About NORDEX:
NORDEX gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Onshore-Windenergieanlagen und hat sein Kerngeschäft in der Fertigung, Errichtung und Wartung von Windkraftanlagen. 1985 gegründet, ist das Unternehmen weltweit expandiert und agiert als Global Player heute mit über 50 Niederlassungen auf sechs Kontinenten – von Uruguay bis China. Der Konzern ist am TecDax notiert und weltweit auf Wachstumskurs: Im April 2016 übernahm das Unternehmen die Windenergiesparte des spanischen Konzerns Acciona. Nach der Fusion zählt der Konzern über 4.800 Mitarbeiter und verzeichnete 2015 einen Pro-forma-Umsatz von EUR 3,4 Mrd.

Treasury Profile

ADaily Cash Management

BCash Pooling

CPayment Processing

DPayment on Behalf of

ECollection on Behalf of

FSWIFT

GeBAM

HLiquidity Planning

IContract Management for Interest, Currencies

JManagement of Commodities

KTrade Finance Contracts

LCapital Markets

MRegulatory Requirements

NGeneral Risk Management

OTreasury Accounting

PStandard / Individualized Reporting

QNetting & Reconciliation

RInsurance

SMergers & Acquisitions

TInvestor Relations

 

Hamburg, bewölkt, gelegentliche kleine Regenschauer, Wind – je nach Perspektive ein richtig tolles Wetter. Auf jeden Fall für NORDEX, das die Witterungsverhältnisse und insbesondere den Wind aus einem ganz eigenen Blickwinkel betrachtet. Aus den Medien, aus der Nachbarschaft oder von dem Schwertransport auf der Autobahn sind die überdimensionalen Rotorblätter und Kanzeln in luftiger Höhe durchaus in der Öffentlichkeit bekannt. Der Windturbinenhersteller NORDEX projektiert Windparks und fertigt die Turbinen dafür an. Der Turm dagegen wird meist in der Region oder dem Land der Errichtung gegossen oder geschweißt, damit er nicht über weite Distanzen oder sogar Kontinente hinweg transportiert werden muss. Der eigentliche Fokus des Unternehmens ist jedoch das Engineering von Windturbinen sowie die damit verbundenen Services und die Beratung, denn Windparks bestellt man nicht im Katalog. Es ist vielmehr ein komplexes Projektgeschäft: Energieversorger und unter anderem auch Finanzinvestoren interessieren sich für ganze Windparks und lassen diese von NORDEX „schlüsselfertig“ entwerfen, anbieten und bauen. In Deutschland umfasst ein Windpark meist fünf oder zehn Windräder, in abgelegenen Gebieten, in denen die Geräuschentwicklung oder die Lichtverhältnisse keine relevante Rolle spielen, können es auch gerne einmal hundert solcher Windräder sein. Sowohl die Vielfalt der Regionen, in denen solche Parks entstehen, als auch das stark projektgetriebene Geschäft prägen das Unternehmen und die Arbeit im Treasury.

Auf Windfang – überall auf der Welt

Während die Windräder durchaus ein „Grundrauschen“ verursachen, gilt dies nicht für die Liquidität aus dem Geschäft von NORDEX. Regelmäßige Geldeingänge sind aufgrund des Projektgeschäfts eher die Ausnahme – oft sind über zwei oder drei Wochen nur geringe Einzahlungen zu verzeichnen. Kurz darauf geht dann wieder ein hoher Millionenbetrag ein; meist handelt es sich dabei um die Abschlagszahlungen aus den Projekten, die in allen Ecken der Erde entstehen. Regional betrachtet ist Europa für NORDEX als traditioneller Kernmarkt nach wie vor sehr wichtig. Nachdem NORDEX über die Akquisition von Acciona Windpower jüngst um weitere ca. 30% gewachsen ist, wurde das Länderspektrum noch einmal deutlich erweitert. Manche dieser Länder, in denen nun Geschäfte hinzukamen, z.B. Chile, Mexiko oder Brasilien, lassen sich nicht im Handumdrehen in ein Treasury integrieren, sondern stellen spezielle Herausforderungen für die Abteilung um den Treasurer Michael Mattig dar.

Historisch betrachtet hat das NORDEX Treasury Team große Erfahrung, was die Internationalität angeht. Projekte in Südafrika oder Pakistan waren beispielsweise wichtige und nicht ganz einfach erreichbare Meilensteine. Durch die jüngste Akquisition, dem Merger mit Acciona Windpower, rücken die Themen Finanzierung und Cash Management in Emerging Markets nun besonders in den Fokus. Während sich viele Unternehmen Cash Pools in verschiedenen Währungen zulegen, beschränkt sich NORDEX im Wesentlichen auf EUR und Europa. Zu viele devisenrechtliche und zahlungsverkehrstechnische Beschränkungen in zahllosen Ländern des Portfolios machen ein grenzüberschreitendes Cash Pooling unmöglich. Denn wenn für jeden Auslandsauftrag aus rechtlicher Sicht ein Stück Papier und ein Stempel benötigt wird, hilft auch die beste digitale Technologie nicht viel.

"Die Akquisition war ein großer Schritt für die gesamte Organisation von NORDEX. In der Vergangenheit sind wir eigentlich immer organisch gewachsen, und nun haben wir mit der Übernahme dann eine ganze Menge Post-Merger-Integration zu tun. In der kombinierten Gruppe kommen etwa 2/3 des Geschäfts von NORDEX, 1/3 von Acciona – aus Treasury-Perspektive also sehr viele Aktivitäten, die wir integrieren müssen. Acciona umfasste 70 Gesellschaften, fünf Branchen und das in Ländern, die teilweise höchst komplex sind, wie die Emerging Markets in Südamerika."

 

Mit der 80-zu-20-Regel zur Effizienz

Im Treasury bei NORDEX mag man die 80-zu-20-Regel: 80% der Ergebnisse werden mit absehbarem Gesamtaufwand erreicht – die verbleibenden 20% erfordern dann die meiste Arbeit und werden anschließend angegangen. Zuerst müssen alle einfachen Fragestellungen erledigt werden, bevor man sich auf die komplexen Themen konzentriert, wie beispielsweise die Abwicklung des Zahlungsverkehrs in Südamerika. Unter dieser Maßgabe hat auch die Bankenstrategie entsprechende Anpassungen erfahren. Dabei war zu berücksichtigen, dass ohne Banken und ohne funktionierenden Finanzmarkt die Finanzierung von Windparks und damit eines der wichtigsten „Schmierstoffe“ für das Kerngeschäft von NORDEX gefährdet wäre.

Ein Kernthema sind für NORDEX die unregelmäßigen, dafür sehr großen Einzahlungen, die das Cash Management bewegen und Anforderungen an ganz anderer Stelle bergen: Während Intraday-Auszüge oder auch sogenannte MT942er, d.h. Auszüge über Transaktionen, die im Laufe des Tages bei der Bank gebucht werden, für die Mehrzahl von Unternehmen nachrangig sind, sind genau diese für NORDEX essenziell. Darin ersichtlich werden die Großbetragszahlungen, die wiederum als Trigger für zahlreiche Folgeprozesse fungieren. Viele Ingenieure haben fieberhaft darauf gewartet. Der Zahlungseingang wirkt wie der Startschuss beim Mittelstreckenrennen: Die Fertigung wird angestoßen, der Einkauf von Teilen finalisiert, und das Projekt aufgesetzt und gestartet.

"Es ist für uns zeitkritisch, diese Informationen zu bekommen – sobald eine Zahlung eingeht, müssen wir das in Echtzeit wissen, damit das Projekt weitergehen kann. Über unsere SWIFT-Anbindung sammeln wir diese Informationen direkt als MT940er im System, und das ist auch ganz wichtig für die ganze Prozesskette."

Management von Liquidität und Devisen – Unplanbares planbar machen

Eine Projektlaufzeit von 18 Monaten liegt durchaus im Mittel, und in dieser Zeit gilt es, die Einzahlungen vorausschauend zu planen. Neben dem kurzfristigen Cash Management nimmt die Liquiditätsplanung eine wichtige Rolle ein. Während Auszahlungen meist noch relativ gut abschätzbar und planbar sind – denn es gibt auch im Projektgeschäft immer einige Basisausgaben – erfolgen Einzahlungen in Abhängigkeit vom Fortschritt beim Bau bzw. bei der Fertigstellung. Und genau dieser Fortschritt lässt sich nie ganz genau abschätzen. Ist der Wind im Betrieb vorteilhaft, kann er bei der Errichtung von Mühlen jedoch zu einem Problem werden, den Bau verzögern und damit die erwarteten Einzahlungen nach hinten verschieben – eine besondere Herausforderung für die Liquiditätsplanung, da ganz tiefe Einblicke in das Projektgeschäft nötig sind.

Das CPM von NORDEX, das Commercial Project Management, ist daher angehalten, die Liquiditätsplanung direkt mit ihrem Wissen zu befüttern und bei einer Veränderung der Erwartungen entsprechend auf den neuesten Stand zu bringen. Der damit verbundene wöchentliche Blick auf die Entwicklung der Gruppenliquidität hilft dem Treasury, über die Laufzeiten bei der Anlage überschüssiger Mittel zu entscheiden. Eine Angelegenheit, die nun durch Negativzinsen am Markt noch eine zusätzliche Dimension für das Treasury von NORDEX bekommen hat.

Eine generelle Projektion in die Zukunft auf Basis von Vergangenheitsdaten ist für NORDEX unmöglich. Daher lässt sich auch keine valide Prognose des Devisen-Exposures und damit des potenziellen Handelsvolumens von USD oder anderen Währungen ableiten. NORDEX ist von Hause aus ein Exportunternehmen mit Fertigungen in Deutschland und Spanien. Entsprechende FX-Sicherungen über große Beträge zu festen Terminen können nur dann durchgeführt werden, wenn der Auftrag in Fremdwährung – in der Regel USD – auch wirklich erteilt wird. Ergibt es sich, dass er doch in EUR abzurechnen ist, so entfällt die Anforderung, das Devisenrisiko zu sichern. Das Sicherungsvolumen ist langfristig wenig abschätzbar. Außerdem werden in wesentlichen Märkten, zu denen neben Europa eben auch Pakistan, Südafrika, Brasilien, Uruguay, Chile, Mexiko oder Nordamerika gehören, Geschäfte gemäß des Projektsourcing währungsrisikoneutral abgewickelt.

Die USA ist da eine Ausnahme, hier lassen sich Vereinbarungen über EUR nur mit Mühe durchsetzen. Meist bleibt es bei Aufträgen, die in USD denominiert sind. Ziel von NORDEX ist es, in jedem Fall in lokaler Währung zu fakturieren, was auch lokal eingekauft wird. Das können beispielsweise der Bau der Zufahrtsstraße zum Windpark, die Fundamente für die Windturbinen, die Türme, die Errichtungsleistungen oder auch der Anschluss zur Stromeinspeisung sein. Devisenmanagement ist für das Treasury Team von NORDEX daher zwar nicht unwichtig, macht aber überraschenderweise nur einen geringeren Teil der täglichen Arbeit aus.

Treasury im Kontext von Globalisierung und Standardisierung

Besonders geprägt wird die Arbeit des Treasury Teams von der dezentralen Struktur des Konzerns mit einem zentralisierten Management. Mit 60 Gesellschaften in ca. 30 Ländern ist das Treasury immer wieder damit beschäftigt, Liquidität bereitzustellen, bei der Gründung neuer Gesellschaften zu helfen und dabei die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht zu vernachlässigen. Die Länder und die dort verfügbare Liquidität klassifiziert NORDEX im Finanzstatus als „highly trapped“, „moderately trapped“ und „available“, je nachdem, wie leicht Mittel zu transferieren sind. Denn selbst wenn überschüssige Liquidität vor Ort vorhanden ist, kann sie nicht zwangsläufig übertragen und zur Rückführung von Verbindlichkeiten verwendet werden, die nicht zuletzt durch die Akquisition von Acciona Windpower entstanden sind. Auch an einen weiteren Effekt des breiten Länderspektrums hat sich das Management gewöhnen müssen: Der Gruppenfinanzstatus für den Vortag liegt angesichts der fortschreitenden Expansion inzwischen nicht mehr um 10:00 Uhr morgens vor, sondern erst um 15:00 Uhr, wenn die letzten Kontoauszüge aus Mexiko und Uruguay eingegangen sind.

Trotz der Vielfalt der lokalen Bedürfnisse und Besonderheiten der Ländergesellschaften, setzt NORDEX darauf, das zu zentralisieren, was zentralisiert werden kann: Viel Energie ist in die Ablösung der bisher erforderlichen, multiplen Electronic Banking Systeme geflossen. Mit dem Einsatz von EBICS und SWIFT zum Austausch von Kontoauszügen für über 95% aller Konten und zur weitreichenden Harmonisierung in der Abwicklung der Zahlungsverkehrsaufträge hat es das Treasury bereits geschafft, Länder wie China oder Pakistan über die gruppenweit einheitliche Treasury-Plattform einzubinden und seine Operationen auf fünf Kernbanken zu konzentrieren. Vom „Token DJ“ hin zum effizienten Manager des Zahlungsverkehrs, so beschreibt Treasurer Mattig die Entwicklung.

Dabei erfolgt die Erfassung vor Ort entweder über die automatisierte Verarbeitung der Zahlungsverkehrs-dateien oder in Ausnahmen durch manuelle Erfassung und einen entsprechenden Upload. Auch wenn die Zentrale Dokumentationen aus China nicht entziffern kann, behält sie sich dennoch in allen Fällen die endgültige Freigabe der Zahlungen und die anschließende elektronische Übertragung der Aufträge an die jeweilige Bank vor. Dies gilt auch dann, wenn der Auftrag in Form eines MT101 in Pakistan erstellt und eingelesen, in Deutschland unterschrieben, auf einen Server der Bank in Deutschland übertragen, innerhalb der Bank nach Karachi zurückgeleitet und dort auf einem Scheck ausgedruckt wird, der dann durch die Mitarbeiter von NORDEX vor Ort bei der Bank abgeholt und mit der Post versendet wird. Die Kombination von IT und Globalisierung treibt hier ganz besondere Blüten, der Prozess ist jedoch immer noch sicherer und effizienter, als es eine blinde Ausführung seitens der Tochtergesellschaften und damit eine undurchsichtige Verwaltung des Zahlungsverkehrs vor Ort wäre.

"Als kombiniertes Group Treasury Mangement können wir erst den Finanzstatus-Report liefern, wenn auch alle Informationen da sind. Aufgrund der Zeitverschiebung ist das nun erst am Nachmittag. Zu unserem CFO mussten wir daher sagen: Der Bericht kommt erst später – schließlich haben Sie Gesellschaften in diesen Regionen und Zeitzonen aufgekauft."

Systemgestützte Kollaboration aller lokalen Einheiten

Das Treasury von NORDEX setzt sich aus einem sehr erfahrenen Team zusammen, das viele Seiten im Finanzmanagement in seiner Karriere bei NORDEX kennengelernt hat. Erfahrungen aus der Finanzmarktkrise und die Beobachtung des zu schnellen Wachstums des einen oder anderen Unternehmens in der Branche haben das Team geprägt. Der Einsatz einer Technologie, die bei der Steuerung hilft, und die Entwicklung hin zu einer kontinuierlichen Reduzierung der Spreadsheets, ist eine Selbstverständlichkeit. Die Schaffung von Transparenz und die systemische Unterstützung der Zentralisierung wurden bereits 2008 als Grundpfeiler des Treasury mit Bedacht und auf Basis vieler Erfahrungen gesetzt. Wenn auch SAP einen wichtigen Block in der IT Landschaft einnimmt, so hat das Treasury Management System eine eigene Ebene über alle Gesellschaften hinweg eingezogen, die dafür sorgt, dass flexibel und schnell alle Daten vor Ort erfasst und sowohl dezentral als auch zentral genutzt werden können. Systemgestützte Arbeitsteilung zwischen der Zentrale und den dezentralen Einheiten ist für NORDEX der Schlüssel für die Zusammenarbeit. „Zentralisiert“ und „koordiniert“ sind die Schlagworte des „Kassenwarts“, wie sich der Treasurer selbst definiert, und diese Struktur bildet den Pfeiler dafür, dass auch, oder gerade bei windigen Verhältnissen NORDEX so erfolgreich arbeitet.

 

Auf unseren Konten gehen tendenziell eher wenige, aber dafür sehr hohe Zahlungen ein - aufgrund des Projektgeschäfts. Das fordert uns in der Liquiditätsplanung, denn alles wird vom Projektfortschritt getrieben. Wann wir eine Rechnung stellen und in Konsequenz, wann wir dann auch die Zahlung erhalten,hängt vom Projektstatus ab. Deshalb müssen diese Informationen für die Liquiditätsplanung von den Projektverantwortlichen kommen. Es ist schon ironisch: Eigentlich ist Wind gut für unser Geschäft - kommt er aber zu früh, dann verzögern sich Projekte und Installationen - dann wirkt er sich plötzlich negativ auf unser Cash aus (lacht).

Michael Mattig | Group Lead Treasury, Transaction & Inhouse Banking, NORDEX