Wacker Neuson

Hier geht es richtig zur Sache!

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„Wenn die erforderliche Aufklärung und Transparenz über die Arbeiten des Treasury im gesamten Unternehmen geschaffen sind, können wir noch mehr zum Unternehmenserfolg beitragen. Als Speerspitze in der Treasury-Landschaft können wir auch in Verbänden und in der Öffentlichkeitsarbeit einen Beitrag leisten, dem Treasury insgesamt die Bedeutung zu verschaffen, die es verdient.“
Thomas A. Woelk | Head of Corporate Treasury, Wacker Neuson
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Über Wacker Neuson:

Auf nahezu jeder Baustelle findet man sie – Bagger, Rüttelplatten, Stampfer oder Schaufellader der Wacker Neuson Group. Der weltweit führende Hersteller von hochwertigen Baugeräten und Kompaktmaschinen mit Konzernsitz in München umfasst ein breites Leistungsangebot, das sich sowohl an Profi-Anwender in der Bauwirtschaft, im Garten- und Landschaftsbau oder in der Landwirtschaft richtet als auch an Kommunen und Unternehmen aus der Industrie. Seit 2011 produziert Wacker Neuson im Werk in Hörsching außerdem Minibagger für Caterpillar. Das 1848 gegründete Familienunternehmen hat heute mehr als 50 Tochterunternehmen, über 140 Vertriebs- und Servicestationen sowie über 12.000 Vertriebs- und Servicepartner weltweit. Produktions- und Entwicklungsstandorte sind in Deutschland, Österreich, Serbien, aber auch in den USA, Brasilien oder auf den Philippinen. Seit 2007 ist Wacker Neuson börsennotiert und im SDAX gelistet.

Vielleicht liegt es an der Branche, vielleicht auch am Treasurer von Wacker Neuson. Es geht im Interview mit Thomas A. Woelk gleich zur Sache. Schnörkellos und präzise, ebenso wie das Treasury im Konzern. Ein tiefgreifendes Verständnis des Grundgeschäfts ist wesentlich dafür, dass ein Treasury so gut läuft, wie es heute bei Wacker Neuson der Fall ist. Schon das Währungsmanagement für Unternehmen dieser Größenordnung und mit einem entsprechenden internationalen Background ist eine Herausforderung für das Treasury. Bei Wacker Neuson muss es dafür sorgen, dass die mehr als 30 verschiedenen Währungen immer genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind – sowohl für den Einkauf, die Produktion als auch für den Vertrieb.

 

Ein global-regionales Geschäftsmodell

Während der Vertrieb weltweit überaus erfolgreich – von Chile bis Russland, von Australien bis Kanada und von Skandinavien bis nach Südafrika – agiert, so kauft Wacker Neuson Vorprodukte überwiegend aus den umliegenden Märkten der Produktionsstätten. Die Waren werden durch den Zentraleinkauf erworben, danach an die insgesamt acht Produktionsgesellschaften geliefert und direkt an diese von den Lieferanten fakturiert. Tendenziell berechnen zwar die Lieferanten meist in der lokalen Währung des Werks, längst aber nicht in allen Fällen. So sind die Produktionseinheiten oft bereits durch den Wareneinkauf mit Währungsmanagement und den damit verbundenen Währungsrisiken konfrontiert. Ist das Endprodukt hergestellt, verkaufen die Produktionsgesellschaften diese über die Logistik an die Vertriebsgesellschaften, in der Regel wiederum in der eigenen Währung, vor allem in USD und EUR. Denn die Produktionsgesellschaften fakturieren im Export in Brasilien, auf den Philippinen und in den USA ohnehin in USD; Standorte in Deutschland, Österreich und Serbien werden in EUR abgerechnet. Die sich derzeit im Aufbau befindliche Produktion in China wird in erster Linie für den lokalen Markt arbeiten und spielt daher zumindest bisher keine entscheidende Rolle im Währungsmanagement. Die Vertriebsgesellschaften verkaufen in lokalen Märkten und entsprechend in lokaler Währung. Sie tragen das Währungsrisiko zwischen Einkauf und Verkauf selbst. Wacker Neuson sieht sich aufgrund eben dieses Geschäftsmodells weder als Exporteur noch als Importeur, sondern als gleichzeitig lokal und global agierendes Unternehmen, das in der Region für die Region produziert. Die zentrale Herausforderung für das Treasury im Rahmen des globalen Währungsmanagement ist es nun, herauszufinden, welche Fremd-währungen aus Konzernsicht einerseits aus dem Vertrieb erlöst werden und andererseits für den Einkauf verwendet werden können.

 

Natural Hedging und Währungssicherung

Für die Auswertung dieser Daten werden die entsprechenden Informationen aus dem Einkauf durch das ERP-System bereitgestellt. Etwa 85-90% des anfallenden Volumens können so bereits kontrolliert werden. Der Bedarf an Cash in bestimmten Währungen wird dem aktuellen Forecast der Verkaufserlöse der Gesellschaften gegenübergestellt. Daraus ergeben sich sowohl das Volumen, das sich über einen Natural Hedge ausgleicht, als auch das verbleibende Exposure, dessen Risiko durch das Treasury abgesichert werden kann. Neben den Herausforderungen des Hedging sind es aber auch vor allem die zeitlichen Divergenzen von Ein- und Auszahlungen, die es zusammenzubringen gilt. Denn gerade bei der täglichen Bewertung der Positionen nach IFRS ist ein gleich-lautender Cashflow maßgeblich, um einen echten Natural Hedge zu erreichen.

Der Devisenhandel selbst ist bei Wacker Neuson technologisch vollständig unterstützt. Benötigt beispielsweise eine Gesellschaft in UK zum Ausgleich einer internen Forderung EUR, so wird diese Anfrage an die Zentrale übermittelt. Diese nimmt die Anfrage auf und handelt den Betrag mit einer Bank auf einer entsprechenden Auktionsplattform. Dabei werden zwölf Banken direkt eingeladen, mitzubieten und zwar unabhängig davon, ob mit der Bank eine Kontoverbindung existent ist oder nicht. Nach der externen Fixierung der Kurse und der Weitergabe der Sicherungskurse an die jeweilige Tochtergesellschaft werden am Fälligkeitstag EUR an Wacker Neuson geliefert und z.B. GBP belastet. Gleichzeitig werden die internen Überweisungen automatisch über das TMS von Wacker Neuson an die Tochtergesellschaft in UK initiiert und über SSLs mit den Banken gesettlet.

 

Sicherheit im Zahlungsverkehr hat höchste Priorität

Nicht nur das Währungsmanagement beschäftigt das Treasury intensiv. Thomas A. Woelk trägt in Fachkreisen den Spitznamen „Doc Fraud“, denn Zuverlässigkeit und Sicherheit im Zahlungsverkehr stehen ganz oben auf seiner Agenda. Wacker Neuson verzichtet beispielsweise auf die Unterschriften von Führungskräften in jeglichen Arten von Publikationen, um potenziellen Betrügern das Leben nicht zusätzlich auch noch einfach zu machen. So können diese nicht einfach abgescannt und auf Schecks oder Überweisungsformularen missbräuchlich eingesetzt werden. Zahlungsverkehr mittels Belegen wird ohnehin – soweit dies rechtlich möglich ist – aus Sicherheitsgründen vermieden. Selbst in Ländern, in den Schecks noch ein übliches Zahlungsmittel sind, wie z.B. den USA, werden Überweisungen stattdessen elektronisch an die Bank übertragen. Darüber hinaus hat Wacker Neuson inzwischen für 90% des gruppenweiten Zahlungsverkehrsvolumens nur noch eine einzige Plattform im Einsatz und damit nahezu vollkommene Kontrolle über alle Geldausgänge des Konzerns. Die Tochtergesellschaften erstellen ihre Zahlungen in der Regel im eigenen ERP-System, importieren diese via Schnittstelle automatisiert in das TMS, autorisieren sie dort unter Berücksichtigung der in der Plattform hinterlegten Unterschriftsregelungen und übertragen sie anschließend direkt an die Bank zur finalen Ausführung. Zu diesem Zweck werden nicht nur lokale Technologien wie EBICS eingesetzt, sondern auch Direktanbindungen an Banken via Host-to-Host verwendet. Der krönende Abschluss ist zudem Wacker Neusons Direktanbindung an SWIFT. Seit 2014 verwendet das Unternehmen den eigenen SWIFT-BIC zur Identifizierung im SWIFT-Netz, um Banken zu erreichen, die nicht via Host-to-Host bzw. EBICS ohne Weiteres adressiert werden können.

Zahlungsverkehr zentral und sicher gestalten

Vor der Zentralisierung des Zahlungsverkehrs wurde auf den unterschiedlichsten Plattformen mit jeweils verschiedenen Token, PINs, TANs und Schlüsselgeneratoren sowohl in der Zentrale als auch den Gesellschaften lokal gearbeitet. Die Unterschriftsberechtigungen mit den Banken vor Ort wurden individuell vereinbart und auch von diesen dokumentiert. Heute erfolgt die Autorisierung auf Basis eines für alle Gesellschaften einheitlichen Prinzips, über alle Banken hinweg. Die Verwaltung aller Unterschriften erfolgt ausschließlich in der Plattform unter der Hoheit des Treasury. So besteht jederzeit die Möglichkeit, sehr schnell zu reagieren, sollte ein Mitarbeiter das Unternehmen verlassen oder neu hinzukommen. Besonders stolz ist das Treasury auf die Tatsache, über den zentralen Payment-Hub insgesamt mehr Zahlungsvolumen abzuwickeln, als über das einheitliche ERP-System dargestellt wird. Global betrachtet hat es „Doc Fraud“ geschafft, mit seinem Systemansatz eine größere Abdeckung zu erreichen, als dies im Rahmen der zentralisierten ERP-Landschaft bisher gelungen war.

Das heute erreichte Ziel in der Standardisierung des Zahlungsverkehrs ist beeindruckend, doch in der Retrospektive war es kein Spaziergang. Die ausgeprägt dezentrale Struktur in der Wacker Neuson Gruppe und die damit verbundene Hoheit der Tochtergesellschaften über viele Entscheidungen musste erst überwunden werden. Es galt, intensive Überzeugungsarbeit zu leisten, und klar zu machen, warum lokale Banken nicht mehr in der Form wie zuvor benötigt werden, und welche Vorteile eine Vereinheitlichung und Zentralisierung bringen. Zum Bedauern des Treasury gibt es immer noch schlummerndes Potenzial mit Blick auf den Zahlungsverkehr der Tochtergesellschaften, da in einzelnen Ländern z.B. „Government-Payments“ noch einer speziellen Behandlung unterworfen sind. So ganz papierlos ist Wacker Neuson dann doch noch nicht unterwegs, denn nach wie vor gibt es beispielsweise die Anforderung an papierhafte Begleitzettel, die sich nicht einfach über globale Technologien und Anbindungen darstellen lassen. Irgendwann, so hofft Thomas A. Woelk, wird aber auch das der Vergangenheit angehören.

 

Gruppengesellschaften ideal unterstützen – Treasury als interner Service

Das Treasury umfasst trotz seines umfangreichen Aufgabengebiets neben dem Leiter Thomas A. Woelk nur drei Mitarbeiter, die das Wachstum des Konzerns von EUR 1,1 Mrd. im Jahr 2012 auf die angestrebten EUR 2 Mrd. begleiten. Das Treasury versteht sich als zentraler Ansprechpartner in allen Fragen rund um das FX Management oder die Refinanzierung. Es verantwortet die gesamte Kommunikation mit den Banken für den Konzern weltweit. Durch die Zentralisierung dieser Aufgaben ist sichergestellt, dass sich die Gesellschaften ausschließlich auf ihr Grundgeschäft konzentrieren können.
Ohne Erhöhung der Kapazitäten ist es nur möglich, solch ein Volumen effizient zu „managen“, wenn eine umfangreiche Systemunterstützung etabliert ist. Das Treasury Management System spielt daher keine Nebenrolle, sondern ist zentrales Herzstück für diese tägliche Arbeit. Nicht nur die Zentrale, sondern alle Gesellschaften sollen in gleichem Maße davon profitieren. Das Treasury übernimmt zudem immer stärker Aufgaben, die früher durch Banken vorgenommen wurden. Entsprechend definiert das Treasury auch sein Verhältnis zu Banken, die als Serviceprovider, Dienstleister, gleichzeitig aber auch als tolle externe Kollegen für genau diese Nische angesehen werden, mit denen man auf Augenhöhe diskutiert.
Ganz unter dem Motto „Banken ersetzen“ kann auch das immer spannender werdende Thema der Absatzfinanzierung gesehen werden. Hierbei hat sich Wacker Neuson entschieden, mit einem externen Partner zusammenzuarbeiten und keine eigene Finanzierungsgesellschaft zu etablieren. Es kommt ein „virtuelles“ Joint Venture zum Einsatz, das die komplette Finanzierung gegenüber dem Endkunden übernimmt. Die damit erwirtschafteten Erträge werden zwischen den Joint Venture Partnern geteilt. Wacker Neuson übernimmt für den theoretisch fälligen Eigenkapitaleinsatz, der bei dem virtuellen Joint Venture nicht eingezahlt wird, die Zinskosten. Diese werden am Ende der Periode vom Ertragsanteil abgezogen. So kann das Treasury auf die gesamte Bandbreite von Finanzierungsmöglichkeiten zurückgreifen, ohne als Bank oder Leasinggesellschaft die entsprechenden Lizenzen beantragen und Kosten der Administration tragen zu müssen.

Während sich Thomas A. Woelk um die Verhandlungen mit Banken und beispielsweise um die Absatzfinanzierung des Joint Venture kümmert, liegt die Aufgabe das Debitoren-Risiko zu managen bei einem Kollegen, der dabei eng mit den Gesellschaften bei der Bonitätsmessung der Kunden zusammenarbeitet. Die Gesellschaften können somit ihr Geschäft weiter optimieren, ohne zu wenig oder zu hohes Risiko im Forderungsportfolio aufzuweisen. Eine weitere Mitarbeiterin ist zuständig für das Cash Management und die weltweit geführten Cash Pools in EUR und USD, den Multi-Currency-Notional-Pool, sowie die Betreuung und Hilfestellung für Kollegen im Umgang mit dem TMS. Der dritte Kollege ist für den Handel von Währungen zuständig und übernimmt die Verantwortung für die Optimierung des weltweiten Zahlungsverkehrs. Er sorgt dafür, dass lokale Formate im ERP-System erst gar nicht zur Auswahl stehen, sondern gleich global genutzte Dateien im Format CGI V2 oder V3 verwendet werden. Diese Formate sind für die Übertragung der Dateien mit den Banken vereinbart und führen dazu, dass lokale Institute teilweise gar nicht erst eingebunden werden können. So hat das Treasury unter Leitung von Thomas A. Woelk auch hier den idealen Überblick und kann bereits präventiv den lokalen Zahlungsverkehr in die richtigen Bahnen lenken.

 

Es war einmal… die Fake-President-Falle

Den Zahlungsverkehr effizient zu kontrollieren, ist Woelk auch mit Blick auf die Vermeidung jeglicher Art von Betrug wichtig. Noch heute kann er sich gut erinnern, wie dem eigenen Unternehmen einst selbst die Fake-President-Falle gestellt wurde. So wurde an einem Freitagnachmittag dringend Geld von einem Konto in den USA auf ein Konto auf den Balkan übertragen, fälschlicherweise, wie sich herausstellte. Am Sonntag hatte Woelk die Filiale der global agierenden Bank in Australien regelrecht „zugespammt“, um die Überweisung noch irgendwie zu stoppen. Durch die Zeitverschiebung konnte rechtzeitig eingegriffen werden, bevor das Geld das Empfängerkonto erreichte, so dass Wacker Neuson kein Geld verloren ging. Der Fall und die vorhandenen Hinweise auf den falschen Auftraggeber führten jedoch zu Nachforschungen seitens der Behörden und damit dazu, dass im Treasury von Wacker Neuson das Anliegen, Finanzbetrug zu vermeiden, noch mehr Gewicht bekommen hat. Thomas A. Woelk trägt seinen Spitznamen „Doc Fraud“ daher nicht zu Unrecht.

Das Treasury bei Wacker Neuson sieht sich noch lange nicht am Ende der möglichen Aktivitäten – auch die Zukunft wird spannende Herausforderungen im Treasury insgesamt und speziell mit Blick auf die Vermeidung von Fraud bringen. Hierbei spielt die persönliche Kommunikation mit den Kollegen weltweit eine entscheidende Rolle für die Sensibilisierung des Themas.

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