About ICRC:
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (International Committee of the Red Cross – ICRC) ist eine unabhängige, neutrale Organisation, die sich um Opfer bewaffneter Auseinandersetzungen und anderer Formen von Gewalt kümmert und humanitäre Unterstützung sowie Notfallhilfe leistet. Das ICRC hat sich außerdem die Achtung des internationalen Völkerrechts sowie dessen Umsetzung in der nationalen Gesetzgebung auf die Fahnen geschrieben. Gegründet wurde das ICRC 1863, und seine Mission ist der Schutz des Lebens, der Würde der Opfer von Kriegen und innerstaatlichen Konflikten sowie das Leisten entsprechender humanitärer Unterstützung. Mit Hauptsitz in Genf beschäftigt das ICRC knapp 14.000 Mitarbeiter in über 80 Ländern. Die Organisation finanziert sich hauptsächlich durch Spendengelder, etwa von staatlichen und überstaatlichen Institutionen, den nationalen Roten Kreuz Gesellschaften sowie von weiteren privaten und öffentlichen Sponsoren. 2015 verfügte das ICRC über ein Budget von etwas über CHF 1,7 Mrd. Davon wurden knapp 200 Mio. für das Headquarter benötigt, und die restlichen 1,56 Mrd. vor Ort für die Opfer von Konflikten eingesetzt. Aufgrund der weltpolitischen Lage ist in den vergangenen Jahren der Bedarf an humanitären Hilfsprojekten und Unterstützung in vielen Krisengebieten deutlich gestiegen – und in der Konsequenz auch das Budget des ICRC um 55% in den vergangenen zehn Jahren.

Treasury Profile

ADaily Cash Management

BCash Pooling

CPayment Processing

DPayment on Behalf of

ECollection on Behalf of

FSWIFT

GeBAM

HLiquidity Planning

IContract Management for Interest, Currencies

JManagement of Commodities

KTrade Finance Contracts

LCapital Markets

MRegulatory Requirements

NGeneral Risk Management

OTreasury Accounting

PStandard / Individualized Reporting

QNetting & Reconciliation

RInsurance

SMergers & Acquisitions

TInvestor Relations

 

Das ICRC ist Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, die das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (International Committee of the Red Cross – ICRC), die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (International Federation of the Red Cross – IFRC) sowie nationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften in den verschiedenen Ländern (National Societies) umfasst. Die Arbeit des Roten Kreuzes bei Naturkatastrophen – wovon man immer wieder in den Nachrichten hört – wird durch das IFRC und die National Societies abgewickelt. Dagegen konzentriert sich das ICRC per Satzung auf die Versorgung in Krisengebieten oder Gebieten mit politischen und militärischen Auseinandersetzungen – sprich in Kriegsgebieten.

Die Organisation wird durch eine Art Hauptversammlung, die „Assembly“, geleitet, ein Komitee, das aus bis zu 25 Freiwilligen besteht, die sich ehrenamtlich und unentgeltlich engagieren. Das Komitee wählt einen Präsidenten, der wiederum den „General Director“ und dieser wiederum weitere Unterdirektoren für verschiedene Ressorts bestellt.

Fundraising, Projekt-planung und wo das Treasury ins Spiel kommt

Die Assembly legt die Strategien des ICRC fest, und diese sind prägend für die Arbeit im Treasury. Das ICRC ist eine Non-Profit-Organisation und als solche weder eine Finanzinstitution noch ein auf Gewinnmaximierung ausgelegtes Unternehmen. Als gemeinnützige Organisation bietet das ICRC den Schwächsten in unserer Gesellschaft Schutz, die unter den Folgen von Konflikten leiden. Aus der Bilanz gehen lediglich zweckgebundene und/oder nicht zweckgebundene Positionen hervor. Eigenkapital gibt es keines. Die finanzielle Organisation beginnt mit einem Budget, das für Konfliktherde und die erforderlichen Tätigkeiten des ICRC erstellt wird und in dem die erforderlichen Ausgaben z.B. für Ernährung oder Medikamente aufgestellt sind. Diese Planung wird durch Einheiten vor Ort, den sogenannten „Operations“ oder „Delegations“, erstellt.

Sind alle Daten zusammengetragen, übernimmt die für die Mittel-beschaffung zuständige Abteilung, die „Fundraising Division“. Sie spricht potenzielle Spender an, um die erforderlichen Gelder aufzubringen. Geldgeber für die Projekte sind im Wesentlichen Staaten – allerdings auch eine kleinere, aber steigende Anzahl privater Spender, die seit 2012 intensiver betreut werden und aktuell etwa 5% des Gesamtbudgets des ICRC ausmachen. Bei positiver Rückmeldung der Geldgeber differenziert das ICRC zwischen „harten“ und „weichen“ Zusagen, denn nur wenn Mittel verbindlich zugesagt wurden, können sie fest als Einnahmen eingeplant werden. Gelder werden als Einnahmen eingestuft, sobald eine feste Zusage besteht, selbst wenn das Geld noch nicht eingegangen ist. Damit einher geht das entsprechende Devisen-Exposure. Bei weichen Zusagen sind weder Termin noch Umfang der Mittel gesichert, so dass diese vagen Einzahlungen noch nicht als Einnahmen eingestuft werden können. Sie fließen aber dennoch in die Planung ein, in der Gelder bereits berücksichtigt werden, bevor die eigentliche Transaktion abgeschlossen ist.

Das Treasury kommt beim entsprechen-den Fremdwährungsrisiko ins Spiel: Es gilt, die Risiken abzusichern und zu prüfen, wann die Gelder durch die Spender geleistet worden sind. Da die feste Zusage von Geldern und nicht der Zahlungseingang ausschlaggebend ist, werden die Aktivitäten durch das Treasury vorfinanziert, weil die Mittel häufig sofort, noch vor dem Geldeingang, gebraucht und eingesetzt werden.

Die Kunst, Spendengelder zweckbezogen zu verwalten

Teilweise liegen Zahlungseingang und Zahlungsausgang weit auseinander, so dass kein direkter Zusammenhang mehr zwischen erhaltenen Geldern und Ausgaben besteht. Für das Treasury bedeutet das, dass nicht auf Projektbasis gearbeitet wird. Grundsätzlich laufen alle Spendengelder über den Hauptstandort in Genf. 80% sind für die ca. 80 ver-schiedenen Operations und dienen in den Kriegsregionen auf der ganzen Welt zur Versorgung der Menschen vor Ort. 20% werden für die Aufrechterhaltung der globalen Organisation verwendet. Darüber werden beispielsweise auch die Kosten für Mitarbeiter gedeckt, auch für solche, die zwar auf der Gehaltsliste in Genf stehen, aber stets vor Ort im Einsatz sind (die „mobilen Ressourcen“). Hierunter fällt auch das Zentrallager des ICRC in Genf, in dem Medikamente, orthopädische Instrumente oder IT zentral eingekauft und bis zur Verwendung zwischengelagert werden.

Teilweise sind Spenden für einen bestimmten Zweck vorgesehen, z.B. für die Verwendung in einem bestimmten Land, in dem ICRC ein Flüchtlingslager betreibt, oder für den Einsatz für die Frischwasserversorgung. Das ICRC ist dann verpflichtet, sicherzustellen, dass die Auflagen des Geldgebers genau eingehalten werden. Andere Spenden unterliegen keinem bestimmten Verwendungszweck, und das ICRC entscheidet, wo die Gelder verwendet werden. Diese Flexibilität schätzt man sehr. So können Gelder z.B. für einen gesamten Kontinent vorgesehen sein (beispielsweise Afrika) und entsprechend nach Bedarf zugeteilt werden.

Jede geplante Einzahlung stellt eine freiwillige Spende dar und ist mit damit einhergehenden Unsicherheiten behaftet. Hin und wieder kann es vorkommen, dass ein bestimmtes Budget überschritten wird und ein Nachtrag erstellt werden muss. Solche Nachträge können bis zu 10-15% des Budgets ausmachen und müssen dann wieder gesondert angefragt werden – und nicht immer ist sicher, dass der Nachtrag gewährt wird. Gleichzeitig ist es die Kernfunktion des Treasury, die Operations vor Ort mit entsprechender Liquidität zu versorgen und ihnen Mittel zur Verfügung zu stellen, häufig in äußerst problematischen Regionen.

Wie kommt das Geld in Kriegsgebiete?

Für das Treasury ist es teilweise eine echte Herausforderung, sicherzustellen, dass die Operations die Gelder erhalten, die sie zur Umsetzung ihrer Ziele benötigen. Gegen manche Länder wurde beispielsweise ein Embargo ausgesprochen, was dazu führt, dass Banken Gelder nicht übertragen können, da sie sich mit einer solchen Überweisung möglicherweise strafbar machen würden. Obwohl das ICRC durch internationale Regelungen von Sanktionslisten ausgeschlossen ist, müssen konkrete Verwendungszwecke in allen Zahlungen mitgegeben werden. Oft ist dies im Rahmen des elektronischen Zahlungsverkehrs gar nicht möglich, so dass in solchen Fällen dann ganz traditionell Papier herhalten muss, um die passenden Zahlungsanweisungen an eine der drei Kernbanken von ICRC zur Ausführung zu übergeben. Im Sudan sind beispielsweise nur USD der Sanktionierung unterworfen, in diesem Fall werden stattdessen EUR überwiesen. In extremen Ausnahmefällen kann es auch vorkommen, dass Bargeld von einem Boten persönlich transportiert werden muss. Ein Unterfangen, bei dem sich niemand wirklich wohl fühlt, das sich aber manchmal nicht vermeiden lässt, wenn man die Krisengebiete in Embargo-Ländern humanitär unterstützen will. Hier ist das Treasury mit seiner Verantwortung im Zahlungsverkehr ganz vorne dabei, sozusagen mit „an der Front“, und muss auch in solchen verzwickten Situationen eine beherzte und pragmatische Lösung finden.

Fremdwährungssicherung mit dem „Accounting-Ansatz“

Das Treasury von ICRC kombiniert die Ausgabenplanungen, die von den Operations bereitgestellt werden, mit den verbindlichen und unverbindlichen Spendenzusagen des Fundraising Departments in einer Gesamtplanung, die jedes Quartal überprüft und validiert wird. Aufgrund dieser Updates und der Sammlung aller Ist-Daten kann jeden Monat eine relativ genaue Planung der Zahlungsströme für die kommenden vier Wochen durchgeführt werden – denn für diesen Zeithorizont kann man noch recht verlässliche Aussagen treffen. Die Anforderungen der Operations für den kommenden Monat werden in kleinere Teile gestückelt, um die Cash-Bestände vor Ort möglichst klein zu halten und entsprechend auch ein geringeres Risiko einzugehen. Das Treasury nimmt auch die Kurssicherung vor – dabei richtet es sich bei der FX-Sicherung nach den Anforderungen des Accounting. Ziel dieses „Accounting-Ansatzes“ ist es, die Auswirkungen von Fremdwährungsrisiken möglichst klein zu halten, wobei nur Bilanzpositionen berücksichtigt werden. So werden die Fremdwährungsbestände in der Regel klein gehalten. Sobald ein Betrag in fremder Währung erfasst wird, sollte dieser zeitnah gesichert werden, um Verluste aus Kursdifferenzen zu vermeiden. Die Negativzinsen, die derzeit in der Schweiz auf Cash-Bestände erhoben werden, erschweren dabei den Umgang mit Beständen und erfordern komplexere Lösungen, um die Auswirkungen auf Spendengelder möglichst gering zu halten.

Für Einzahlungen wird die Sicherung vorgenommen, sobald die verbindliche Spendenzusage vorliegt. Bei den Ausgaben (im Rahmen eines monatlichen Reviews) können die Anforderungen der Delegations als Basis für die Sicherung verwendet werden. Betrachtet man die getrennt zu sichernden Ein- und Auszahlungen in Summe, ergibt sich dabei ein Konvertierungsvolumen von über CHF 2,5 Mrd. Banken sind in die Zahlungsabwicklung und in gelegentliche kurzfristige Finanzierungen eingebunden.

Professionalisierung des Treasury

Das Treasury bei ICRC ist nicht wirklich neu, sondern hat sich seit rund zehn Jahren, seit 2007, in der Organisation etabliert. Unter immer komplexeren Rahmenbedingungen wurde das Treasury dabei Schritt für Schritt professionalisiert. Eine der großen Herausforderungen war dabei die Etablierung einer Treasury Software, die bei der komplexen Planung und dem Monitoring der Mittel unterstützt. Nach wie vor müssen Prozesse und Strukturen an vielen Stellen weiter optimiert werden, um durch den Systemeinsatz Mehrwert und Effizienzvorsprünge zu generieren, was auch die Voraussetzung für die Freigabe des Investments war.

Zunächst rückte das Treasury Team die Abwicklung des Zahlungsverkehrs aus der Zentrale hinaus in den Vordergrund – und damit verbunden das komplette Cash Management und die Organisation der kurzfristigen Geldanlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr. Des Weiteren arbeitet es an der Darstellung der Liquiditätsplanung, dem Bezug aller elektronischen Kontoauszüge und deren Weiterleitung in die Planung zur Darstellung des Soll-Ist-Vergleichs. Auch die Aufzeichnung der vielen FX-Geschäfte ist ein wichtiges Thema. Sobald im Headquarter die Implementierung erfolgreich abgeschlossen ist, könnte es ein weiterer Schritt sein, auch den Einsatz auf die regionalen Einheiten auszurollen – das ist aktuell aber noch eher eine Vision als eine realistische Planung.

Die Fürsorgepflicht des Treasury

Die Auswirkungen der Finanzkrise und die derzeitigen geopolitischen Rahmenbedingungen tangieren das ICRC immer stärker und haben Auswirkungen auf die Bereitstellung von dessen Aktivitäten. Für das Treasury sind hier vor allem strengere Finanzauflagen, ein Anstieg an Anforderungen im Bereich Compliance (für Banken aber auch anderweitig) sowie eine verstärkte Volatilität auf den Devisen- und Finanzmärkten von Brisanz. Das ICRC arbeitet mit über 100 Währungen (in denen man entweder „long“ oder „short“ ist) und ist daher besonders stark von Wechselkursschwankungen betroffen. Diese haben direkte Auswirkungen auf das Budget und damit auf das Treasury. Zwar hat die Treasury-Abteilung keinen direkten Kontakt mit den Spendern, aber ihre Arbeit leistet dennoch einen unschätzbaren und wichtigen Beitrag zur humanitären Arbeit des ICRC, indem die Spendengelder jenen Menschen zugeführt werden, die Schutz benötigen. Der Auftrag des Treasury ist es, unter immer komplexeren und unkalkulierbaren Bedingungen sicherzustellen, dass den Operations die benötigten Gelder zur Verfügung gestellt werden, um Schutzbedürftigen zu helfen. Das geschieht mithilfe von transparenten und soliden Treasury-Prozessen. Diese Tatsache wird in Gängen im Headquarter und auf Bildern überall sichtbar und ist in der Organisation omnipräsent. Alle sind sich der Bedeutung ihrer Arbeit bewusst, und das fördert die Identifikation mit der Motivation und den Grundprinzipien des Roten Kreuzes und beeinflusst selbst die kleinen Entscheidungen im Alltag des Treasury bei ICRC. Aus der Mission und der Tatsache, selbst ein Teil des großen Ganzen zu sein, zieht das Team seine Motivation und macht es – auch wenn es am Tag betrachtet oft genau die Aufgaben bewältigt, die im Kern jedes andere Treasury genauso zu bewältigen hat – ganz besonders. 

ICRC ist als gemeinnützige Organisation, die humanitäre und soziale Ziele verfolgt, Teil des BELLIN „We Love Treasury – and We Love to Help“ Programms und wird mit einer kostenfreien Lizenz für die Software tm5 unterstützt.

 

Eine besondere Herausforderung für das Treasury von ICRC ist der Umgang mit zweckgebundenen Spenden. Wir müssen sicherstellen, dass das Geld dem richtigen Verwendungszweck zugeführt wird – in der richtigen Währung und für das vorgesehene Projekt. Es liegt in unserer Verantwortung, dass die Wünsche des Geldgebers respektiert werden.

Christine Zaninetti | Deputy Head Finance and Administration Division, ICRC