entsprechend so abgebildet werden, dass sie Null ergeben. Wenn dies immer so wäre, würde es überhaupt keine Differenzen in der Konsolidierung geben. Diese gibt es aber aus verschiedenen Gründen immer wieder. Dazu zählen u.a.:

  • Die Rechnung ist nicht angekommen
  • Die Rechnung ist nicht entsprechend gebucht
  • Die Rechnung ist formal nicht korrekt
  • Die Rechnung enthält falsche und nicht vereinbarte Preise
  • und viele andere Punkte…

 

Oft wird als Lösungsmöglichkeit die Automatisierung von Buchungen ins Auge gefasst. Damit lösen sich vor allem die ersten beiden Punkte, sicher aber nicht die nächsten drei. Buchungskreisübergreifende Buchungen, so sie denn technisch überhaupt vorgenommen werden können, führen weder zur Richtigkeit des Inhalts noch zum Einverständnis desjenigen, der die Rechnung bekommen hat. Auch wenn die Salden vordergründig stimmen, ist noch kein Einverständnis erreicht worden – und genau das ist wichtig, um eine Optimierung der Prozesse zu erzielen. Nur weil der Gegenüber nicht zu Wort kommt, ist noch lange nicht gewährleistet, dass er nichts zu sagen hat.

Ein guter Netting-Prozess setzt genau an dieser Stelle an und gibt beiden Seiten die Möglichkeit, sich zu äußern, um die Hintergründe und die Wahrheit im Sinne beider bei Abweichungen in der Erwartungshaltung zu finden. Das führt gleich zu mehreren Vorteilen:

  • Beide Teilnehmer sind in großem Maße daran interessiert zu beweisen, dass sie recht haben
  • Fehler in der Abwicklung werden sofort sichtbar und können im Sinne des Konzerns sofort beseitigt werden
  • Eine Schattenabstimmung oder gar eine Schattenbuchhaltung wird ausgeschlossen
  • Die Zeit für die „wahre“ Abstimmung wird obsolet, und die Automatisierung in der Gesamtabwicklung von IC Rechnungen kann perfektioniert werden
  • Die Abstimmung hängt nicht mehr an der Richtung der Rechnung oder am System, in dem Rechnungen gebucht werden. Der Prozess kann in allen Gesellschaften, gleich in welchen Ländern, sofort angewendet werden

 

Nimmt man die oben genannten Gründe und setzt das allein in Zeit um, so kommt man schnell zu einer Größe von 1-2 Manntagen pro Monat pro Gesellschaft, die viel sinnvoller in die Optimierung von Prozessen investiert werden kann und damit Mehrwert für das Unternehmen stiftet. Bei 10 Gesellschaften in der Gruppe sind das schon 10 Tage im Monat, bei 50 entsprechend mehr.

Verglichen mit den Kosten der Einführung einer Netting-Struktur mit Abstimmungslogik überwiegen die Ersparnisse deutlich. Stellt sich nur die Frage, wer es sich heute noch leisten kann, ineffiziente Strukturen zu leben und nicht auf einen guten und durchdachten Netting-Prozess zu setzen.

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