Gebr. Heinemann

Ein Familienunternehmen auf globaler Reise

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„Besonders stolz sind wir darauf, dass wir sämtliche internationalen Finanzthemen mit einem überschaubaren Team von vier Personen bewältigen können. Mit der richtigen Technologie schaffen wir das im Alltag sehr effizient.“
Sebastian Marks | Team Leader Treasury & Cash, Gebr. Heinemann
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Über Gebr. Heinemann:

Die Passion für den Handel liegt ihnen im Blut: Was die Brüder Carl und Heinrich Heinemann 1879 als kleines Familienunternehmen begannen, entwickelte sich über vier Generationen zu einem der heute bedeutendsten Distributeure und Retailer auf dem weltweiten Reisemarkt. Gebr. Heinemann ist das einzige Familienunternehmen unter den Global Playern der Duty Free Branche und auf allen fünf Kontinenten vertreten. Inzwischen arbeiten rund 6.000 Mitarbeiter bei dem Unternehmen, deren Wohl den Inhabern persönlich am Herzen liegt. Der Sitz der Firmenzentrale befindet sich in der Hamburger Hafencity. Im Einzelhandel ist Gebr. Heinemann mit mehr als 300 Heinemann Duty Free & Travel Value Shops, in Lizenz geführten Markenboutiquen und Concept Shops an insgesamt 78 Flughäfen in 28 Ländern tätig. Des Weiteren betreibt das Unternehmen Geschäfte an Grenzübergängen und 20 Shops auf zehn Kreuzfahrtschiffen. Mehr als 1.000 Kunden in über 100 Ländern weltweit nutzen die Distributions- und Beratungskompetenz bei ihrer Zusammenstellung von Markenartikel-Sortimenten, die auf ihre marktspezifischen und regionalen Besonderheiten zugeschnitten sind: Flughäfen, Airlines, Fähren, Kreuzfahrt-schiffe, Border- und Downtownshops, zollfreie Zonen, das Militär, Schiffs-ausrüster, diplomatische Vertretungen und Crew Shops.

Martin Bellin über Gebr. Heinemann: Ein Unternehmen, das hanseatische Tradition, Kontinuität und Dynamik lebt und erleben lässt

Mein präferierter Flughafen ist Hamburg. So habe ich es in den Grundeinstellungen meiner Heinemann Shopping App auf meinem Telefon angegeben und tatsächlich verpasse ich es nie, einen der „Shoppingtempel“ des global agierenden Händlers auf dem Flughafen zu besuchen. Es sind nicht nur die Kosmetika oder die Spirituosen, sondern auch die von Heinemann in Lizenz geführten Markenboutiquen, wie der von MontBlanc oder Hermès, die mich immer wieder begeistern und mir ein willkommener Zeitvertreib in der Wartezeit bis zum Abflug sind. Nach einem langen Tag bei und mit Kunden habe ich nicht immer die Motivation, den Laptop gleich wieder aufzuschlagen und die Arbeit fortzusetzen. Heute war ein solcher Tag: Gebr. Heinemann beschäftigte mich gleich zwei Mal. Am Morgen konnte ich ein langes Gespräch mit Sebastian Marks von und über das Unternehmen und seine Besonderheiten im Treasury führen. Heute Abend beim Rückflug besuchte ich die Shops am Flughafen, ließ das Angebot auf mich wirken und das Interview Revue passieren. Der Besuch beim Unternehmen Gebr. Heinemann ist eine besondere Erfahrung, die man selbst erlebt haben muss. Zum Interview wurden wir in den „heiligen Hallen“ des Vorstands empfangen. Der „Heinrich Heinemann“-Raum, in dem sonst die Führung des Unternehmens tagt und entscheidet, repräsentiert mit den dort ausgestellten erlesenen Tropfen – immerhin einem exklusiven Weinbrand aus dem Jahre 1952 – und dem mir leider unbekannten, aber gut gehüteten Rauchwerk ein Stück der Unternehmensgeschichte, kombiniert mit der Modernität eines Hamburger Familienbetriebs. Hanseatische Tradition, Kontinuität und die gleichzeitige Dynamik eines unglaublich internationalen Konzerns kennzeichnen nicht nur das Treasury, sondern sind am Hamburger Konzernsitz überall zu spüren.

Das internationale Geschäft nicht nur zu begleiten, sondern aktiv zu unterstützen, das hat sich Sebastian Marks auf die Fahnen geschrieben, der nunmehr seit über vier Jahren verantwortlich für Treasury und Cash Management von Gebr. Heinemann ist. Es sind einerseits viele Fragen rund um das Tagesgeschäft, in denen die Gruppengesellschaften unterstützt werden wollen, andererseits immer wieder neu aufkommende Themen, denn das Unternehmen hat sich erfolgreich zu einem der bedeutendsten Travel Retailer weltweit entwickelt und setzt auf weitere globale Expansion. Der kontinuierlich wachsende Reisemarkt unterstützt den Aufstieg und die Erschließung neuer Märkte: So muss man als Fluggast schon heute weder in der Türkei noch in Australien auf Heinemann verzichten. Es sind jedoch nicht nur die bekannten Heinemann Duty Free und Travel Value Shops in 78 Flughäfen, die das Geschäft von Heinemann bestimmen, sondern als Distributeur versorgt das Unternehmen außerdem Botschaften, Militär, diplomatische Vertretungen ebenso wie Kreuzfahrtschiffe mit Waren.

Das Treasury von Gebr. Heinemann ist im Finanzbereich angesiedelt und berichtet an die Bereichsleitung sowie direkt an die Geschäftsführung. Das ist der im Hause Heinemann gelebten flachen Hierarchie geschuldet und führt dazu, dass viele Ideen wohlüberlegt, aber auch schnell realisierbar sind – ganz in Hamburger Manier. Heinemann ist nach wie vor ein familiengeführtes und langfristig ausgerichtetes Unternehmen, dem Sicherheit und fundierte Entscheidungen, gerade im Finanzbereich, am Herzen liegen. Natürlich gibt es auch kurz-fristige Maßnahmen, die aber erst nach hinreichender Analyse etwaiger langfristiger Auswirkungen dann konsequent und mit voller Überzeugung umgesetzt werden.

Effizientes Working-Capital-Management und Optimierung der Geldlogistik

Ein bedeutendes Projekt in der vergangenen Zeit war es, das Working Capital des Unternehmens weiter zu optimieren. Das Unternehmen stellte Zahlungsziele bei einer Vielzahl von Lieferanten auf den Prüfstand und harmonisierte die Abwicklung des Zahlungsausgleichs, um zusätzliche Liquidität freizusetzen. Weiterhin wird daran gearbeitet, längerfristig die Bargeldentsorgung – nicht die sonst eher problematische Versorgung – weltweit neu zu organisieren.

War es in der Vergangenheit üblich, direkt mit der Bank am Flughafen zu arbeiten, so ist das Unternehmen heute bestrebt, mit Geldentsorgungsunternehmen zusammenzuarbeiten. In den vielen und so verschiedenen Ländern, in denen Gebr. Heinemann tätig ist, stellt es eine echte Herausforderung dar, eine solche Dienstleistung zu organisieren, da es weltweit keinen Anbieter für Geldlogistik für alle relevanten Standorte gibt. Daher müssen mehrere Services eingesetzt werden – der stetige Trend zur bargeldlosen Zahlung kommt Heinemann dabei entgegen.

 

Geradliniges Währungs- und Zinsmanagement

Das Management von Währungs- und Zinsrisiken hat Gebr. Heinemanns Treasury klar strukturiert und möglichst geradlinig aufgebaut. Die Währungssicherung wird nach einer vom Treasury entwickelten und von der Geschäftsleitung verab-schiedeten Strategie durchgeführt und vierteljährlich revolvierend, äußerst standardisiert auf Basis von FX-Optionen umgesetzt. Das Zinsmanagement ist gerade unter den Rahmenbedingungen von negativen Zinsen eine Herausforderung und zeigt auch bei Gebr. Heinemann, welche kuriosen Situationen aktuell auf den Finanzmärkten entstehen können.

 

Kuriosität der negativen Zinsen

Das Unternehmen hat beispielsweise einen Zinsswap abgeschlossen, bei dem variable Zinsen in fixe Zinsen gewandelt werden. Die Finanzierung von den laufenden Betriebsmittellinien erfolgt traditionsgemäß auf Basis variabler Zinsen, denen das Unternehmen zur Sicherung des niedrigen Zinsniveaus den Zinsswap gegenüberstellt. Unter normalen Bedingungen decken sich die aus dem Zinsswap empfangenen variablen Zinsen mit den zu zahlenden variablen Zinsen aus der Betriebsmittellinie, und die fixen Zinsen aus dem Zinsswap stellen die Absicherung für die Laufzeit des Zinsderivates dar. Nun verändert sich bei einigen Banken (die nicht bereit sind, negative Zinsen an Kunden weiterzugeben) das Zinsrisiko wie folgt: Auf der Betriebsmittellinie muss der Kunde weiterhin den variablen Zins (mindestens 0,0%) + Marge zahlen, zusätzlich aus dem Zinswap die variablen Zinsen (durch den negativen Zinssatz) und letztendlich auch die festen Zinsen.

Prozessgestütztes Treasury statt Spreadsheets

Das vierköpfige Team rund um Sebastian Marks hat sich zum Ziel gesetzt, im Treasury immer wieder neues Terrain anzusteuern. Auch wenn sich das Unternehmen auf einem wirklich gut funktionierenden Cash Management hätte ausruhen können, wurde das nächste Ziel ins Auge gefasst und nun konsequent umgesetzt: die Digitalisierung von weiteren Prozessen und die Umsetzung in einem gesamthaften System. Aufgrund seiner Größe kann ein Unternehmen wie Gebr. Heinemann nicht mehr auf Spreadsheets setzen, sondern möchte verstärkt systemgestützte Methoden zur effizienten Finanzsteuerung etablieren. Ein Schritt nach dem nächsten unternimmt das Treasury Team hin zu einem intelligenten und weltweit integrierten Treasury.

Die bisherige Tabellenwirtschaft wird global in ein einziges System konsolidiert, auch wenn dies bedeutet, dass das bisher funktionierende Cash Management umgestellt und neu modelliert wird. Verträge aller Art, insbesondere solche für die vielen Garantien, die Gebr. Heinemann für die großflächigen Duty Free Konzessionen bereits in den Tenderverfahren (Bietungsprozess um eine Konzession am Airport) benötigt, sollen ebenso in dem System abgebildet werden wie Devisengeschäfte, Kreditlinien, Darlehen mit Banken und Gesellschaften und zuletzt auch der globale Zahlungsverkehr.

Globaler Rollout Schritt für Schritt

Sebastian Marks und sein Team sind überzeugt von der Zukunftsvision, nur noch ein einziges Zahlungsverkehrstool zur Erfassung, Verarbeitung, Freigabe und zum Versand von Zahlungen für alle Gesellschaften in der ganzen Gruppe einzusetzen. Trotz aller Innovationsfreude bleibt Vorsicht die Mutter der Porzellankiste bei Heinemann: So wird langsam, aber kontinuierlich mit der Umsetzung des Gesamtkonzepts in Deutschland begonnen. Wie es weitergeht, wird anschließend entschieden.

Österreich und Polen bieten sich als nächste Regionen an. Zwar ist ein grundsätzliches Zeitfenster für das Projekt anvisiert: Binnen 24 Monaten soll die Vision Realität werden und möglicherweise auch noch die eine oder andere Funktion, wie die Liquiditätsplanung, integriert sein. In welcher Weise die Umsetzung dann erfolgen wird, wird sorgfältig geplant, aufgebaut auf die Erfahrung im laufenden Projekt.

 

Gereifte Strategie für ein stabiles Treasury

Der gereifte Cognac spricht eine deutliche Sprache und vermittelt Kontinuität, hanseatisches Understatement und konsequente Umsetzung von Strategien. Genau diese Sprache spricht auch das Treasury des Unternehmens Gebr. Heinemann, das mit nur vier Personen weltweit die Prozesse steuert und mit der gern geleisteten Unterstützung der Einheiten vor Ort professionelles und globales Treasury lebt. So stabil aufgestellt wird das Treasury auch künftig so schnell nichts erschüttern, Hauptsache es bricht nicht wieder ein Vulkan aus, wie 2010 der Eyjafjallajökull, und hält die Passagiere am Boden und damit fern von den Shops im Flughafen!

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