Heutzutage arbeiten die meisten Unternehmen, die auf nationaler Ebene breiter aufgestellt oder auch international unterwegs sind, mit einer Reihe an Banken zusammen, um ihren Finanzierungsbedarf vollständig zu decken. Dieser Trend zu mehr Banken hat verschiedene Gründe, insbesondere die Globalisierung von Unternehmen, die gleichzeitige Regionalisierung von Banken und vor allem die Risikostreuung durch die Verteilung auf verschiedene Banken. Für das Treasury ergibt sich daraus die Herausforderung, all diese Beziehungen zu pflegen und guten Service, faire Preise und ausreichende Kontrolle über alle Bankgeschäfte sicherzustellen. Treasury-Abteilungen sind stets bemüht, Einsicht in all diese Faktoren zu erlangen und sich in diesem Zusammenhang regelmäßig mit ihren Kernbanken auszutauschen.

Dabei sind die Gebühren, die beim Cash Management anfallen, vielen Treasurern ein Dorn im Auge. Es handelt sich zwar „nur“ um 20% der Gesamtausgaben, die an Banken abfließen, gleichzeitig aber frisst dieser Bereich typischerweise 80% der Arbeitszeit von Treasurern, da sie den Überblick über so viele verschiedene Cash-Management-Gebühren behalten müssen und die Rechnungsformate ebenso zahlreich wie schwer zu verstehen sind. In den letzten Jahren war deutlich ein Streben nach einer Standardisierung des Formates von Cash-Management-Abrechnungen zu beobachten –  konkret im Rahmen der TWIST-Initiative, die vor fast 15 Jahren von einigen größeren Unternehmen in Deutschland (u.a. Lufthansa und Siemens) sowie einigen der größeren Banken ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile konnte ein ISO-zertifiziertes Format etabliert werden, CAMT.086, und dieses wird auch zumindest in gewisser Weise und in einigen Regionen von 15 Banken unterstützt.

Probieren geht bekanntlich über Studieren, und als Experte für den Bereich Bank Relationship Management kann ich nur bestätigen, dass TWIST zwar einen Fortschritt bedeutet, allerdings längst noch nicht als das Format für das gesamte Bankgebühren-Management in Frage kommt. Die größte Hürde, der sich Treasury-Abteilungen im Bankgebühren-Management gegenübersehen, ist die schiere Menge an abrechenbaren Positionen und die Tatsache, dass die in Rechnung gestellten Elemente oft nicht mehr mit der ursprünglich unterschriebenen Preisvereinbarung in Einklang gebracht werden können. Tatsächlich ist es so, dass sich Banken zwar bemühen, ihre Gebührenarten möglichst benutzerfreundlich zu umschreiben, aber nach wie vor mit der Problematik kämpfen, dass Abrechnungssysteme backoffice-seitig schwer umzustellen sind. Ich habe oft das Gefühl, einen extra „Bankgebühren-Übersetzer“ zu benötigen. So gibt es z.B. allein in den USA bereits 2.000 verschiedene Abrechnungsposten (AFP Codes), die sich von Bank zu Bank unterscheiden. Trotz alledem lohnt es sich enorm, sich regelmäßig um seine Bankgebühren zu kümmern. Im Schnitt gehen bei einem Unternehmen bis zu 15% oder mehr des Umsatzes für Bankgebühren drauf. Ein Unternehmen mit einem Umsatz von € 1 Mrd. zahlt so beispielsweise bis zu €1,5 Millionen für Bankgebühren. Durch eine Automatisierung der Gebühren und eine genaue Kontrolle könnten Unternehmen im Handumdrehen 10-15% sparen. Solche Zahlen zeigen, wie attraktiv und lukrativ proaktives Bankgebühren-Management wirklich ist.

Man sollte allerdings nicht davon ausgehen, dass Banken mit Absicht Fehler in ihre Abrechnungen einbauen. Bei den meisten Fehlern handelt es sich um menschliches Versagen, sowohl auf Seiten der Bank als auch auf Seiten des Unternehmens, Missverständnisse in Bezug auf abgerechnete Posten, uneinheitliche Preise aufgrund alter Vereinbarungen usw. Die Banken bemühen sich nach bestem Wissen und Gewissen, aber es ist für sie nicht einfach und sehr teuer, ihre Abrechnungssysteme umzustellen und dem erhöhten Bedürfnis nach Transparenz und internationalem Handel vollständig nachzukommen. Außerdem gehören bekanntlich immer zwei dazu: Auch die Treasury-Abteilungen sind in der Pflicht, ihre Cash-Management-Gebühren im Auge zu behalten und faire Preise auszuhandeln. Meine Empfehlung ist ganz klar, bei einer Gebührenautomatisierung immer auch Vorsicht walten zu lassen. Wo immer dies problemlos möglich ist, sollte vollständig automatisiert werden (TWIST). An den Stellen, an denen nach wie vor mit Excel und Text-Dokumenten gearbeitet wird, sollte so weit wie möglich automatisiert werden. In jedem Fall sollten Unternehmen beim Thema Bankgebühren-Management flexibel bleiben. Denn eines ist sicher: Viele Veränderungen stehen uns noch bevor. Dennoch sollten Sie ein Projekt zur Optimierung von Bankgebühren nicht hinauszögern. Die Vorteile sind einfach zu groß, sowohl was Einsparnisse angeht, als auch im Hinblick auf verbesserte und transparentere Beziehungen zu den Banken mit einer optimierten Informationsgrundlage.

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