About Logwin:
Logwin ist ein Logistikdienstleister, der sich auf die Bereiche See- und Luftfracht sowie Kontraktlogistik für ausgewählte Branchen konzentriert. Das Unternehmen ging im Jahr 2000 an die Frankfurter Börse, Mitte 2002 übernahm die DELTON AG, Bad Homburg, die Mehrheit am Unternehmen. 2008 erfolgte die weltweite Umfirmierung zur Logwin AG. Das Unternehmen verfügt über eine Hallenlagerfläche von über 500.000 Quadratmetern weltweit, beschäftigt 4.200 Mitarbeiter und transportierte im Jahr 2016 rund 610.000 Container (TEU) per Seefracht und 150.000 Tonnen Luftfrachtgüter. Seine Geschäfte tätigt Logwin weltweit von 190 eigenen Standorten in 35 Ländern aus. Im Jahr 2016 wurde ein Umsatz von rund EUR 1 Mrd. erzielt. Aufgrund der erfolgreichen Performance und der konsequenten Verfolgung seiner finanzwirtschaftlichen Ziele verfügt das Unternehmen über eine sehr stabile Finanzsituation.

Treasury Profile

ADaily Cash Management

BCash Pooling

CPayment Processing

DPayment on Behalf of

ECollection on Behalf of

FSWIFT

GeBAM

HLiquidity Planning

IContract Management for Interest, Currencies

JManagement of Commodities

KTrade Finance Contracts

LCapital Markets

MRegulatory Requirements

NGeneral Risk Management

OTreasury Accounting

PStandard / Individualized Reporting

QNetting & Reconciliation

RInsurance

SMergers & Acquisitions

TInvestor Relations

 

Der internationale Logistikdienstleister setzt auf eine flache Hierarchie und eine schlanke Struktur. Andreas Schwarz, der das Treasury bei Logwin seit fast zehn Jahren verantwortet, weiß es zu schätzen, dass er die Verantwortungsträger in den verschiedenen Divisionen persönlich kennt und jederzeit ansprechen kann, um das Treasury ganz eng am Kerngeschäft auszurichten und sinnvoll weiter nach vorne zu bringen. Das Logistikgeschäft ist oft kurzfristigen Schwankungen unterworfen, und der Planungshorizont reicht häufig nur von Quartal zu Quartal. Dennoch steht für Andreas Schwarz die langfristige Strategie im Vordergrund, um das Unternehmen stets stabil zu halten.

Ein Netzwerk von Netzwerken

Für Andreas Schwarz ist es nach wie vor faszinierend, wie eng die weltweite Zusammenarbeit im Netzwerk der insgesamt 190 Standorte von Logwin ist. Und sollen Güter über eine Strecke transportiert werden, die nicht vollständig mit eigenen Standorten abgedeckt werden kann, z.B. wenn das Unternehmen in der Region vielleicht gar nicht tätig ist, greift man auf Partner oder in Ausnahmefällen sogar auf Mitbewerber und deren Kapazitäten zurück, um den Kundenauftrag durchführen zu können. Bekommt Logwin beispielsweise den Auftrag, Güter an einen Ort in Japan zu transportieren, also in ein Land, in dem das Unternehmen kein eigenes Büro unterhält, so wird auf die Kapazitäten und das Know-how eines Partners vor Ort zurückgegriffen. Dieser holt die Waren am Hafen ab und bringt sie zum Zielort. Umgekehrt verhält es sich ähnlich: Erhält der Partner in Japan einen Auftrag zur Lieferung nach Deutschland, schaltet er Logwin ein, um die Ware in Frankfurt am Flughafen entgegenzunehmen und sie an den Zielort zu bringen.

Diese Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnerunternehmen zur Erfüllung eines Kundenauftrags spiegelt sich direkt im Treasury wider: Logwin hat ein umfassendes weltweit ausgerolltes Nettingsystem etabliert, das bei der Abstimmung von fälligen Salden beginnt. Bei der Einführung vor vielen Jahren wurde bewusst auf eine Einzelbelegabstimmung verzichtet, denn zu groß wäre ansonsten die Flut an Belegen. Von beiden Parteien werden lediglich die jeweiligen fälligen Salden angegeben und deren Übereinstimmung mit der Position des Partners jeweils bestätigt. Dann wird der zu zahlende Nettobetrag durch das Treasury für die derzeit 65 internen Gesellschaften und die 57 am Nettingprozess teilnehmenden externen Partnerunternehmen ermittelt und entweder über die Konten der Inhouse-Bank oder über Bankkonten der Partner ausgeglichen. Die Konvertierung von Währungspositionen wird ebenfalls im Netting vorgenommen. Hierfür greift das Treasury auf den aktuellen Tageskurs am Nettingstichtag zurück.

Komplexität auf sieben Seiten

Netting ist jedoch aus Sicht des Treasury nur eine der Maßnahmen, um den diversifizierten Konzern mit Blick auf die Prozessabläufe zu optimieren. Logwin hat sich seit dem Amtsantritt von Andreas Schwarz merklich verändert. Er erinnert sich an seinen ersten Arbeitstag, als er versuchte, das Unternehmensgeflecht zu verstehen: Auf insgesamt sieben DIN-A4-Seiten wurden Kästchen mit Linien zur Visualisierung der Beteiligungsstruktur innerhalb des Konzerns verbunden. Auch heute ist der Konzern noch recht komplex, die Struktur passt aber leicht auf nur noch zwei Seiten.

Insgesamt gilt es fast 70 operative Einheiten an 190 Standorten in 35 Ländern zu berücksichtigen. Hinzu kommen Partner in weiteren 30 Ländern, mit denen Geschäfte abgewickelt werden und die so auch eine Rolle im Netting spielen. Auf der Bankenseite dagegen ist Logwin – passend auch zu seiner schlanken Organisationsstruktur – übersichtlich aufgestellt und verlässt sich auf die Dienste von insgesamt vier Kernbanken, bei denen weltweit insgesamt rund 270 Konten geführt werden. Auch sind die Cash Pools, die in EUR und USD aufgesetzt sind, bei den vier zentralen Bankpartnern angesiedelt. Ein weiterer Cash Pool wird in China geführt, jedoch mit der Besonderheit, dass die dort zusammengeführten 20 Bankkonten alle zu einer einzigen Gesellschaft gehören. So verursacht dies weniger administrativen Aufwand als die klassischen Cash Pools, die über mehrere Legaleinheiten hinweg etabliert werden. Zur Steuerung der globalen Bankenpolitik wurde eine zentrale Treasury Guideline verabschiedet, die unter anderem klare Regeln für die Eröffnung von Bankkonten aufstellt, so dass nur mit Genehmigung des zentralen Treasury neue Konten zulässig sind. Damit wird das Ziel verfolgt, ausschließlich Konten bei den Kernbanken zu unterhalten. Die Reduzierung auf die vier Partnerbanken gelingt insgesamt sehr gut; Ausnahmen gibt es nur wenige, z.B. in Asien, wo Logwin traditionell sehr stark ist und zusätzliche lokale Bankkonten aus landespezifischen fiskalischen Gründen nicht vermeiden kann. Aus seiner beruflichen Zeit bei der Bank kennt Andreas Schwarz deren Denkweise sehr gut. So kann er heute gut zwischen den Interessen von Bank und Unternehmen vermitteln.

Devisen von 190 Standorten effizient managen

Angesichts des Länderspektrums nimmt auch das Devisenmanagement eine wichtige Rolle im Tagesgeschäft des Treasury ein. Jede Gesellschaft ist verpflichtet, beim Treasury solche Geschäfte zu melden, die Risiken durch die Veränderung von Zinsen, Währungen oder Rohstoffen bergen. Ausschließlich das Group Treasury führt dann ent-sprechende Sicherungsmaßnahmen durch, die lokalen Gesellschaften selbst dürfen keine Sicherungsgeschäfte mit Banken abschließen. Nach einer Prüfung und Bewertung des Risikos werden diese durch Maßnahmen, die aus einem Portfolio an genehmigten Geschäfts-arten gewählt werden, abgesichert. Die Anfrage wird dabei über die hausinterne Handelsplattform an das Treasury gestellt und auch dort bestätigt. Die Abwicklung erfolgt dann am Fälligkeitstag, entweder über das Netting direkt oder über die für alle Gesellschaften eingerichteten Verrechnungskonten, die z.B. auch im Rahmen des Cash Poolings genutzt werden.

Das Treasury selbst bezieht für das Währungsrisikomanagement täglich die aktuellen Daten ausgewählter Gesellschaften direkt aus dem ERP-System (tägliche Veränderung der Forderungen und Verbindlichkeiten) und verarbeitet die entsprechenden Werte direkt im Treasury Management System. In der Kombination von offenen Währungspositionen und abgeschlossenen Devisengeschäften können so die Divergenzen bzw. die Hedge Ratio berechnet werden. Die ermittelten Lücken werden täglich mit den entsprechenden Devisentermingeschäften geschlossen, um eine vollkommene Absicherung zu gewährleisten. Dabei entscheidet das Treasury nicht auf Basis von Meinungen oder Erwartungen, sondern wickelt die Sicherung technisch und unabhängig von der eigenen Markterwartung in einer Vielzahl von Währungen ab. Nicht nur die sonst üblichen USD, GBP oder CHF stehen im Mittelpunkt, auch AUD, HKD, SGD, die Währungen Osteuropas oder Off -Shore CNY werden abgesichert. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass „Air + Ocean“ in Aschaffenburg den zentralen Einkauf der Seefrachten übernimmt, und dann die entsprechenden Geschäfte in verschiedenen Landeswährungen weiter fakturiert. Die sich hieraus ergebenden Daten erfasst die Fachabteilung selbst direkt im „TMS“, das hier für das Transport Management System und nicht etwa für das Treasury Management System steht. Über eine automatische Schnittstelle werden diese Daten dann an das Rechnungswesen weitergeleitet, aus dem sich das Treasury wiederum bedient, und die notwendigen Informationen für die Ermittlung des Exposure zum Hedging der Devisenrisiken entnimmt. So entsteht ein Sicherungsvolumen pro Jahr, das fast doppelt so hoch wie der Konzernumsatz von rund EUR 1 Mrd. ist. Wobei anzumerken ist, dass der Umsatz eines Logistikers wie Logwin in Abhängigkeit von den Preisen für die Frachten stark schwanken und insofern nur bedingt für die Beurteilung der Geschäftsentwicklung herangezogen werden kann. Das ist ein Sachverhalt, der eher ungewöhnlich ist und der Logwin nicht ohne Weiteres mit Unternehmen anderer Branchen vergleichbar macht.

Veränderung ist das Tagesgeschäft

In der Zeit, in der Andreas Schwarz nun das Treasury bei Logwin verantwortet, hat sich die Abteilung zu einem festen Bestandteil der Finanzorganisation entwickelt. Sie stellt im Hinblick auf die Finanzen das Bindeglied zwischen Konzernführung und den operativen Einheiten dar. Auf der einen Seite verantwortet sie das Bankengeschäft, bereitet die Finanzdaten auf und unterstützt beim Minimieren finanzieller Risiken. Auf der anderen Seite agiert das Treasury nach innen als Berater und als Inhouse-Bank und nimmt mit Services, wie z.B. der Ausführung des Zahlungsverkehrs für die verschiedenen operativen Einheiten, eine aktive Rolle als interner Dienstleister ein. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, setzt sich das fünfköpfige Treasury Team aus „Allroundern“ zusammen. Jeder muss im Prinzip jede Rolle einnehmen können, ob es sich dabei um den Zahlungsverkehr, das Hedging oder die Refinanzierungsmaßnahmen handelt. Größte Herausforderung ist hierbei sicherlich die stetige Beachtung der Compliance sowie der internen Richtlinien und Vorgaben. Gerade die Arbeiten im Zusammenhang mit Refinanzierungsmaßnahmen haben sich über die Zeit erheblich verändert. Flexibilität ist daher gefragt. Standen noch vor zehn Jahren die erforderlichen Kredite und die Optimierung der Zinslast im Mittelpunkt, so ist Logwin heute cash long. Andreas Schwarz sieht sich selbst daher eher als „Asset Manager“ – wegen der Negativzinsen steuert Logwin die liquiden Mittel, um grundsätzlich zu vermeiden, in die Zinsfalle zu gelangen.

„Was ich in vielen Berufsjahren und in der Ausbildung einmal zum Thema Asset- und Zinsmanagement gelernt habe, ist einfach auf den Kopf gestellt“, beschreibt Andreas Schwarz die aktuelle Situation. „Die umfangreichen regulatorischen Maßnahmen, die einem Kopfzerbrechen bereiten, reichen doch eigentlich“, fügt er mit Blick auf die vielen Regelungen, die auch das Treasury von Logwin tangieren, hinzu – seien es seitens der Banken die Vorschriften zum KYC (Know Your Customer), die umfangreiche Informationsanfragen mit sich bringen, oder im Zusammenhang mit EMIR die Meldepflichten für Derivate, die das Treasury in einer großen Anzahl mit Banken und Gesellschaften abschließt.

Die dezentrale Einheiten involvieren und unterstützen

Zur weiteren Optimierung der Prozesse im Treasury hat das Team einen Fragebogen entwickelt, um gerade im Zahlungsverkehr zu ermitteln, welche Volumina, Instrumente und lokale Besonderheiten bei einem zentralisierten Ansatz zu berücksichtigen sind. Die Ergebnisse waren sehr aufschlussreich und machten deutlich, dass die lokalen Bedürfnisse im Geschäft von Logwin eine sehr große Rolle spielen. Bei der Umfrage wurden auch zusätzlich alle Konten sowie anderen relevanten Daten, die dem Treasury bekannt waren, verifiziert, und die Ansprechpartner bei Gesellschaften und Banken überprüft. Die Tatsache, dass die Antworten im Zuge der Erhebung umfangreich ausfielen und sehr schnell durch die Gruppengesellschaften zurückgesendet wurden, zeigte dem Treasury auch, wie sich ein guter Service langfristig auswirkt. Nicht zuletzt gelingt dies auch dank Systemunterstützung. „Ohne systematische Unterstützung wären wir mit dem kleinen Team nicht in der Lage, den Herausforderungen bei Logwin gerecht zu werden“, ist sich Andreas Schwarz sicher. Auch anfängliche Unsicherheiten bei den Gruppengesellschaften und eine gewisse Skepsis dem System gegenüber sind längst überwunden. Die Sorge, dass jemand in den Gesellschaften einen falschen Deal im FX Management erfasst und durch die enge Verzahnung mit dem Cash Management so irgendwelche Daten „zerschießt“, ist der Freude über genau diese Transparenz und Durchgängigkeit gewichen. Die Denkweise, dass das System nur für die Zentrale geeignet ist und die Gesellschaften mit Arbeit belastet, gilt längst nicht mehr und hat sich vielmehr ins Gegenteil gewendet.

Jede Bürgschaft wird im TMS abgebildet

Die Durchgängigkeit der Daten im System bietet für Logwin enorme Vorteile, beispielsweise bei der Abbildung aller Avale oder Leasingkontrakte. Der weltweite tägliche Überblick über alle Konten ist inzwischen für das Treasury Team selbstverständlich, selbst dann, wenn für ein Konto keine automatischen Auszüge via MT940 bezogen werden und die Gesellschaft z.B. in Shanghai täglich den Saldo ihres laufenden Kontos manuell erfasst.

„Jeder der 100 bis 120 User trägt täglich dazu bei, dass wir eine solide und verlässliche Datengrundlage für das Management des Treasury haben“, schildert Andreas Schwarz. Auch angrenzende Abteilungen nutzen die verlässliche Datengrundlage immer wieder gerne, z.B. das Rechnungswesen, das einzelne Zahlungen komfortabel und schnell im TMS sucht und findet.

„Ich hätte nie gedacht, dass jede Bürg-schaft im System abgebildet werden würde – doch heute ist das Normalität“, ergänzt er.

Starkes Teamplay bei Logwin

Die Rolle des Treasurers hält immer wieder Überraschungen bereit: Zum Beispiel als im Jahr 2016 eine der weltgrößten Seefrachtgesellschaften unerwartet Insolvenz angemeldet hatte und niemand wusste, was mit den Schiffen mitsamt der Ladung passieren würde, die im Auftrag von Logwin auf den Weltmeeren unterwegs waren. Kunden fragten nach, wo die Ware denn bliebe, und niemand konnte klare Aussagen treffen. Über Nacht stellte das Treasury die nötigen Mittel bereit und unterstützte die notwendige Organisation, damit das viele hundert Male pro Container fällige, notwendige Pfand am Hafen hinterlegt (und wieder ausgelöst!) werden konnte. Nur so konnten die beauftragten LKWs die Ladung am nächstgelegenen Hafen schnellstmöglich aufnehmen und letztendlich erfolgreich zustellen. Dieses Beispiel zeigt, wie für Andreas Schwarz bei Logwin der Erfolg am Ende immer ein Zusammenspiel des ganzen Teams und nicht eine Leistung des Einzelnen ist. Letztlich erfordern viele Herausforderungen das Engagement und die Expertise aller Akteure des internationalen Logistikkonzerns.

 

Unser Treasury Team ist sehr breit aufgestellt – wir sind sowohl für das Bankengeschäft und die ganze Aufbereitung der Finanzdaten zuständig, aber gleichzeitig sind wir intern ein Dienstleister, der die Gruppengesellschaften weltweit berät und unterstützt – gerade in Fragen des Zahlungsverkehrs, des Risikomanagements und im Netting. Vieles wird nur möglich durch unser starkes Teamplay, gerade auch mit den lokalen Einheiten im dezentralen Konzern.

Andreas Schwarz | Director Group Treasury, Logwin