TRUMPF

Hochpräsize und laserscharf

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„Das System hat uns in der Finanzmarktkrise weiter zusammengeführt und aufgezeigt, wie wichtig das Teilen von Informationen für alle ist.“
Stephen Schmid | Head of Treasury and Insurance, TRUMPF GMBH + CO. KG
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Über TRUMPF:

Ein schwäbisches, familiengeführtes und traditionsorientiertes Hochtech-nologieunternehmen mit weltweitem Aktionsradius, genau wie man es sich überall auf der Welt vorstellt: TRUMPF mit Sitz in Ditzingen (Deutschland) gehört zu den weltweit Größten der Branche und bietet Fertigungslösungen in den Bereichen Werkzeugmaschinen, Lasertechnik und Elektronik an. Die hergestellten Werkzeugmaschinen zur Blechbearbeitung und Hochleistungslaser werden zum Schneiden, Formen und Biegen oder auch zum Schweißen mit Lasern auf der ganzen Welt verwendet. Das 1923 gegründete Unternehmen ist nach wie vor ein unabhängig und innovativ agierendes Familienunternehmen. Was einmal mit einer elektrischen Blechschere begann, ist heute ein Unternehmen, das mit 70 Gesellschaften in 30 Ländern operativ tätig ist. Internationalität wird hier groß geschrieben: Produktionsstandorte hat TRUMPF weltweit – in China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Mexiko, Österreich, Polen, in der Schweiz, in Tschechien und in den USA. Mit über 11.000 Mitarbeitern weist das Unternehmen einen Umsatz von EUR 2,8 Mrd. (Stand 30. Juni 2016) auf.

Die Internationalität im Grundgeschäft lässt sich immer ganz besonders im Treasury spüren: Bereits die Produktion von TRUMPF ist global aufgestellt. Ein Schwerpunkt liegt zwar mit zehn Produktionsstätten in Deutschland, doch nicht minder wichtig sind die Werke in der Schweiz, in Österreich, Frankreich, UK oder auch Tschechien und Italien, wo seit kurzem auch Maschinen für Additive Manufacturing (3D-Druck) hergestellt werden. Selbst in den USA wird an zwei Standorten produziert – auch in Farmington/Connecticut, ganz in der Nähe von Princeton/New Jersey – und Vorprodukte werden aus Mexiko zugeliefert. So hat sich Stephen Schmid, Leiter Treasury & Finance bei TRUMPF, nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA gefragt, wie sich dessen Einstellung zum Freihandel zwischen Mexiko und den USA mittelfristig auf die Lieferströme des Unternehmens und die damit einhergehenden Finanzfragen auswirken könnte. Zum heutigen Zeitpunkt kann das noch niemand sicher beantworten, doch die Frage beschäftigt das Treasury in Ditzingen und zeigt, wie komplex das weltweite Geschäft mit seiner Abhängigkeit von politischen Gegebenheiten doch ist. Neben Europa und Nordamerika hat TRUMPF inzwischen auch mehrere Produktionsstätten in China. Die dort gefertigten Produkte werden zurzeit primär für den Binnenmarkt hergestellt und auch dort verkauft. China ist damit in den Fokus des Cash Managements gerückt, spielt aber auch bei der Devisensicherung zunehmend eine größere Rolle.

Die Produktion bildet die eine Seite des Unternehmens, der Vertrieb der Maschinen und Laser die andere. Rund die Hälfte des Umsatzes des exportstarken Konzerns wird in Deutschland und in der EU generiert, die andere Hälfte außerhalb des Euro-Raums. Dort bedient TRUMPF nicht nur die Absatzmärkte in Ländern, in denen auch produziert wird, wie Nordamerika, sondern auch beispielsweise Südkorea, Singapur, Japan, Indien, Indonesien oder Thailand.

 

Weltweite Währungssicherung und Cash Pooling

Trotz dieser Vielfalt an Ländern, in denen Produkte verkauft werden, sind im Hinblick auf die Währungen die „Big Five“ besonders zentral: Die führenden Währungen im Treasury von TRUMPF sind USD, GBP, JPY und CHF und werden hier ganz speziell noch von PLN ergänzt. Das Treasury hat dabei das Ziel, das Exposure soweit wie möglich aus den Tochtergesellschaften herauszunehmen und die Risiken auf die Zentrale zu übertragen. Dort können diese mit einer Quote von 70-80% unter Einsatz von Standardinstrumenten mit Banken abgesichert werden. Währungen, bei denen das Risiko aufgrund von devisenrechtlichen Rahmenbedingungen nicht auf die Zentrale übertragen werden darf, werden von den Landesgesellschaften analog behandelt und dann lokal abgesichert. Auch die Gesellschaften in z.B. Brasilien, Südkorea oder Russland melden alle offenen und geschlossenen Position, um dem Treasury die Sicherheit zu geben, dass auch dort den zentralen Vorgaben folgend ein Risikomanagement umgesetzt wird.

Die Zentrale ist nicht nur für die Absicherung der Devisenrisiken verantwortlich, sie ist ebenso für die Refinanzierung der Tochtergesellschaften und deren Liquiditätsausstattung zuständig. Zu diesem Zwecke sind verschiedene Cash Pools etabliert worden, allen voran die Cash Pools in EUR. Eine Besonderheit ist sicher, dass TRUMPF sogar einen Cash Pool in Onshore RMB in China aufweisen kann, der insgesamt über fünf verschiedene Gesellschaften sogar in verschiedenen Regionen Chinas etabliert worden ist. Solche Strukturen zeigen, dass bei TRUMPF nicht nur die gängigen Standards etabliert sind, sondern deutlich über den Tellerrand hinaus geprüft wird, wie eine weitere Optimierung des Liquiditätsmanagements möglich ist.

 

Effizientes Liquiditätsmanagement bei Negativzinsen

Sicher gehört dazu auch die Optimierung des gesamten Einsatzes der Liquidität, der ganz oben auf der täglichen Agenda steht – und das beschäftigt Stephen Schmid zurzeit besonders. „Eine vergleichbare Situation haben wir noch nie erlebt, bei der für solide Liquidität plötzlich Gebühren, also Negativzinsen berechnet werden“, erklärt er. Das Unternehmen hat grundsätzlich immer ein recht hohes Maß an „Reserveliquidität“ verfügbar, die es sinnvoll einzusetzen gilt und die gerade in Zeiten von Negativzinsen eine große Beachtung erfordert.

Das Treasury von TRUMPF sieht sich ganz klassisch als Schatzmeister im eigenen Hause. Dabei steht die Verantwortung im Vordergrund, die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Das war in der Krise von 2008 auf eine harte Probe gestellt worden und mündete in die Umstellung der Grundlagenfinanzierung. Waren damals noch kurzfristig fällige b.a.w. Darlehen an der Tagesordnung, wurde in der Zwischenzeit auf längerfristige Laufzeiten gewechselt. So wird sichergestellt, dass immer ausreichend Reserveliquidität vorhanden ist, um den Schwankungen in der Kasse oder im Rahmen von Akquisitionen auch kurzfristig begegnen zu können. Parallel dazu hatte das Treasury bereits vor der Krise eine Privatplatzierung in den USA (USPP) durchgeführt. Jetzt wird genau diese Reserveliquidität zur zusätzlichen Herausforderung.

 

Vertrauen von Banken und Investoren auch in Krisenzeiten

In den Krisenjahren, die auch die Hochtechnologiebranche hart getroffen hatten, blieben die Kreditgeber von TRUMPF ruhig und entspannt. Ein vertrauensvolles Verhältnis wurde schon damals nicht nur zu den USPP-Investoren gepflegt, sondern zu allen Haus- und Kernbanken. Gerade in diesen schweren Zeiten war man froh, stabile Bankenbeziehungen zu haben.

Als das Geschäft über Nacht um 40% eingebrochen und von insgesamt EUR 2,1 Mrd. auf EUR 1,4 Mrd. gesunken war, blieb das Vertrauen der Finanzierungspartner dennoch bestehen. Der Einbruch hatte im Dezember 2008 begonnen und schon im Januar 2009 konnte das Treasury die Liquiditätssituation wieder so aufstellen, dass alle beruhigt in die Zukunft schauen konnten. Der Umsatz von EUR 2,8 Mrd. Stand Juni 2016 ist der Beweis, dass sich diese Maßnahmen gelohnt haben, die Umsatzeinbrüche rasch wieder aufgeholt werden konnten und dass das Treasury seinen Beitrag geleistet hat, dass die Krise weitgehend unbeschadet überstanden wurde. Heute steht das Treasury vor der Aufgabe, genügend Liquidität vorzuhalten und die Kosten dafür zu kontrollieren. Kreditverbindlichkeiten werden soweit wie möglich zurückgeführt, Kreditlinien als Backup im Rahmen einer Konsortiallinie vereinbart, die Pensionskasse wird teilweise ausgelagert und Teile des Cash werden längerfristig angelegt. In weniger als zehn Jahren hat sich das Aufgabenspektrum im Liquiditätsmanagement vom Liability Management zum Asset Management einmal komplett gedreht.

 

 

Für alles gerüstet

Auf intensive und umfangreiche Erfahrungen sowohl bei „Sonnenschein“ als auch „Regen“ zurückgreifen zu können, schafft Stabilität, um den Herausforderungen in der Zukunft ohne Sorge begegnen zu können. So stellt sich das Treasury darauf ein, dass die Volatilität der Märkte weiter zunehmen wird, dass Handelsströme stärker reguliert werden und sich eine Embargoprüfung zur Alltagsaufgabe entwickeln wird. Auch mit ähnlichen Szenarien, wie die Rücknahme der Interventionen der Schweizer Nationalbank in Bezug auf den EUR-CHF Kurs oder die Kursschwankungen nach dem Referendum zum Brexit wird man künftig rechnen müssen. Nicht zuletzt bereitet sich TRUMPF auch auf zunehmende Finanzkriminalität vor. Mit der Umstellung der Autorisierungsabläufe im Zahlungsverkehr, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren begonnen hat, konnten Fake-President- Attacken erfolgreich abgewehrt werden. Ein Prozessrisikomanagement rückt weiter in den Vordergrund. Nicht zuletzt berücksichtigt TRUMPF auch die Veränderungen im Bankensenktor, der sich zunehmend im strukturellen Wandel befindet. Das Treasury muss daher Bonitäten intensiver unter die Lupe nehmen, um sowohl die Anlagen zu sichern, als auch die Verfügbarkeit von Kreditlinien im Bedarfsfall sicherzustellen.

„Wir müssen uns bankenunabhängig aufstellen“, lautet die Vorgabe von Stephen Schmid. „Selbstverständlich brauchen wir Banken für die Abwicklung von Zahlungsaufträgen, für die Ausstellung von Garantien oder als Sparringspartner für die Risikosteuerung. Die Institute ziehen sich aber aus vielen angestammten Disziplinen immer weiter zurück und wir sind aufgefordert, uns jederzeit neu orientieren und aufstellen zu können. Dazu gehören auch die entsprechenden Systeme und die Technik“, ergänzt er.

 

German Engineering: klare Rollen und Prozesse

Heute ist nur noch schwer vorstellbar, wie einst Aufgaben, Verantwortung und Prozesse auf dem Niveau und mit den vorhandenen Kapazitäten ohne entsprechende technische Unterstützung wahrgenommen werden konnten. Stephen Schmid hatte vor über 20 Jahren die Aufgabe bekommen, für die Holding einige Tätigkeiten aus dem Bereich des Treasury auch neben der Buchhaltung mitzumachen. Erst fast zehn Jahre später wurde eine eigene Abteilung mit 1,5 Arbeitskräften aus der Taufe gehoben. Heute sind vier Personen in Ditzingen im Treasury beschäftigt, die durch die kaufmännischen Mitarbeiter vor Ort unterstützt werden. Sie arbeiten sehr eng mit den Hubs in Singapur und den USA zusammen, um das Wissen aus den Regionen ideal mit einfließen zu lassen. Der Aufbau des vierköpfigen Teams im Treasury folgt dabei einem klaren Ansatz: Das Front Office ist für den Handel mit Banken verantwortlich, das Middle Office ist für das interne Kontrollsystem und Controllingaufgaben sowie für das Reporting zuständig, und das Back Office ist für das Rechnungswesen im Treasury verantwortlich. Die ganze Abteilung ist in der Holding angesiedelt und berichtet unter Leitung von Stephen Schmid direkt an den (Gruppen-)CFO. Die Systemunterstützung und eben diese Einteilung der Verantwortlichkeiten erleichtern die Arbeit deutlich.

 

Prozessintegration im TMS heißt Informationen teilen

Die Nagelprobe für funktionierende Prozesse und Technik war auch hier wieder die Finanzkrise, als das Treasury jederzeit und umfassend auskunftsfähig sein musste. Die Integration verschiedener Prozesse in das Treasury System war wichtig, um unternehmensweit einen vollständigen Überblick zu gewinnen.

„Ich habe noch die ersten Schritte des Electronic Banking erlebt, wo über Bildschirmtext Zahlungsaufträge erfasst wurden, von der Freigabe mal ganz zu schweigen. Heute kann ich die Zahlungen zur Not sogar einfach am Mobiltelefon freigeben. Das ist schon eine enorme Erleichterung“, stellt Schmid fest. Im TMS sind nicht nur alle 150 Bankkonten bei den über 100 Banken erfasst, mit denen der Konzern zusammenarbeitet. Es sind auch alle internen und externen Kontakte und Ansprechpartner hinterlegt.

Durch die erhöhte Transparenz und das Teilen von Informationen für das gesamte Unternehmen, hat auch das Treasury intern einen Bedeutungsaufschwung erfahren: Stephen Schmid ist nicht nur der Schatzmeister, „Mr. Dollar“, wie er im Konzern oft genannt wurde. Er ist es, der gemeinsam mit dem CFO das Unternehmen krisensicher aufstellt. Das Treasury, das den Konzern durch gute und schlechte Zeiten begleitet hat, reflektiert damit die Werte und das Bild des soliden deutschen und weltweit agierenden Mittelstands, der auch Krisen mit innovativen und flexiblen Lösungen auf hohem professionellem Niveau meistert.

 

Exkurs: „Wir gründen einfach eine Bank!“

TRUMPF bietet nicht nur Hochleistungstechnologie an, sondern zudem attraktive Finanzdienstleistungen für Kunden, um den Vertrieb zu unterstützen. Denn die Abnehmer sind zu einem großen Teil nicht nur Großkonzerne, sondern gerade auch kleine und mittelgroße Unternehmen, die Maschinen von TRUMPF für ihr Kerngeschäft einsetzen. Gerade für diese spielt die Finanzierung der Technik eine entscheidende Rolle. Die zu diesem Zweck agierende TRUMPF Financial Services GmbH ist vom Treasury klar abgegrenzt und agiert eigenständig. Sie ist nicht nur eine „einfache“ Tochtergesellschaft, sondern ist gemäß dem Geschäftsmodell besonders aufgestellt und verfügt über eine eigene Banklizenz.

Was 2011 das erste Mal als Idee formuliert wurde „Wir gründen einfach eine Bank“, ist inzwischen fester Bestandteil der Absatzfinanzierung des Unternehmens geworden. Bis zu 15% des Umsatzes in Deutschland und über 30% außerhalb des Kernmarkts werden mit Unterstützung der TRUMPF Financial Services GmbH generiert. Inzwischen gibt es auch „Bank“-Filialen in anderen Ländern der EU, und auch das Produktportfolio ist ausgeweitet worden. Als Dienstleistungspaket bietet TRUMPF neben Leasing und Mietkauf auch Darlehen und Förderdarlehen an. Darüber hinaus ist die Bank aufgefordert, auch Einlagen zu generieren, was von den 5.000 Mitarbeitern des Unternehmens in Deutschland intensiv und dankbar angenommen wird. Mit 25 Mitarbeitern steuert die Bank den Vertrieb der Finanzdienstleistungen und die damit verbundene Administration und das Risikomanagement. Ergänzt wird sie zudem durch eine eigene Leasinggesellschaft in der Schweiz, die in „schwierigen“ Ländern, wie beispielsweise Usbekistan oder Brasilien tätig wird, wenn die Bank dort ihre eigenen Dienstleistungen nicht anbieten kann.

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