Sartorius

Schnellboot in fließende Gewässern

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„Wir stellen sicher, dass all unsere weltweiten Einheiten im TMS integriert sind, und wir sorgen dafür, dass genügend Finanzmittel dort vorhanden sind, wo sie gebraucht werden – in jeder Währung. Aktuell führen wir eine neue Cash Management Struktur in Asien ein – der Cash Pool in China ist schon aufgesetzt, so dass auch dort die Finanzierung des Geschäfts sichergestellt ist. Unsere Rolle im Konzern wird nicht zuletzt durch solche Projekte immer globaler. Vor einigen Jahren wusste kaum jemand, dass es ein Treasury gibt, geschweige denn, was wir tun. Das hat sich inzwischen ganz merklich geändert – und das bestätigt uns in unserer Arbeit.“
Christian Schnurbusch | Director Group Treasury, Sartorius AG
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Über Sartorius:

Der Sartorius Konzern ist ein international führender Pharma- und Laborzulieferer. Sein Geschäft basiert auf zwei Säulen: Bioprocess Solutions steht für etwa drei Viertel des Umsatzes und trägt als Biopharmalieferant dazu bei, dass biopharmazeutische Medikamente und Impfstoffe sicher und effizient hergestellt werden. Die zweite Säule ist der Bereich Lab Product & Services, der mit Premiumprodukten und Services, wie Laborwaagen, Pipetten oder Instrumenten für die Bioanalytik Forschungs- und Qualitätssicherungslabore vor allem aus der Pharmabranche und akademischen Forschungseinrichtungen bedient. Sartorius blickt auf eine lange Geschichte zurück: Bald 150 Jahre alt, ist das Unternehmen insbesondere im letzten Jahrzehnt dynamisch gewachsen und heute als weltweit agierender Konzern im TecDax notiert. Im Geschäftsjahr 2016 beschäftigte es fast 7.000 Menschen weltweit und erzielte einen Umsatz von etwa EUR 1,3 Mrd.

Will man Sartorius mit einem Bild beschreiben, dann würde ein Schnellboot sicherlich gut passen: Mit zweistelligen Wachstumsraten hat der Konzern 2015 die Umsatzgrenze von EUR 1 Mrd. überschritten und sich für 2020 ein Umsatzziel von EUR 2 Mrd. vorgenommen. Die Expansion kennt auch global keine Schranken: Produktion und Vertrieb finden weltweit statt und sind nicht nur auf die Zentrale in Göttingen oder andere wichtige europäische Standorte wie Frankreich und Großbritannien limitiert. In Ländern wie China oder Indien hat Sartorius ebenfalls Kapazitäten aufgebaut, um den Bedarf in Asien direkt bedienen zu können. Gleiches gilt für die westliche Hemisphäre. Für den in der pharmazeutischen Industrie größten nordamerikanischen Markt produziert Sartorius beispielsweise in Puerto Rico und schafft es auch so, seinen nach Europa zweitgrößten Absatzmarkt effizient zu versorgen.

 

Komfortable Liquiditätsgrundlage für weitere Zukäufe

Neben dem organischen Wachstum spielen für Sartorius auch Akquisitionen regelmäßig eine wichtige Rolle. Diese erfordern eine solide Integration in die Abläufe des Unternehmens und auch in das global agierende Treasury. Die Geschwindigkeit des Wachstums und die Anforderungen an Akquisitionsfinanzierungen erfordern Transparenz im Liquiditätsmanagement und sind nur realisierbar, wenn der Konzern jederzeit über ausreichende Zahlungsreserven verfügt und die sich bietenden Chancen kurzfristig nutzen kann. Schaut man etwas genauer hin, ist die derzeit komfortable Liquiditätsgrundlage kein Zufall, sondern das Resultat vieler Faktoren und der Erfolg einer langfristigen und im Umgang mit Banken durchdachten Strategie. Denn auch wenn die Liquidität im Unternehmen nicht kritisch ist, so ist der effiziente Einsatz der vorhandenen finanziellen Ressourcen im Konzern eine wesentliche Aufgabe im Finanzmanagement.

 

Rasantes Wachstum erfordert nachhaltige Integration

In einem dynamisch gewachsenen und global aufgestellten Konzern wie Sartorius mit 90 Gesellschaften in über 110 Ländern ist die Arbeit auf Basis Excel-basierter Lösungen keine valide und angemessene Option mehr für das Treasury. Ohne systemische Unterstützung könnte das Treasury Team von Sartorius den Anforderungen an Prozesse und Reporting kaum nach-kommen – daher werden auch direkt nach der Akquisition die Gesellschaften und Einheiten so schnell wie möglich in die zentralisierte Struktur überführt, um die Prozesse zu harmonisieren.

Ausgangspunkt des Integrationsprozesses ist eine Bestandsaufnahme aller lokalen Bankkonten, Hedging- und Finanzierungsinstrumente sowie die Aufnahme von Gesprächen mit den lokalen Banken. Im Anschluss wird die Finanzierung der Gesellschaft auf konzerninterne Darlehen umgestellt und das Bankengeschäft – soweit es die lokalen Gegebenheiten zulassen – auf eine der ausgewählten globalen Kernbanken des Konzerns vereinheitlicht.

 

Mit guten Banken-beziehungen zum Erfolg

Creditor Relations stellt für das Treasury von Sartorius einen wesentlichen Aufgabenschwerpunkt dar: Durch gezieltes Bank Relationship Management werden ein regelmäßiger Austausch und Transparenz gegenüber den Banken und den dort verantwortlichen Betreuern sichergestellt. Als ein im TecDax notiertes Unternehmen unterliegt Sartorius weitreichenden Offenlegungspflichten. Auch diese helfen, Transparenz herzustellen.

 

Banken sind für Sartorius sehr wichtige Partner: Neben zwei langfristigen Schuldscheindarlehen stellen sie die Hauptfinanzierungsquelle für die nicht selten kurzfristig umzusetzenden Akquisitionsfinanzierungen dar. Ein gutes Vertrauensverhältnis zu den verantwortlichen Bankbetreuern ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, nicht zuletzt um sich deren Bereitschaft zu sichern, kurzfristig auch größere Investitionen mit ihrem Commitment zu begleiten.

 

Routine war gestern, heute kommt die Strategie!

Systemgestützt kann Sartorius mit einem kleinen Team effizient seine Treasury-Aufgaben erledigen. Längst sind Routinen, wie die tägliche Disposition der Cash Pools oder die Bewertung der Devisentermingeschäfte, nicht mehr die Schwerpunkte im Tagesablauf – sie laufen „nebenbei“ und werden morgens mit einigen wenigen Klicks durchgeführt. Dies schafft Zeit für einen Fokus auf strategische Aufgaben, z.B. auf das Vorantreiben der Standardisierung des internationalen Zahlungsverkehrs. Konzernweit wurde eine einheitliche Zahlungsverkehrsplattform mit EBICS und Host-to-Host-Anbindungen zu den Kernbanken implementiert, die sowohl das Tagesgeschäft als auch die Integration von neuen Akquisitionen deutlich erleichtert. Etwa 80% aller Konten sind integriert, so dass mit dem täglichen Bezug von elektronischen Auszügen der Grundstein für alle Entscheidungen im Cash Management gelegt ist. Auch werden Zahlungsaufträge über die Plattform abgewickelt. Die Gesellschaften erstellen dafür eine einheitliche Datei aus ihrer – meist, aber nicht immer in SAP – geführten Buchhaltung heraus, die automatisiert durch das Zahlungsverkehrssystem aufgenommen wird. Besonders einfach, da sich gerade auch kleinere Einheiten nicht um Formate kümmern müssen, denn die angelieferten Dateien werden automatisch in das von der Bank erwartete Format konvertiert. Nach der Autorisierung der Zahlung wird diese – ebenfalls nur mit wenigen Klicks im System – durch die lokale Gesellschaft direkt an die Bank übertragen. Die Zentrale ist in der Position, die Prozesse jederzeit zu überwachen und die Rechtevergabe zur Autorisierung und zum Versand der lokal organisierten Zahlungen zu steuern. So ist der Zahlungsverkehr als arbeitsteiliger Prozess organisiert, der deutlich Zeit und Kosten spart und überdies die Anforderungen aus Sicht von Compliance und Sicherheit ideal unterstützt.
Das Devisenmanagement im Konzern macht einen nicht zu vernachlässigenden Teil des Tagesgeschäfts aus: Durch die Verteilung der Produktion auf die ganze Welt und die Belieferung der lokalen Märkte aus den Werken vor Ort spielen Cashflows eine wesentliche Rolle für das FX-Risiko. Das eigentliche Absichern bekannter Risiken ist dabei weniger komplex als die Identifizierung der Risikofaktoren für die jeweiligen Währungen, die beispielsweise von USD, JPY, CHF, GBP über KRW bis hin zu RMB reichen.
Sartorius folgt der Maxime, das Währungsrisiko in den operativen Einheiten zu minimieren. Dies geschieht einerseits durch die Etablierung von Natural Hedging auf operativer Ebene sowie durch den gezielten Transfer von Währungsrisiken aus den Tochtergesellschaften in die Zentrale. Die zentrale Analyse des Währungsexposures auf Konzernebene bietet dabei viel Potenzial: Werden in Deutschland produzierte Produkte an Vertriebsgesellschaften in China geliefert und innerhalb der Gruppe in USD verrechnet, während vor Ort in RMB verkauft wird, sollte die Analyse nicht dem USD Exposure gelten, sondern verstärkt das EUR–RMB-Risiko berücksichtigen. Oft muss das Treasury Aufklärungsarbeit im lokalen Management leisten, um wirklich in der Lage zu sein, gemeinsam in monatlichen FX-Risk Committees die richtigen Empfehlungen für die Währungssicherung zu formulieren.
Neben dem Schwerpunkt auf der Außenfinanzierung und dem damit verbundenen Beziehungsmanagement konzentriert sich das Treasury auch auf die Innenfinanzierung des Unternehmens. Im Rahmen des Working-Capital-Management gilt es, im Unternehmen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Umsatz nicht gleich Zahlungseingang ist, und in diesem Kontext auch aufzuzeigen, wie bereits mit einfachen Maßnahmen ein Betrag zur Verbesserung der Liquiditätssituation geleistet werden kann.

Das Treasury bekommt auf diese Weise weitere Berührungspunkte mit den operativen Bereichen im Konzern: Wurden Treasury-Abteilungen allein schon aufgrund der im Vergleich zu Accounting und Controlling üblicherweise deutlich geringeren Mitarbeiterzahl früher konzernweit weniger wahrgenommen, so ändert sich dies nun mit dem Spektrum neuer Verantwortlichkeiten.

 

Ein dynamisches Umfeld – kein Tag ist wie der andere

Was beschäftigt das Treasury Team im Alltag noch? Zwei separate Finanzierungskreise mit getrennten syndizierten Darlehen, die im Rahmen der 2007 akquirierten französischen Stedim Gruppe etabliert worden waren, wurden inzwischen auf eine einzige Finanzierung für den Gesamtkonzern umgestellt – eine Maßnahme, um die Konzernfinanzierung zu harmonisieren und zu optimieren. Außerdem wird eine Neuausrichtung der Bankenstrategie in den USA notwendig, da dort jüngst drei Akquisitionen getätigt wurden, und nun prozessuale und finanzielle Synergien durch die Konzentration der Bankengeschäfte gehoben werden sollen. Brexit, EMIR, die Anforderungen um IFRS9 oder das Bankengeschäft im Allgemeinen führen dazu, dass es immer wieder Anpassungs- und Steuerungsbedarf gibt. Änderungen in der Bankenlandschaft müssen berücksichtigt werden: Die Dresdner Bank, die WestLB oder die WGZ waren einst Kernbanken des Unternehmens – keine der Banken existiert heute noch in der gleichen Struktur. Marktsituationen beeinflussen das Treasury massiv: Die Volatilität des EUR-CHF Wechselkurses nach der Freigabe durch die Schweizer Zentralbank oder das Referendum zum Brexit am Tag vor dem Closing einer Akquisition sind nur einige Beispiele, auf die das Treasury Team von Sartorius im Alltagsgeschäft immer vorbereitet sein muss.

Diese Art von Projekten und Herausforderungen prägen das Tagesgeschäft; Routineprozesse sind weitestgehend automatisiert und hoch standardisiert. Das weltweit eingesetzte Treasury System, das von jeder Gesellschaft für die Abbildung von Bankkonten, Zahlungsverkehr, Geschäften des Zins- und Währungsmanagements und für die Verwaltung der vielen Garantien im Tagesgeschäft genutzt wird, macht die Steuerung leichter. Zu jedem Zeitpunkt liegen für den Gesamtkonzern alle aktuellen Informationen vor, z.B. zum globalen Finanzstatus, dem Währungsexposure oder der Bewertung von Derivaten. Mit nur wenigen Personen wäre auch anders die Komplexität und Dynamik des Treasurygeschäfts des „Schnellboots Sartorius“ kaum zu steuern.

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