About BMG:
Mit BMG gründete Bertelsmann im Jahr 2008 ein Musikunternehmen mit neuem Geschäftsmodell, das den Herausforderungen der digitalen Revolution auf dem Musikmarkt gerecht wird. Anders als sonst üblich werden mit dem innovativen Ansatz Veröffentlichungs- und Aufnahmerechte aus einer Hand über eine gemeinsame, hochmoderne Plattform international vertreten. BMG ist mittlerweile der viertgrößte Musikverlag der Welt und seit Jahrzehnten der erste neue Global Player, der sich im Aufnahmegeschäft etablieren konnte. BMG bietet einzigartige Leistungen. Fairness und Transparenz sowie das Engagement für Künstler und Komponisten stehen stets im Vordergrund. Mit 14 Niederlassungen in 12 wichtigen Musikmärkten vertritt BMG mittlerweile über 2,5 Millionen Titel und Aufnahmen, darunter die Kataloge von Chrysalis, Bug, Virgin, Mute, Sanctuary, Primary Wave und Talpa Music, sowie Tausende von Künstlern und Komponisten, die der innovative Ansatz anspricht. BMG ist ein Unternehmensbereich des internationalen Medienkonzerns Bertelsmann, zu dem außerdem die Fernsehgruppe RTL Group, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der Dienstleister Arvato, die Bertelsmann Printing Group, die Bertelsmann Education Group sowie das internationale Fonds-Netzwerk Bertelsmann Investments gehören. Mit seinen vielseitigen Plattformen, der integrierten Technologieplattform und dem Bestreben, den Künstlern maximale Einnahmen zu ermöglichen, will BMG der beste Geschäftspartner im Musikgeschäft sein.

Treasury Profile

ADaily Cash Management

BCash Pooling

CPayment Processing

DPayment on Behalf of

ECollection on Behalf of

FSWIFT

GeBAM

HLiquidity Planning

IContract Management for Interest, Currencies

JManagement of Commodities

KTrade Finance Contracts

LCapital Markets

MRegulatory Requirements

NGeneral Risk Management

OTreasury Accounting

PStandard / Individualized Reporting

QNetting & Reconciliation

RInsurance

SMergers & Acquisitions

TInvestor Relations

 

Die Bandbreite an Unternehmen, die sich mit Treasury befassen, ist größer, als man denkt: BMG ist der beste Beweis dafür und zeigt gleichzeitig, wie unterschiedlich die Aufgabenfelder sein können. Bei BMG in Berlin hört sich alles nicht nur ganz anders an, auch die Atmosphäre in dem hippen und jungen Unternehmen und die Abläufe entsprechen nicht dem, was man in traditionellen Unternehmen vorfindet. So ist auch der Faktor, dass BMG als ein Unternehmensbereich eines Großkonzerns eigene unterstützende Strukturen im Treasury unterhält, eine zu berücksichtigende Besonderheit.

Sonst im Treasury geläufige Themen, wie ein Cash Pooling oder die Refinanzierung des Unternehmens, spielen seit der Übernahme der zuvor vom Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co gehaltenen Anteile durch Bertelsmann keine Rolle mehr. Der seinerzeit existierende syndizierte Kredit ist abgelöst, und die laufenden Konten sind soweit wie möglich in den Cash Pool der Mutter eingebunden. Selbst das Devisengeschäft wird mit der Inhouse-Bank abgewickelt, so dass BMG keine eigenständig gepflegten Bankenbeziehungen mehr benötigt. Das Treasury des Unternehmens mit etwas mehr als EUR 400 Mio. Umsatz scheint überschaubar.

Ein Blick hinter die Kulissen des Vermarkters von Urheber- und Tonträger-rechten zeigt jedoch, dass das Geschäftsmodell seine Besonderheiten birgt, die in der internationalen Auswertung immaterieller Musikrechte liegen. Dies bringt für das Treasury von BMG, geleitet von Swen Scholz, nicht minder spannende Herausforderungen.

Herr Scholz, wie würden Sie das Grundgeschäft von BMG einfach beschreiben?

Bei uns dreht sich alles um Musik und deren kommerzielle Verwertung. Unser Geschäft teilt sich dabei grundsätzlich in zwei Säulen auf. Im Bereich Publishing (Verlag) wird sichergestellt und organisiert, dass die Verwertungsgesellschaften bzw. Collection Societies in den verschiedenen Ländern, wie in den USA, in UK oder in Deutschland, Gebühren für die Nutzung von Titeln einnehmen, so dass diese an die Autoren bzw. Eigentümer der Nutzungsrechte weitergereicht werden können. Einige Musikrechte liegen auch bei uns, in anderen Fällen verwalten wir diese Rechte im Auftrag der Eigentümer. Der Bereich Recordings (Label) konzentriert sich auf die Vermarktung von Musikaufnahmen und die damit verbundenen Prozesse. Wir leisten beispielsweise einen Vorschuss an den Künstler, arrangieren die Produktion und die Vermarktung und teilen am Ende mit dem Musiker den finanziellen Erfolg.

BMG erzielt Umsätze von gut EUR 400 Mio. im Jahr – das wirkt überschaubar, oder?

Höchstens auf den ersten Blick. Die Tücke steckt aber im Detail. Wir produzieren keine Ware, sondern verwalten immaterielle Rechte – und da ist dieser Betrag im internationalen Maßstab schon relevant. Musikrechte werden entweder von einem der drei großen Vermarkter neben uns oder von vielen kleineren und mittleren Firmen verwaltet. Der Erwerb von Rechten bzw. Katalogen kann eigentlich mit der Akquisition einer Firma verglichen werden, denn es kommen damit komplexe Aufgaben auf uns zu. Wir werden Eigentümer einer Einheit, die jeweils ganz individuell ist und die wir im Treasury berücksichtigen müssen. Auf jede dieser vielen Akquisitionen folgt für uns ein aufwändiger Integrationsprozess, angefangen bei den Bankkonten, über die Abläufe im Zahlungsverkehr, die Refinanzierung bis hin zum Netting.

Wie viele solcher Gesellschaften gibt es bei BMG?

Vor einiger Zeit zählten wir noch über150 Gesellschaften, die inzwischen durch Verschmelzungen und Liquidationen wieder auf 60 reduziert wurden – und das bei steigendem Umsatz. Für uns ist das eine sehr positive Entwicklung, die jedoch auch Grenzen hat. Ich würde mir zwar manchmal wünschen, dass wir noch stärker rationalisieren könnten und auf eine noch überschaubarere Zahl kommen, aber insbesondere in UK ist das nur schwer machbar: In UK kann z.B. jeder Künstler ein Veto einlegen, wenn die Rechte an seiner Musik von einer Gesellschaft zu einer anderen übertragen werden. Eine Zusammenlegung von Gesellschaften ist in solchen Fällen gar nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Denn wir wollen ja sicher sein, die Rechte auch zu behalten.

Also ist es die zentrale Herausforderung, Prozesse beim Erwerb von Rechten zu integrieren?

Das ist nur eine Herausforderung, aber aus meiner Sicht nicht die zentrale. Die wirkliche Musik spielt bei der komplexen Abrechnung von Royalties, den Honoraren für die Verwertungsrechte, die dem Eigentümer der Songs zustehen. Das macht einen ganz wesentlichen Teil unserer Arbeit im Treasury aus.

Was genau macht die Abrechnung so komplex?

Es sind viele Faktoren, die es am Ende zu beherrschen gilt. Stellen Sie sich vor, ein Künstler aus UK schreibt einen tollen Song, der nicht nur die Charts in UK, sondern auch in den USA stürmt und ihm dort gute Umsätze beschert. Eingesammelt werden die Gebühren natürlich vor Ort von der Collection Society in den USA – und zwar in lokaler Währung, also in USD. Die Gebühren erhält dann die BMG-Niederlassung in den USA und muss diese nun an die Gesellschaft in UK weiterleiten – dort möchte man sie allerdings in GBP erhalten. Am Ende der Kette muss die Gesellschaft in UK den vereinbarten Teil der Royalties an den Songschreiber weiterreichen. Sie sehen, Währungsthematiken und die Verrechnung von Gebühren zwischen den verschiedenen Gesellschaften – außerdem auch teilweise steuerliche Besonderheiten – spielen noch eine besondere Rolle. Die Abwicklung ist international zwar normiert, aber je nach Künstlersegment und Geschäft gelten trotzdem andere Ursachen, die wir auch noch berücksichtigen müssen.

Welche Rolle spielt das Treasury in diesem Prozess?

Unsere zentrale Aufgabe ist die Verteilung der Mittel und eingehenden Royalties in der gesamten BMG-Gruppe. Wir sind die Abstimmungs- und Clearingstelle für alle Zahlungen: Das bedeutet, dass die Gesellschaft in den USA die eingesammelten Gebühren im Rahmen des Netting erst einmal zur BMG-Zentrale transferiert. Wir übernehmen dann alle weiteren Aufgaben, wie die Währungskonvertierung und die Weiterleitung an die jeweiligen BMG-Gesellschaften, bspw. in UK. Damit haben wir dann nicht nur die Koordination und komplette interne Verrechnung der Gebühren in der Hand, sondern auch gleichzeitig das Thema der Fremdwährungsrisiken.

Wie ist die interne Verrechnung im Treasury von BMG organisiert?

Im Grunde handelt es sich um einen komplexen und etwas ungewöhnlichen Nettingprozess. Ein klassisches Netting zwischen Gruppengesellschaften eines Konzerns basiert ja in der Regel auf internen Rechnungen und deren Clearing. Bei uns ist dieser Prozess dagegen von externen Vorgaben und nicht etwa von interner Rechnungsstellung getrieben. Wir haben aufgrund der Abrechnungsmodalitäten mit den Rechteinhabern – nennen wir sie einfach mal Künstler – keinerlei Einfluss auf die Abrechnungstermine und Fälligkeiten, die sogenannten „Royalty Runs“. Das Netting startet mit dem Geldeingang zu den quartalsweisen oder halbjährlichen Auszahlungszeitpunkten der Collection Society und geht dann weiter bis zur finalen Auszahlung. Im Normalfall wird die Tantieme 60 bis 90 Tage später beim Künstler fällig. Doch auch hier gibt es Ausnahmen über Ausnahmen:

Für die sogenannten „Fast Track Clients“ erfolgt die Zahlung schon nach 45 oder 60 Tagen. Darüber hinaus gibt es noch ein weiteres Geschäftsumfeld, die sogenannten Master Rights, die nochmals getrennt abgerechnet werden. In der Konse-quenz führen wir im März und im September drei verschiedene Nettingläufe parallel durch. Ein eher ungewöhnlicher Umstand.

Ist denn wenigstens der Ablauf eines Nettinglaufs „normal“?

(lacht) Für uns ist normal, was bei anderen eher selten vorkommt. Hier ist vieles anders und kein Tag wie der andere. Auch unsere Nettingläufe sind wieder speziell: Zuerst bekommen wir die Daten aus den jeweiligen Fachbereichen über alle Zahlungen, die im geplanten Nettinglauf enthalten sein sollten. Auf dieser Basis führen wir einen vorläufigen Nettinglauf durch und machen anhand der Ergebnisse die entsprechende Devisensicherung für die Fälligkeitstermine in 45, 60 oder 90 Tagen. Die dabei erzielten Kurse sind die Grundlage für die Buchungen in den Einheiten. So versuchen wir, Kursdifferenzen in der lokalen Gewinn- und Verlustrechnung zu vermeiden. Wenn es dann soweit ist, werden von den Einheiten die Echtdaten geliefert, so dass wir eventuell Differenzen zwischen dem Probe- und dem Echtlauf aufdecken. Und Abweichungen ergeben sich eigentlich immer – neben mangelnder Buchungsdisziplin können auch noch andere Faktoren, wie eine fehlende Quellensteuerfreistellung in einem Land, zu Unterschieden führen. Bevor der Nettingprozess abgeschlossen werden kann, müssen wir alle diese Differenzen geklärt haben. Nicht selten sind sie substanziell und führen zur Adjustierung der FX-Geschäfte. Dies verursacht wiederum Kosten. Umso wichtiger ist es für uns daher auch, die Abläufe durch Systemunterstützung zu optimieren und das Netting so präzise und voraussehbar wie möglich zu gestalten.

Nimmt Netting die Hauptzeit Ihrer Aufgaben ein? Wie sieht Ihr Tagesgeschäft aus?

Netting ist schon ein Schwerpunkt. Wir sind zu zweit im Treasury, aber ein routiniertes Tagesgeschäft gibt es für uns eigentlich nicht. Dynamik und Geschwindigkeit in der Akquisition von Musikrechten und Katalogen bringt immer wieder neue Aufgaben und Besonderheiten, so dass es nie langweilig wird.

Neben dem Netting beschäftigen wir uns mit der Liquiditätsplanung, in der wir auch die vielen Unabwägbarkeiten des Musikbusiness berücksichtigen müssen: Wer weiß schon, welcher Song in den kommenden Wochen einschlägt? Die Platzierung eines Songs in der Werbung, in einer Serie, einem Kinofilm oder einem Sportevent – z.B. bei der WM – kann ganz plötzlich die Zahlungsströme verändern. Und damit nicht nur die generelle Liquiditätssituation an sich, sondern auch unser Währungsexposure bei BMG. Zwar sind USD und GBP die wichtigsten Währungen in unserem Portfolio, aber auch der Anteil an Zahlungen in SEK, RMB, AUD und BRL steigt stetig an. Und die Sicherung gerade für Brasilien und China will gut überlegt sein. Von daher: Routine ist Fehlanzeige. Es ist die Geschwindigkeit in der Akquisition von Katalogen bzw. Musikrechten, auch in kleineren Einheiten, die viel Arbeit und Zeit kostet. Ebenso ist es für uns auch wichtig, die Finanzorganisation in den Tochtergesellschaften dauerhaft zu begleiten – in einem jungen und dynamischen Kreativunternehmen steht die Disziplin der Buchhaltung nicht immer an erster Stelle. So nebenher kann es passieren, dass wir hier in Berlin für ein paar Monate den Zahlungsverkehr für eine Tochter in Australien mal übernehmen. BMG ist eben voller Überraschungen.

Sie haben bei Konzernen wie Continental, Hellmann oder bei Kolbenschmidt gearbeitet. Wie würden Sie BMG in dieser Reihe einordnen?

Bei BMG ist vieles anders, gerade auch die Arbeitsatmosphäre: Hier laufen im Sommer viele mit Flipflops herum, jeder hört Musik und die Tatsache, dass wir in Berlin oder gar in Deutschland sind, bemerkt man erst wieder, wenn man vor die Haustür auf den Gendarmenmarkt geht. Das Unternehmen ist wirklich sehr multikulturell und international, modern und offen in jeder Hinsicht.

Eine oder viele Tochtergesellschaft(en) im Ausland hat jeder, aber hier ist das Ausland im Büro. Nirgends habe ich erlebt, dass die neuesten Top Acts des Musikbusiness in der Kantine sitzen, um gelegentlich ihren neuesten Hit zum Besten zu geben. 

Wir haben die Coke geleert, die wir aus dem zum Kühlschrank umgebauten Marshall Turm entnommen hatten, und sind wieder auf die Straße zurückgekehrt – in eine ganz andere Welt. BMG ist wie ein anderes Universum – mitten in Berlin.

 

Die wirkliche Musik spielt bei der komplexen Abrechnung von Royalties, den Honoraren für die Verwertungsrechte, die dem Eigentümer der Songs zustehen. Das macht einen ganz wesentlichen Teil unserer Arbeit im Treasury aus. Umso wichtiger ist es für uns daher auch, die Abläufe durch Systemunterstützung zu optimieren und das Netting so präzise und voraussehbar wie möglich zu gestalten.

Swen Scholz | Vice President Finance & Treasury, BMG